Liebes Forum,
ich dachte eigentlich, die Lösung für mein Hauptproblem gefunden zu haben und im Forum Binokularsehen genug Tipps bekommen zu haben, um loszulegen. Pustekuchen – ein neues Problem legt gerade alles wieder aufs Eis. So hoffe ich auf viele gute Ideen und Ratschläge von Euch!
Damit Ihr aber überhaupt verstehen könnt, warum dieses Problem so ein Problem ist, muss ich leider zur Vorgeschichte etwas ausholen, sorry, ich versuche eine Kurzfassung.
Mit ca. 18 Jahren (bin jetzt 47) begannen Doppelbilder im Sinne einer Exophorie mit V-Syndrom, Akkomodations- und Konvergenzparese. Es folgten Übungen in der Sehschule und Prismenbrillen zunehmender Stärke, zunächst nur für die Nähe, dann auch für die Ferne. OP-Versuch ohne Erfolg, eher das Gegenteil. Immer stärkere Prismenbrillen. Vor mehreren Jahren dann sehr rasche Verschlechterung, 24 Prismendioptrien pro Seite reichen nicht mehr aus. Seitdem zum Lesen rechtes Glas mit Okklusion. Strabismus divergens alternans. Hinzu kommen dann weitere Gemeinheiten wie ständig wegtanzende, drehende und zappelnde Buchstaben, weit über das bisher durch die Exophorie gewohnte, "übliche" Maß hinausgehend. Lesen auch monokular und mit Vergrößerung nur noch bei kurzen Texten möglich (also wenige Sätze). Spätestens jetzt wurde klar, dass alles doch irgendwie mit zu meinem neurologischen Grundproblem (MS) gehört bzw. dieses sich auf die bestehende Exophorie aufgepfropft hat.
Auch in der Ferne brauche ich inzwischen 16 Prismendioptrien pro Seite, Tendenz steigend. Da ich aber auch da leicht ermüde und dann doch wieder doppelt sehe und auch mit den Verzerrungen durch die Prismen immer mehr Probleme bekomme, habe ich auch die Fernbrille bei Bedarf rechts abgeklebt. Problem ist dabei, dass ich leider nicht die Fähigkeit zur Suppression entwickeln konnte. So entsteht trotz dichter, dunkler Okklusionsfolie und Seitenschutz (durch trotzdem einfallendes Licht) rechts ein Bild, das durch die Konfusion das des linkes Auges überlagert. Das wiederum macht mich völlig "konfus"… :) (Genauer habe ich es unter "Wer hat Erfahrung mit Okklusionslinsen?" http://www.optometrie-online.de/node/5338#comment-68087 beschrieben.)
So kam es zu der Idee, rechts eine Okklusionslinse zu benutzen. Neben allen Problemen und Nachteilen, die das natürlich auch mit sich bringen würde, hätte es aber zusätzlich noch den Vorteil, dass links ein Gleitsichtglas möglich wäre.
Obwohl rechts mein Führungsauge ist, habe ich immer automatisch das rechte Auge zu gemacht, um Doppelbilder auszuschalten. Also immer beim Lesen, weil das mit links wenigstens ein bisschen besser geht. Auch wenn in der Ferne Doppelbilder kommen, habe ich immer automatisch rechts zu gemacht. Also dachte ich, auf die innere Automatik kann ich mich verlassen. Trotzdem wollte ich, bevor ich die Anpassung und Bestellung einer Okklusionslinse angehe, noch mal ganz sicher gehen, dass die Seite richtig ist. So habe ich mir eine Fernbrille ohne Prismen machen lassen, die ich dann mal mit Folie rechts und mal mit links ausprobieren wollte. Erhofft hatte ich mir ein klareres Bild, da ja die Verzerrung und Unschärfe durch die dicken Prismen wegfallen würde. Meine Werte für Sphäre und Zylinder sind vollkommen unspektakulär.
Ferne rechts: Sph - 0,5 Cyl - 1,25 Achse 150
Ferne links: Sph - 0,5 Cyl - 1,0 Achse 40
Aber PUSTEKUCHEN!!! Alles verschwommen, enorme monokuläre Doppelbilder!
Auch längeres Tragen machte es nicht besser. In der Annahme, die Achse sei nicht richtig, habe ich die Gläser beide einwärts gedreht uns so schon mal eine Besserung bewirkt. Weiter Drehen wäre gut gewesen, habe ich mich aber aus nicht getraut, um nichts kaputt zu machen. Weiteres Drehen durch meinen Optiker = weitere Verbesserung, aber nicht wirklich gut – und Entsetzen seinerseits. Die Achse der Gläser stimmt mit der bestellten überein und mit der, die ich schon länger in anderen Gläsern hatte und auch weiter so haben wollte. Bisher wurden mir die (monokular) doppelt gesehenen Lämpchen, Lichter etc. vom Augenarzt immer als Prismennebenwirkung erklärt.
Nun sollte die Achse nochmal ganz neu bestimmt werden. Zum ersten Mal wurde das nicht durch Drehen von Probegläsern gemacht, sondern durch den Test mit den vielen Schlangenlinien, die erst durch Drehen der Achse ordnungsgemäß zu Punkten werden. Die rechts ermittelte Achse stimmt weder mit der verordneten noch mit der von mir als beste empfundenen überein. Auch als Probeglas eingebaut konnte ich mich nicht dafür begeistern.
Aber links konnte er keine Position finden, in der die Punkte keine Schlangenlinien waren. Er hat viel ausprobiert, konnte sich aber nicht erklären, warum das so ist. Vielleicht ein irregulärer Astigmatismus? Aber auf die Idee wäre er ja auch gekommen. Und nur um es klarzustellen: Ich gehe seit ca. 15 Jahren zu ihm, er ist wirklich gut und nichts ist ihm zuviel. Er hat mich an dem Tag 6 Stunden in der Mangel gehabt. Er würde nie etwas schönreden, um eine falsche Brille nicht tauschen zu müssen! Und – hätte ich bei einem unregelmäßigen Astigmatismus nicht die Schlangenlinien in unterschiedlichen Richtungen sehen müssen? Ich glaube, sie waren ein netter, paralleler Fischschwarm… Aber was nun? Was kann die Ursache sein? Was kann man tun?
Auch meine Idee, dann die Okklusionslinse doch lieber links statt rechts zu tragen, ist nichts. Denn was mir vorher nie so klar war: In der Nähe sehe ich links eindeutig besser, in der Ferne eindeutig rechts. Und es fand sich kein Glas, mit dem sich links die Ferne weiter verbessern ließ.
Also was tun mit der Achse? Habt Ihr Ideen?
Schon mal im Voraus vielen Dank!
:) LG Bernadette

Also erst einmal abgewartet. Und nach ein paar Tagen war der Spuk vorbei. Erstmal – denn die Achse ändert sich momentan offensichtlich alle paar Tage... Und das ist ehrlich gesagt ziemlich nervig.