Hallo Jack,
der Artikel hats in sich. Es ist ja eine ganze Bandbreite an Themen und aktuellen und brisanten Problemen, die er anspricht. Diese Mutter erscheint mir wahrhaft monströs: „Wir leben in einer Leistungsgesellschaft“, sagt sie „und ich möchte, dass meine Kinder ganz vorne mitschwimmen.“ Man müßte die Eltern therapieren und eher ihnen Beruhigungsmittel verschreiben als den Kindern Ritalin. Will ich wirklich, daß meine Kinder ganz vorne mitschwimmen? Will ich nicht eher, daß sie glücklich werden, ganz nach ihren Vorstellungen, und nicht nach meinen? Wird hier nicht Macht mit Glück verwechselt? Will ich wirklich, daß aus meinem Sohn ein kleiner Wulff wird? 
Ich denke, die Geschlechterrollen verschieben sich, das ist ein dynamischer Prozess, gänzlich normal und nicht bedauernswert. Natürlich wird es für die evtl. mehr betroffenen Männer und Jungs dadurch schwieriger, aber ich würde es nicht bedauern. Macho und Patriarch sind nicht unbedingt begehrenswerte Rollen, auch wenns oft bequemer war als heute 
Viel bedenklicher als diese natürliche neue Geschlechterfestschreibung oder -verschiebung finde ich tatsächlich dieses Krankheits- und Therapieverhalten. Meine Kinder bekommen keine Medikamente. Ich nehme so gut wie nie Medikamente und der Rest meiner Familie hält das genau so. Klar, es gibt Krankheiten, da ist es gut, daß man Medikamente nehmen kann und grausame Schmerzen soll keiner erleiden. Aber wie Jack das andeutet wird damit Schindluder getrieben, in extremster Weise. Ich denke schon, daß eine Reihe von Krankheiten einfach hausgemacht ist, um die satten Gewinne der gierigen und unersättlichen Pharmaindustrie in die Höhe zu schrauben. Ich möchte nur an die Milliardenkosten für den Steuerzahler aufgrund der massenhaften Bestellung des völlig überflüssigen Mittels gegen Schweinegrippe erinnern. Und da gehört die ADS-Diagnose doch genauso dazu wie Cholesterin, hoher Blutdruck, Burn-out (dagegen gibt es mittlerweile doch sicher auch ein Mittelchen). Die meisten dieser "Krankheiten" sind keine und könnten mit einer geringen Umstellung des ungesunden Alltagslebens verändert werden, und dazu zähle ich auch ADS. Wenn sich mein Kind auffällig benimmt, eindeutig unglücklich ist, dann kümmere ich mich um dieses Kind. Klar ist es anstrengend und oft schafft man es kaum, aber ich muß doch genau hinsehen und schauen, was da los ist. Und das mache ich, bis ich eine Lösung habe, und wenn es Jahre dauert. Ich gebe ihm doch nicht nur einfach eine Pille, und dann ist das Leben wieder in Ordnung. Es ist echt der Wahnsinn, wie hirnlos und verantwortungslos all diese Eltern sind.
Wobei ich mich auch dagegen wehren will, daß man immer nur den Eltern die Schuld gibt. Man sieht ja sehr genau, wie Schule, Lehrer und Mediziner hier in das gleiche Horn blasen. Und die Eltern sind meistens einfach nur überfordert, oft unwissend, trauen sich nicht, sich ihre eigene Meinung zu bilden. Und es ist eben kein privates Problem, sondern ein gesellschaftliches, daß heute keiner mehr Zeit hat, schon die Kinder sind ja unsäglich verplant, daß alle rumrennen wie blöd, um ihren Aufgaben nachzukommen, und wer Arbeit hat, der ist in der Regel überfordert und arbeitet sich blöd, und wer keine Arbeit hat, ist depressiv. Hehe, es sieht echt irgendwo zappenduster aus.
Die Vernachlässigung der Kinder ist eklatant, und zwar eben nicht nur durch die Eltern, obwohl es da schon auch ganz verrückte Exemplare gibt, sondern eben durch die Gesellschaft. Es wird nur gefordert, es wird eine Norm erstellt, schon von ganz klein an, und wer dieser Norm nicht entspricht, wird abgestempelt: Spätzünder, Fehlentwicklung, zurückgeblieben. Und dann wird munter drauf lostherapiert, mit und ohne Medikamente. Denn eines muß auch klar sein, auch andere Formen von Therapien können schaden, Kinder wie Eltern zutiefst verunsichern, alles durcheinanderwirbeln. Aber natürlich ist das Medikament in jedem Fall die schlechteste Lösung.
Und die Krankenkassen haben Milliardengewinne, die Manager der Pharmakonzerne zahlen sich Spitzengehälter, deren viele Nullen wir schon gar nicht mehr zählen können...
Kinder sollten in geschützter Umgebung sich frei entfalten können, egal, in welche Richtung sie tendieren, und in ihren Eltern, Lehrern usw. jederzeit liebevolle Ansprechspartner und Kümmerer finden. Idealerweise finden die Kinder bei den Erwachsenen klare Werte und Regeln für ein verantwortungsvolles Miteinander und leben die Erwachsenen so, daß sie für die Kinder Vorbilder sind. Das alles durchzuführen ist oft nicht möglich und schwierig, aber man sollte sich in die Richtung bemühen. Dem Kind die Tablette morgens zum Müsli zu reichen ist da sicher nicht so ganz das Richtige...
LG
Jan 
(natürlich auch hoffnungslos überfordert mit den kleinen Rackern, aber immerhin ohne Ritalin oder Beruhigungspillen)