Ich habe vor, mir eine Bifokalbrille machen zulassen. Ja, ich weiß schon, ist wohl nichts mehr für den modernen Menschen. Aber diese Brille soll auch nicht dasein, um unter die Leute zu gehen.
Ich bin Zahntechnikerin und mit meiner neuen Gleitsichtbrille ist das Arbeiten ein Grauen. Dabei sollte diese den ewigen Brillenwechsel ganz besonders auf Arbeit ablösen und nebenbei auch ausgehfähig sein. Habe sogar extra die individuelle Version gewählt, um die wenigsten Probleme zu haben. Aber bei dieser aktuellen Brille liegt der Punkt für die "Lese"-stärke aber leider viel zu tief. Bei der dann verkrampften Haltung macht Arbeiten wirklich keinen Spaß. Gläser höher einschleifen lassen wäre da bestimmt der Tipp. Muss ich auch nicht haben. Kann so schon nicht entspannt in die Ferne schauen, da ich zum scharf Sehen schon leicht den Kopf senken muss. Einen kürzeren Kanal als 11 gäbe es aber auch nicht. Eine höher eingeschliffene Variante hatte ich außerdem bei meinem ersten Versuch mit einer Gleitsichtbrille. Wenn ich von einer Fernbrille auf Gleitsicht wechsele, will ich bestimmt nicht fast alles unscharf sehen oder die Brille so tief ins Gesicht ziehen müssen, dass es nicht mehr gut aussieht. Das war jedenfalls das Ergebnis vom 1. Versuch.
(Entschuldigung, bin abgeschweift.)
Notgedrungenermaßen bin ich auf Arbeit wieder zur alten Zweibrillentechnik übergegangen - Fernbrille und davor und etwas tiefer eine konfektionierte randlose Lesebrille. Oben die Ferne, Mitte die Nähe, unten (reine konfektionierte Lesebrille) ungenutzt. Klappt eigentlich prima, ist nur hässlich, aber wir sind derer 3 von 5 Kolleginnen, die ähnlich durchs Labor laufen. Optisch schlechter kann es mit einer Bifokalbrille nicht werden, die Sehqualität ist vermutlich ähnlich.
Die Übergangswerte der Gleitsichtbrille vermisse ich bei der Zweibrillenvariante nicht. Diese und die seitlichen Unschärfebereiche machen die Gleitsichtbrille aus meiner Sicht nur zu fast 90% unscharf. Der "Lese"bereich, den ich zum Arbeiten brauche, ist nicht nutzbar da zu tief. Davon abgesehen Texte lesen (mit Fernbrille) fällt mir erst unter 35 cm Abstand schwerer, bis dahin ist die Schrift scharf. Nur der Arbeitsabstand ist eindeutig kürzer. Das "Fern"sehen ist auch nur eingeschränkt nutzbar. Dauern gerate ich in unscharfe Bereiche, muss den Kopf wieder und wieder nach unten korrigieren, will ansonsten unbewusst die Sicht schärfer stellen, was kaum gelingt und nur höllisch anstrengt. Nach etwas längerer Tragezeit muss ich mich derart beherrschen, mir nicht die Gleitsichtbrille vom Kopfe zu reißen. Habe ich die Fernbrille dann doch irgendwann auf,stelle ich immer wieder fest: 'Wie klar/scharf die Welt doch sein kann'. Es war eindeutig ein Fehler, einen zweiten Gleitsichtversuch zu unternehmen. So eine Brille mag für andere das Richtige sein, für mich jedenfalls nicht, auch wenn mir die Optikerin anderes einreden will: 'Später würde ich nicht daran vorbei kommen, also schon mal dran gewöhnen, bevor es dann noch schwerer fällt.' Wenn zum Arbeiten nicht zu gebrauchen und Fernsicht miserabel, was soll mich motivieren, diese Brille zu tragen?
(Entschuldigung, schon wieder abgeschweift, aber das Thema beschäftigt mich.)
Mir ist aufgefallen, dass bei den Gleitsichtbrillen die Additionsstärken immer rechts und links gleich sind. Während ich in der Ferne rechts (schlechteres Auge) leider immer noch weniger scharf sehe (ist wohl aber eher auf ein Formproblem am Tage der Wertebestimmung zurück zu führen), sehe ich mit der reinen Fernbrille in den näheren Bereichen rechts eindeutig besser als links. Meiner Logik nach sollte ich also rechts deutlich weniger Addition nötig haben als links. Die Optikerin meint, das würde mein Gehirn nicht verarbeiten können ö.s.ä.. Kann es ehrlich noch schlimmer werden, als bei der Akzeptanz der dauernd wechselnden Schärfen und Unschärfen einer Gleitsichtbrille mit gleicher Addition?
Ich gehe mal davon aus, das eine reine Lesebrille vom Optiker bei mir mit zwei unterschiedlichen Stärken ausgestattet sein würde, aufs jeweilige Auge so angepasst, dass man jeweils scharf lesen würde.
Wie sieht das bei einer Bifokalbrille aus? Werden da unten Additionswerte wie bei der Gleitsichtbrille (z.B. rechts und links je + 1,75 also gleich) oder die wirklich optimalen Lesestärken eingeschliffen?

