Ich habe bereits öfter geschrieben über meine durch eine Fehlbehandlung ramponierten Augen. Jetzt schreibe ich hier mal weiter, denn NIE habe ich einen besseren Artikel zu der Problematik von Makropsie/Mikropsie , Teleopsie/Pelopsie und (verdecktes) Schielen gefunden. Ich danke Nitram (Martin?) für seine scharfe Analyse und zielorientierte Lösungsansätze. Grandios! Sie gaben mir den entscheidenden Hinweis und nun hoffe ich endlich auf Hilfe.
Meine Historie: lebenslang normalsichtig; zum Lesen brauchte ich ab dem 50. eine Lesebrille. Mit Ende 50 hatte ich meinen ERSTEN Augenarzttermin: Venenastverschluss LA (welcher trotz Blutungen auf der Netzhaut und Gesichtsfeldausfälle im zentralen und unteren Bereich in der Augenklinik nicht erkannt wurde). In der Folge entwickelte sich ein Riesenödem, das erst spät entdeckt wurde, weil mir keinen Kontrolltermin angeboten worden war. Behandlung mit Avastin-Spritze-ins-Auge. Gleichzeitig bekam ich (in der Augenklinik) eine Flasche mit Tropfen, ohne Erklärung. Ungefähr 10 Tage später: aggressive Glaskörperabhebung, die mir nicht mitgeteilt wurde und die nicht ohne Folgen blieb. Die Netzhaut an der Stelle des Ödems wurde ausgedünnt und legte sich in Falten. Ich sah fortan mit dem Auge alles „kleiner“ - „Mikropsie“. Von da an nahm ich die Welt stark verändert wahr, die räumliche Tiefe ging verloren, Entfernungen konnte ich nicht mehr abschätzen, eine Mulde am Boden konnte ich nicht mehr von einer Erhebung unterscheiden, meine räumliche Orientierung ging flöten. Durch eine Reihe von Fehlern wurden mir später (in der gleichen Augenklinik) die Tropfen auch für das gesunde Auge verordnet, welche - 10 Tage nach Beginn der Tropfung - ebenfalls eine dramatische Glaskörperabhebung verursachten (mit schwersten Glaskörpertrübungen und Netzhautschäden). Durch Googlen erfuhr ich, dass es sich um sog. Glaukomtropfen gehandelt hatte, die das Kammerwasser im Auge und im Glaskörper reduzieren. Doch für diese Tropfen war mein Augeninnendruck viel zu niedrig gewesen (LA 12 mmHg/RA 13 mm/Hg). In den klinischen Studien zur Zulassung war dieses Medikament nur an Augen mit Drucken über 23 mmHg getestet worden.
Wegen der Schwere der Glaskörpertrübungen war eine Vitrektomie (chirurgische Entfernung des Glaskörpers) klinisch erforderlich - beidseits. Ich fing an mit dem erkrankten Auge. Schlagartig wurde ich kurzsichtig (20 Stunden nach OP!). Die Kurzsichtigkeit schritt schnell fort, nach 10 Monaten betrugen die Werte für die Sphäre – 5,75 und für den Cyl. – 1,25; ein visueller Horrortrip für jede bis dahin Normalsichtige. Auf dieses OP-Ergebnis war ich nicht vorbereitet worden. Das andere Auge war altersweitsichtig mit + 2,50. Das verkraftet das Gehirn nicht. Also Katarakt-OP: ich musste nicht nur meinen Glaskörper, sondern auch noch meine bis zu der sinnlosen Behandlung glasklare natürliche Linse opfern. Nach der Cat-OP war ich mit + 1,0 weitsichtig. Nun sah ich mit dem Auge alles viel größer. Die „Mikropsie“ hatte sich in „Makropsie“ verwandelt. Doch der Brechwert blieb nicht stabil. Nach zwei Jahren liegt er momentan bei – 0,25 Dpt. Je weiter sich der Wert in Richtung „Null“ bewegte, desto größer nahm ich Objekte mit dem Auge wahr. „Nitram“ schreibt im Beitrag vom 5. März 2011, dass das Mikropsie/Makropsie-Phänomen bei einseitigen Katarakt-OPs bekannt ist. Ich frage mich nur, weshalb die Augenchirurgen es dann nicht wissen??? Das gesunde rechte Auge ließ ich nicht mehr vitrektomieren, obwohl die Trübungen extrem sind. Der Brechwert dieses Auges liegt derzeit bei Sph. + 0,25 und Cyl. - 0.50. In dieser „Alice im Wunderland“-Geisterwelt, mit einem „großen nahen“ Bild auf der einen Seite und einem „kleineren weiter entfernten“ Bild auf der anderen, komme ich nun endgültig nicht mehr zurecht. Das größere Bild dominiert, obwohl dieses Auge erhebliche Gesichtsfeldausfälle aufweist und - bedingt durch die Falten in der Netzhaut – ich damit alles verzerrt wahrnehme (Dysmorphopsie). Ich kann mich nur noch an bekannten Orten bewegen. In unbekannten Orten muss ich „googlemaps“ mit Handy einsetzen um - zu Fuß - zum Ziel zu kommen, obwohl ich mir den Weg vorher am PC angeschaut und eingeprägt habe. Nur fehlt mir die richtige Brille um beide Aktivitäten gleichzeitig ausführen zu können. Habe ich die GSB auf der Nase um googlemaps zu studieren, kann ich keinen Schritt gehen, geschweige mich orientieren. Ich weiß nicht wo oben und unten oder links und rechts ist - ein räumliches Labyrinth. Und das ist in einer Großstadt mit vielen U- und S-Bahnen, überwiegend mehrstöckigen Gebäuden, Brücken und Unterführungen, Seen, Fleeten und mehrarmigen Flüssen, eine Katastrophe.
Nun habe ich mir zum ersten Mal eine Fernbrille mit einem Höhenprisma zugelegt, quasi als „Probebrille“, bevor ich die sovielte Gleitsichtbrille bestelle:
LA Sphäre – 0,25, 3 Prismen-dpt bei 90°
RA Sphäre + 0,25, Cyl. - 0.50, 2 Prismen-dpt bei 180°
Zwar gibt es eine Besserung in der Ferne, doch in der Nähe führen die Prismen zu einer Verschlechterung. Der geschätzte Unterschied in der Abbildungsgröße liegt bei 12%, wobei mir der Abbildungsfehler in der Vertikale größer erscheint als in der Horizontale.
In meiner Not habe ich mir einen Gläsermesskasten zugelegt, denn Hilfe gab es weder bei den zahlreichen (Professoren) Augenärzten noch in den Sehschulen, darunter die so renommierte Ple- und Orthoptik des UKE Hamburg. Ich war sogar beim Chef persönlich, ihm fiel als Lösung nur das Abkleben des linken Auges ein. Damit kann ich wegen der Trübungen nicht sehen, ich brauche beide Augen.
https://www.uke.de/kliniken/augenklinik/index_50713.php
Auch Low-vision-Optiker - genau wie alle anderen Optiker - waren ratlos.
Nach dem Auseinandersetzen mit diesem Thread, der - wie anfangs schon gesagt - extrem hilfreich ist, habe ich folgendermaßen mit den Plus- und Minusgläsern aus dem Messkasten herumexperimentiert: mit Minusmessglas direkt an der Hornhaut anliegend und dem entsprechenden Plusglas in der Messbrille stellt sich, wie von Nitram beschrieben, eine Bildvergrößerung ein. Die Bildgrößen beider Augen kommen sich immer näher; je größer der Wert, desto mehr schwindet die Abbildungsgrößendifferenz. Bei 2,50 bis 3,0 dpt (als Kombination in Minus- und Pluswerten) sind die Bilder fast gleichgroß und Pelopsie und Teleopsie sind in Luft aufgelöst. Ich kann damit "Fusion in der Ebene" erzielen! Wahnsinn! Größengleichheit für die Bildbreite erreiche ich damit nicht, aber das beidäugige Sehen ist so umwerfend, dass ich das jetzt erst einmal vernachlässige. Die Seiten- und Höhenprismen werde ich wohl auch noch brauchen. Das kann ich aber nicht mehr alleine, da brauche ich jetzt doch wieder eine Sehschule. Ich habe bereits einen Termin in der Ple- und Orthoptik im UKE und hoffe nun auf einen experimentierfreudigen Arzt, der bereit ist vom „Schema-F“ abzuweichen und den Ehrgeiz besitzt, mir helfen zu wollen.
Erfahrungen mit einem aniseikonisches Glas + Seitenprismen in einer Gleitsichtbrille habe ich schon gemacht -> konvexes Bild, Schaukeleffekt, nicht sehr brauchbar!!! Auch der zweite Versuch schlug fehl: der Hersteller fertigte für beide Seiten Gläser mit Vergrößerung an, obwohl nur für eine Seite bestellt (ich verzweifle, da ich in den letzten 6 Jahren an die vierzig Brillen habe anfertigen lassen, Probierbrillen einbegriffen, darunter acht Gleitsichtbrillen, doch mit keiner konnte ich mich bewegen!). Die Kosten für Brillen und Kontaktlinsen (nach Vitrektomie!) bewegen sich schon im 5-stelligen Bereich. Ja Serena (Threadstarterin), auch ich könnte…
Lösungsansätze:
1. Kombination aus Kontaktlinse RA mit Minuswert und GSB (Werte, siehe oben) mit bildgrößenausgleichendem Pluswert. Nachteil: wenn ich die Brille mal absetzen muss, z. B. bei Regen, sehe ich nichts mehr, nicht nur wegen des Brechwertes, sondern vor allem wegen der Größendifferenz, die dann noch gravierender zu Buche schlägt.
2. normale GSB (Werte siehe oben) und in Kombination mit Coverbrille - mit einem aniseikonischen Glas für das RA als Ausgleich der Größendifferenz. Doch wer stellt so etwas her? Die Hersteller (etliche) kenne ich inzwischen alle „persönlich“ – sie kapieren einfach die Problematik, die dahinter steckt, nicht. Auch die Optiker tun sich schwer…
Ob es noch andere Lösungsmöglichkeiten gibt, weiß ich nicht. Wer kann helfen? Nitram hat sich (leider) schon so lange nicht mehr gemeldet im Forum. Schade, schade!