Hallo,
mein Sohn ist jetzt 9 Jahre alt und besucht die 3. Klasse einer Grundschule im Ruhrgebiet. Er ist ein ehemaliges Frühchen (SSW 30+3). Seit seinem dritten Lebensjahr trägt er Brille und Augenpflaster (Okklusionstherapie), da er auf dem rechten Auge stark kurzsichtig ist (mittlerweile -8,75 dpt) und links eine leichtere Weitsichtigkeit (+3,25 dpt) vorliegt. Angefangen haben wir damals mit einem Unterschied von 5 dpt.
Er trägt Brille, wir haben auch weiche KL, die trägt er aber nicht gerne. In der Schule gab es immer wieder Probleme mit Konzentrationsmangel und geringe Aufmerksamkeitsdauer. Die Lehrerin bemängelte Verhaltensauffälligkeiten.
Meine Nachfragen beim Augenarzt (halbjährlicher Untersuchungsintervall) und der Sehschule (vierteljährlicher Besuch), ob das vielleicht mit seiner Fehlsichtigkeit zusammenhängen könnte, wurden verneint.
Wir landeten bei einer Erziehungsberatungsstelle. ADHS stand plötzlich im Raum.
Bei der Einschulungsuntersuchung meiner 3 Jahre jüngeren Tochter vor 2 Monaten fragte die Amtsärztin wegen meiner Brille nach Sehbeeinträchtigungen in der Familie. Auf meine Angaben zu den 12 Dioptrien Unterschied bei meinem Sohn sagte sie nur:"Dann haben Sie ja bestimmt Probleme in der Schule"...
Im Ergebnis sind wir dadurch zur Beratung in die Focus Sehen-Schule v. LWL in Gelsenkirchen gekommen. Dort hat man verschiedene Test mit meinem Sohn durchgeführt und wundert sich über gar nichts an seinem schulischen Verhalten. Sie sagen, dass er jeden Tag Hochleistungssport in Sachen "Sehen und Wahrnehmung" vollbringt und es bis lang toll hinbekommen hat, aber die Anforderungen immer schwieriger werden, kleinere Kästchen und Lineaturen, kleinere Schriften, größerer Informationsinhalt in kürzerer Zeit erfassen etc.
Im Alltag merkt man ihm relativ wenig an, er liest gerne und viel, wirft nicht ständig etwas um oder rennt irgendwo vor. Aber manchmal eben doch... Ich habe mir keine Gedanken dazu gemacht, leere PET-Flaschen fallen schnell um, wenn man sie nicht ganz richtig erwischt...
Wir leiten jetzt ein AO-SF-Verfahren mit dem FS Sehen ein, mit dem Ziel GU an einer Regelschule. Demnächst habe ich einen Hilfsmittelberatungstermin bei einem Low Vision-Spezialisten. Die Lehrerin ist nicht begeistert, sieht die Problematik nicht, die Brille korrigiert doch alles.
Wieso ist dieses Thema so schwierig?
Sind 12 Dioptrien Unterschied so selten?
Übungen hat die Optometristin in der Sehschule keine mit meinem Sohn gemacht, immer nur getestet. Ist das der normale Weg?
Hat jemand hier ähnliche Erfahrungen? Tipps nehme ich immer gerne 
Liebe Grüße