Hallo Jack,
ja, der Artikel ist ganz nett, und in der Grundtendenz stimme ich auch zu. Ich denke, vielen geht es so, dass sie die Überlegenheit der spanischen Mannschaft an sich anerkannten und den offensiven Kurzpassfussball auch mochten, aber allmählich etwas angenervt waren. Aber zum einen ist mir in dem Artikel zu viel von Schicksal und so Quatsch die Rede, zum anderen verschweigt er ja doch eigentlich das Wesentliche. Wie ist es denn dazu gekommen? Warum der so radikale Absturz? Und ist nicht Deutschland 2004 dann bereits wieder in der Vorrunde ausgeschieden? So wie die spanische Mannschaft uns in den beiden Spielen der WM präsentiert hat, schaffen sie niemals eine lange und anstrengende Qualifizierung zur nächsten EM. Und das wars dann.
Spätestens als ich die Aufstellung gestern gelesen hatte, war mir das Ende der Partie klar, aber eigentlich wusste ich es schon seit dem ersten Spiel der Spanier. Keiner aus meinem Umfeld wollte es mir glauben, dass sie in DER Aufstellung und Verfassung Chile niemals besiegen werden, auch nicht die sogenannten Experten. Denn als solcher verstehe ich mich nicht. Aber mir war das sonnenklar, dass in dieser Mannschaft einige Personalien nicht stimmen. Nur ein Auswechseln dieser Personen hätte den Hauch einer Chance gegen Chile versprochen, das sich ja schon im letzten Spiel sehr hungrig und überlegen zeigte, wenngleich gegen Australien. Ich war wirklich sehr gespannt, ob und wieweit der Trainer den Schnitt wagen würde.
Hehe, weit gefehlt, wie die Aufstellung dann gezeigt hat. Immerhin ließ er Piqué draußen, der schlecht ist und nicht mehr der jüngste. Ich habe es allerdings auch nie so ganz verstanden, wie der den Weg in die Nationalmannschaft gefunden hat. Dann wurde Xavi ersetzt, was sicher nicht klug war, denn Xavi ist die zweite Hälfte von Iniesta und nur gemeinsam sind sie wirklich genial. Aber Xavi war offensichtlich angeschlagen. Also blieb Piqué die einzige wirkliche Konsequenz aus dem letzten desaströsen Spiel. Und das ist ja nun doch ein Desaster für sich. Wie kann man nur? Nach dieser absoluten Demontage durch die Holländer, die ganz eindeutig und klar sichtbar an einer Handvoll Personen festzumachen war, bringt der Coach doch ganz munter genau das gleiche Personal. Da wundert man sich schon. Es ist nicht so, dass er keine anderen Spieler dabei hat. Warum also?
Völlig unverständlich die erneute Aufstellung von Diego Costa. Mag er noch so viele Tore in der Liga geschossen haben, er ist (noch?) kein Spieler für die große Bühne. Wird er vielleicht auch nie sein. Er ist ein Instinktspieler, nicht besonders klug und mit Sicherheit nicht abgebrüht genug für einen solchen Druck. Hinzu kommt, dass er als Ex-Brasilianer besonders ausgepfiffen wurde. Dass er bei den großen Gelegenheiten gern Nerven zeigt, hat uns das merkwürdige Auswechseln im CL-Finale nach nur ein paar Minuten gelehrt, das Atlético wesentlich geschwächt hat. Also Diego Costa hätte ich nicht auf dem Aufstellungszettel erwartet. Diese Wahl ist ein Rätsel, denn Torres ist abgebrüht, erfahren und schießt ja mittlerweile auch wieder Tore. Ein sehr feiner und auch starker Spieler für genau so eine Gelegenheit.
Die nächste, dann wesentlich kompliziertere, aber auch entscheidende Personalie: Casillas. Er trägt eine besondere Schuld an der Niederlage gegen Holland und auch gestern ging das zweite Tor auf seine Kappe. Wie soll eine Mannschaft funktionieren bei einem solchen Turnier mit einem sehr schwachen Torhüter, der außerdem auch noch Kapitän ist, der schon zittert, wenn der Ball nur in seine Nähe kommt? Und mit ihm zittert die gesamte Abwehr, die natürlich um die Verfassung ihres Hintermannes weiß,. Das ist eine unnötige Belastung einer Mannschaft, die es unbedingt zu vermeiden gilt. Warum also? Warum steht da im Tor der spanischen Nationalmannschaft ein Spieler, der in seiner eigenen Mannschaft schon seit über einem Jahr kein Stammspieler mehr ist? Welche Nationalmannschaft kann sich so etwas leisten, zumal zwei ordentliche Ersatztorhüter, jeweils Stannmspieler in ihren Mannschaften, zur Verfügung stehen? Tja, die Personalie Casillas ist heikel. Er ist nicht nur der Nationaltorhüter, er ist eine Instanz mit wichtigen Verbindungen zu den Mächtigen im Fußballsport. Es würde mich nicht wundern, wenn Casillas an sich die Aufstellung machen würde und nicht der Trainer. Und wer wechselt sich schon selber aus? Da hatte ich mir wirklich mehr Rückgrat und Ernst des Trainers gewünscht. Mit Casillas zwischen den Pfosten ist keine große Partie mehr zu gewinnen. So ist das nun mal. Und was soll dieser Quatsch mit Entschuldigung? Casillas entschuldigt sich bei allen für seine Fehler. Was hat man denn von so einer Entschuldigung? Er soll aus seinen Fehlern lernen und zurücktreten, dann braucht man auch gar keine Entschuldigung. Laues Gerede. An sich eine Frechheit. Es ist schwierig, so einen Posten aufzugeben, aber wenn man die Qualität nicht mehr hat, dann muss es eben sein. Und es hätte der Mannschaft diese so ganz bittere Blamage erspart. Vielleicht müsste ja auch der Coach zurücktreten, den ich an sich sehr schätze. Aber wenn er nach einem Spiel wie gegen Holland daraus keinerlei Konsequenzen zieht, dann ist er entweder dumm oder schwach. Und beides ist schwer zu gebrauchen.
Es gäbe noch weitere Personalien zu beanstanden. An sich hätte man in das Spiel gegen Chile mit einer völlig umgekrempelten und jüngeren Mannschaft gehen müssen. Mit Spielern, die hungrig sind, sich beweisen wollen, das Ungewöhnliche wagen. Sie hatten doch nichts zu verlieren. Es wäre einen Versuch wert gewesen. Besser als diese Wiederholung der ersten Blamage. Und dann gegen Chile, einen absoluten Nobody auf der großen Bühne. Hinzu kommt, dass die Spanier seit jeher Probleme mit dem Aufholen von Rückständen haben. Sie sind dann überragend, wenn sie von Beginn an dominieren. Der Beginn der zweiten Halbzeit hat sehr gut gezeigt, dass der Wille durchaus noch da ist, aber das Konzept einfach fehlt. Und die Abgeklärtheit. Da wurde ganz hektisch gespielt, unpräzise, schnell und ungenau. Dutzende von Ballverlusten, die absolut unnötig waren. Technisch und spielerisch ist Spanien Chile immer noch haushoch überlegen, aber wenn andere Probleme so eklatant bestehen, hilft das gar nichts. Tja, und nun sind sie weg. Schade.
Hehe, dafür haben sich die Holländer gestern mit den Australiern schwer getan, was mich gefreut hat. Das war auch sehr interessant, denn man hat nicht mehr viel von der Überlegenheit des Spiels wie gegen Spanien gesehen. Die Einstellung ist doch wirklich ein wesentlicher Faktor. Die hatten die Australier nicht ganz ernst genommen und eindeutig unterschätzt. Schade, da wäre ein Unentschieden interessant geworden und hätte die Gruppe und die Chancen weiter geöffnet. So ist nun alles klar. Australien und Spanien darf nach Hause und Holland und Chile kommen in die nächste Runde. Sie dürfen auch noch einmal gegeneinander spielen, wobei ich in einem Kommentar gelesen habe, dabei gilt es für beide, besser zu gewinnen, um Brasilien als Gegner zu vermeiden. Hehe, das ist ja wohl ein Witz. Dieses Brasilien gewinnt gegen Holland oder Chile vielleicht mit dem Schiedsrichter, aber sicher nicht aus eigener Kraft. 
Heute dann Uruguay gegen England, das sollten die Engländer an sich gewinnen, denn Uruguay war ja bisher die Lachnummer. Aber vielleicht steigern sie sich ja, vielleicht lernen sie - anders als Spanien - aus der ersten Blamage. Und morgen dann Italien vs. Costa Rica, das könnte auch interessant werden.
LG
Jan
, der sich gerade fragt, ob das wohl irgendeiner liest 