Hallo an alle,
Die augenärztliche Diagnose:
Ich bin mit unserem Sohn das erste Mal zum Augenarzt, als er 1 Jahr alt war. Da hat er manchmal leicht geschielt. Da wurde festgestellt, dass seine Augen sehr unterschiedlich kurzsichtig sind. Seitdem trägt unser Sohn eine Brille. Zur Zeit beträgt der Unterschied ca. 10 Dioptrien, damals war es noch weniger. Unser Sohn hat kaum räumliches Sehen entwickelt.
Die orthoptistische Behandlung:
Als er dann die Sehtests konnte, wurde Amblyopie festgestellt, die Sehkraft auf dem kurzsichtigen Auge betrug nur 0,1. Wir haben im Alter von 3-5 Jahren fleißig abgegklebt und sind so auf eine Sehkraft von 0,6-0,7 gekommen. Die Abklebedauer lag bei täglich 6 Stunden. Da unser Sohn das Abkleben nur schwer toleriert hat, waren wir froh, als wir dann auf teildurchlässige Folie auf dem Brillenglas wechseln konnten. Die hatte er dran, bis er fast acht war. Die Sehkraft hat sich in der Zeit nicht mehr gebessert. Ein Wechsel der Orthoptistin führte dieses Frühjahr dazu, dass wir wieder abkleben sollen, da das mehr bringen würde als die Folie. Das toleriert unser Sohn jetzt überhaupt nicht mehr. Und ich sehe es nicht ein, ihm die Pflaster nochmal aufzudrücken, da ein Nutzen in dem Alter eher zweifelhaft ist, und wenn dann nur gering.
Im Alter von 5 Jahren starteten wir einen Versuch mit Kontaktlinsen. Das wäre besser als die Brille, da die Bilder damit auf der Netzhaut ohne Größenunterschied abgebildet werden. Unser Sohn tolerierte die Kontaktlinsen nicht, es blieb bei der Brille.
Alltagsprobleme:
Unser Sohn war schon immer in seiner motorischen Entwicklung verzögert. Anfangs betraf es die Statomotorik. Je mehr feinmotorisches Handling gefragt war, um so mehr Probs gab es auch dort. Anziehen, Reißverschlüsse und Knöpfe schließen, Bauklötzer bauen, Schnürsenkel binden - alles hat er sehr mühsam gelernt und zeitlich verzögert zum Altersdurchschnitt. Um Mal- und Bastelaufgaben hat er sich wenn möglich gedrückt. Die Ursachen haben wir und die Erzieherin im KiGa zum Einen in den Folgen seines Herzfehlers gesehen und zum anderen darin, dass er durch das zeitlich sehr ausgedehnte Abkleben des besseren Auges gehandicapt war.
Unser Sohn bekam im KiGa Frühförderung, die Physiotherapie und Ergotherapie einschloss. Die Physio führen wir jetzt auch in der Schulzeit fort, Ergo wurde mit dem Schuleintritt beendet.
In der Schule lief es anfangs rundum gut. Mit der Zeit zeigte sich, dass unser Sohn starke Probleme beim Schreiben hatte. Nicht rechtschreibemäßig, sonder damit, die Buchstaben leserlich zu schreiben, in der Zeile zu bleiben, das Tempo zu schaffen. Lesen und Schreiben strengte ihn sichtlich an. Ende der zweiten Klasse eröffnete uns die Klassenlehrerin, dass unser Sohn in der dritte Klasse allein wegen nicht Fertigwerden schlechte Zensuren bekommen würde, wenn er nicht schneller wird. Die Lehrerin empfahl uns wegen dem Schreiben Ergotherapie.
Unsere Orthoptistin fand, dass das bei der Anisometropie-Amblyopie normal sei und sah nichts veranlasst. Ich stöberte im Netz und stieß auf die Funktionaloptometrie.
Funktionaloptometrie:
Wir stellten unseren Sohn dort vor und ließen nach eine Beratungsgespräch die visuelle Anasyse machen. Die Feststellung: Probleme in der Fusion, bei der Fern-Nah-Anpassung, bei den Augenbewegungen. Die Augenbewegungen sind vor allem auf dem guten Auge beeinträchtigt. Der Sehtest brachte dieselben Brillenwerte, wie der Cyclo-Test beim Augenarzt.
Die Empfehlung: Kontaktlinsen bzw. (da unser Sohn diese immer noch kategorisch ablehnt) eine Brille mit Nahunterstützung und Amblyopie-Visualtraining. Ergotherapie sei nicht sinnvoll, solange die Augenproblematik nicht verbessert ist. Ob sie nach Abschluss des Visualtrainings angeschlossen werden sollte, müssen wir dann sehen.
Wir ließen eine Brille mit Nahunterstützung anfertigen und machen jetzt seit drei Monaten Visualtraining. Das Abkleben eines Auges haben wir, nachdem die Folie weg war, nicht wieder angefangen (gegen den orthoptistischen Rat aber unter Absprache mit der Funktionaloptometristin).
Seitdem hat sich die schulische Situation etwas entspannt. Unser Sohn hat zwar noch Mühe, das Tempo zu halten und es leiden die Schrift und z.T. die Rechtschreibung, aber er schafft es. Letzte Woche bei der Zwischenkontrolle fürs Sehtraining waren die Fusion der Augen, die Fern- Nah- Anpassung und die Augenbewegungen schon etwas verbessert.
Gestern bei der Orthoptistin zeigte Justin eine bessere räumliche Wahrnehmung (!). Sie war überzeugt, dass die Verbesserung dem Abkleben geschuldet sei (selbst wenn wir das gemacht hätten: wie das?) und erklärte das Visualtraining nochmal für Humbug. Der Witz war, dass ihr während der ganzen Untersuchung der Nahteil in der Brille nicht aufgefallen ist.
Für uns ist klar, dass wir das Visualtraining weiter machen und einen neuen Augenarzt (genau genommen eine andere Orthoptistin) brauchen. Hat jemand eine Empfehlung im Raum Chemnitz? Eine Augenarztpraxis, in der geschilderte schulische Probleme ernstgenommen werden und ich eine Chance habe, nach Abschluss des Visualtrainings ein Ergo-Rezept zur weiteren Förderung der Auge-Hand-Koordination und Feinmotorik zu bekommen (wenn das denn nötig ist)?
Jeannette


