Hallo Leonora,
Hornhautverkrümmungen sind zunächst mal einfach eine Abweichung der Oberflächenkrümmung der Hornhaut vom optimalen Krümmungsverlauf.
Der optimale Verlauf ist eine nahezu kugelförmige Fläche. "Nahezu" deshalb, weil das Optimum eine Fläche ist, die in der Pupillenmitte am stärksten gekrümmt ist und zum Pupillenrand ein kleines bisschen flacher wird.
Eine ganz wesentliche Eigenschaft der optimalen Oberflächenform ist aber: Sie ist rotationssymmetrisch.
Rotationssymmetrisch bedeutet, dass der Krümmungsverlauf ausgehend vom Pupillen-Mittelpunkt zum Pupillenrand hin in alle Richtungen (also nach oben, unten, links, rechts und auch alle schrägen Richtungen dazwischen) der gleiche ist. Dies ist bei beiden deinen Augen nicht so ganz exakt der Fall. (Absolut perfekte Augen sind sowieso ziemlich selten.)
Bei den Abweichungen des Krümmungsverlaufs vom Optimum sind verschiedene Verläufe möglich, die alle die Bezeichnung "Hornhautverkrümmung" verdienen und einen Astigmatismus verursachen. Da gibt es sehr einfache Verkrümmungen, die mit der Oberfläche eines Löffels verglichen werden können, der ansonsten aber sehr schön glatt ist. Eine solche Oberfläche verursacht vorwiegend einen Astigmatismus erster Ordnung, der sich mit zwei verschieden starken Krümmungen beschreiben lässt. Nämlich der Krümmung in Richtung des Löffelstiels und eine etwas stärkere Krümmung rechtwinklig zu dieser Löffelstiel-Richtung.
Eine solche Verkrümmung ist gut mit einem Brillenglas korrigierbar. Hierzu muss nur ein zylindrischer Anteil in das Brillenglas eingearbeitet werden, der gerade den Unterschied zwischen den beiden Krümmungsradien ausgleicht, die in Richtung der beiden Hauptschnitte besteht (vergleichbar: in Löffelstielrichtung und quer dazu).
Bei komplizierteren Hornhautverkrümmungen, die man sich im Extremfall als völlig zerknitterte Oberfläche vorstellen kann, gelingt eine Korrektion nicht mehr mit einem einfachen Brillenglas, das einen prinzipiell glatten Verlauf aufweisen muss.
Dass ein Brillenglas "glatt" sein muss und nicht (quasi in Form des Gegenstücks zur Hornhaut) gegen-zerknittert sein darf, hat mehrere Gründe.
Der wichtigste ist, dass der Blick durch das Brillenglas nicht nur an genau einer winzigen Stelle (in Größe der Pupille) passiert sondern mit der normalen Blickbewegung hin-und-her wandert. Dies würde dazu führen, dass z.B. die Brillenglasstelle, die für die Korrekur eines "Knitters" am linken Pupillenrand passen würde, plötzlich auch über der Pupillenmitte oder dem rechten Pupillenrand stünde, wo sie nicht mehr hilft sondern nur zusätzliche Störungen verursacht. Dagegen hätte die richtige Stelle am linken Pupillenrand ihre Gegen-Korrektur verloren.
Eine solche Brille wäre nicht nutzbar, sie würde mehr Verschlechterungen als Verbesserungen bereiten, auch wenn man die extremen Herstellungsaufwände einer solchen Spezial-Knitter-Brille nicht betrachten müsste.
Aber warum geht es nun mit formstabilen Kontaktlinsen viel besser, solche Hornhautverkrümmungen höherer Ordnung (irreguläre Astigmatismen) zu korrigieren?
Dazu muss die Kontaktlinse nicht einmal eine besonders komplizierte Form eingearbeitet haben, denn hier hilft ein billiger Trick ganz toll: Der Tränenfilm macht die Arbeit von ganz alleine.
Der Tränenfilm füllt den Spalt zwischen Kontaktlinse und Hornhaut. Dort, wo der Abstand zwischen Hornhaut und Kontaktlinse höher ist, ist der Tränenfilm entsprechend dicker. Da der Tränenfilm fast ganz genau den gleichen Brechungsindex hat wie die Hornhaut, kommt es duch diesen Trick zu einem optischen "Ausbügeln" der Oberflächenknitter der Hornhaut.
Weiche Kontaktlinsen profitieren zwar auch etwas von diesem Spalt-Füll-Trick, aber die weiche Kontaktlinse übernimmt (je nachdem, wie weich sie ist), einen Teil der "Hornhautknitter" und "Hornhautwellen". Damit werden diese Knitter nur zum Teil durch den Tränenfilm ausgeglichen. Der sich auf die Außenfläche der Kontaktlinse übertragende Knitter-Anteil bleibt unkorrigiert und streut weiterhin das einfallende Licht in ungewünschte Richtungen, wodurch die Abbildung auf der Netzhaut unscharf wird.
Hornhautverkrümmungen höherer Ordnung ("Wellen" und "Knitter") findet man statistisch gesehen häufiger auch bei solchen Augen, die einen stärkeren Astigmatismus erster Ordnung aufweisen. Bei Dir scheint das auch so zuzutreffen. Dein rechtes Auge hat mehr Hornhautverkrümmungen, sowohl erster Ordnung als auch höherer Ordnung.
Nur der Astigmatismus-Anteil erster Ordnung ist aber über ein Brillenglas korrigierbar. Die anderen Astigmatsmus-Anteile bleiben leider unkorrigiert.
Schade, aber da hilft nur die Kontaktlinse.
Viele Grüße,
Nitram