Hallo und Guten Tag,
eins vorweg : Ich bin neu im "Brillen-Club", hab´ zum ersten Mal mit Anfang 30 eine Brille und so treten nach und nach eine Menge Fragen auf, die sich beim Optiker vor Ort nicht ergeben haben.
Ich möchte kurz meine Erfahrungen mit meinem Optiker schildern und würde mich über entsprechende Reaktionen freuen :
Während der Sehtests fühlte ich mich recht gut aufgehoben, wurde freundlich behandelt und der Optiker schien mir einen seriösen Eindruck zu machen. Ein zweiter Sehtest sollte die Woche darauf folgen, um eventuelle Abweichungen erkennen zu können. Fand ich logisch und gut. Auf meine Frage nach dem Preis für die Sehtests hieß es "das ist ein Service von uns, kostet sie nichts". Eben habe ich auf der Rechnung ( der fertigen Brille ) den Posten "Augenglasbestimmung" in einer Gesamthöhe von 40€ gefunden.
Ich hatte mich mit dem Thema Brille nie wirklich beschäftigt, wusste allerdings, dass es Supermarktmodelle für weniger als 30€ gibt und konnte mich auch daran erinnen, dass meine Mutter schon mal 1000€ für eine Brille ausgegeben hat.
Für meine erste Brille habe ich knapp 500€ bezahlt. Nicht falsch verstehen : Für meine Augen bin ich bereit so viel Geld auszugeben - keine Frage. Allerdings nur, wenn man dafür auch die entsprechende Qualität erhält. Und da bin ich mir eben aktuell nicht mehr so sicher. Bei der Auswahl der Brillengläser kam vom Optiker eigentlich nur : "Entspiegelung würde ich Ihnen unbedingt empfehlen" und "bei der von Ihnen gewählten Fassung kommen nur Kunststoffgläser in Frage". Als jedes einzelne Glas mit über 150€ berechnet wurde, schien mir das - auch Dank meiner Ahnungslosigkeit - gerechtfertigt. Die Krümmung der Gläser kostete schon allein einen Aufpreis von knapp 35€. "Entspiegelung" und "Kunststoff" klang für mich nach "kostet halt extra".
Ich wusste, dass ich nun eine knapp 500€ teure Brille in Auftrag geben würde und hatte dabei gar kein schlechtes Gefühl. Qualität sollte Ihren Preis haben. Während der 2-wöchigen Wartezeit hatte ich das erste Mal das "Vergnügen", mich im Internet über Brillen zu informieren. Zeitgleich flatterte ein Werbeflyer eines ortsansässigen Optikers in meinen Briefkasten. Sämtliche Sonderangebote waren inkl. gehärteter, entspiegelter Kunststoffgläser. Keine Brille kostete inkl. Gestell, Gläser, Beratung und Augenstärkebestimmung mehr als 150€. Die von mir als kostenspielig eingestufte "Entspiegelung" und die Gläser aus "Kunststoff" erwiesen sich als absoluter standard.
Später habe ich dann auch nach und nach herausgefunden, dass es bestimmte Optionen bei den Gläsern gibt, die den Preis nach oben treiben, als da wären besonders dünne Gläser, getönte Gläser, Gläser mit Lotus-Effekt, etc. Aber meine "150€ + pro Stück" - Gläser hatten keine dieser "Sonderausstattungen". Einzig und allein die Krümmung und der größere Durchmesser ( 8cm ) sprachen für einen höheren Preis als "normal".
Als ich die Brille dann abholte, habe ich nach dem eigentlichen Grund für den hohen Preis gefragt und auf die 150€-Angebote anderer Optiker hingewiesen. Der Optiker machte mir einen leicht irritierten ( oder ertappten ? ) Eindruck, erklärte, dass er auch mit den Sonderangeboten der Konkurrenz mithalten könne, aber ich mit meiner Brille eine sehr gute Qualität gekauft habe.
Nun trage ich die Brille - allerdings mit durchwachsenen Gefühlen. Ich sehe besser, allerdings habe ich auch mit gekrümmten Linien und verzerrten Formen zu kämpfen. Teilweise kommt es mir vor, als würde ich durch ein Fischauge kucken. Bei Schwenkbewegungen mit dem Kopf wird mir auf Grund der Verzerrungen schnell schlecht, der Blick durch die Gläser wirkt allgemein leicht trüb ( so dass ich mich freier und sicherer fühle, wenn ich sie abnehme ) und im Prinzip bin ich ständig am Brille putzen und über die Gläser wischen. Ich sehe dies im Moment ( vor allem die Verzerrungen ) noch unter dem Gesichtspunkt "gewöhnungsbedürftig" an und wage noch kein abschließendes Urteil über die Brille zu fällen.
Trotzdem schaue ich auf die nun vor mir liegende Rechnung und habe an dem Preis zu knabbern. Meine eigene Rechnung "Qualität hat ihren Preis" scheint für mich nicht mehr unbedingt logisch zu sein.
Im Nachhinein denke ich mir immer wieder :
- Wieso haben meine Brillengläser keins der "Features", die Gläser bei anderen Optikern erst teuer machen ?
- Wäre es bei so viel Geld nicht sinnvoll gewesen, gleich auch eine besonders schmutzabweisende Glasoberfläche zu wählen ?
- Habe ich nun für eine 50€-Brille 500€ bezahlt ?
- Hättest Du Dir als Erstbrille nicht lieber mal ein 50€-Modell gekauft um zu überprüfen, wie Du mit den Gläsern klarkommst ?
- Ist es in diesem Zusammenhang schlau gewesen, gekrümmte Gläser zu nehmen, die vermutlich noch mehr Verzerrungen auslösen, als gerade Gläser ?
Und über allem steht : Wäre es nicht Aufgabe des Optikers gewesen, auf all diese Dinge ( von denen ich nicht die geringste Ahnung hatte ) hinzuweisen ?
Ich finde den Optiker auch weiterhin nett und er hat mir angeboten, jederzeit bei irgendeinem Problem mit der Brille wieder vorbeizukommen ( irgendwie ja logisch ), trotzdem konnte er mich im Nachhinein nicht davon überzeugen, dass ich genau den richtigen Preis für die richtige Qualität bezahlt habe
Auch über die auf dem Brillenpass stehende Gläser-Nummer konnte ich keine Informationen im Internet finden, so dass am Ende wirklich nur der Glaube bleibt, nicht über den Tisch gezogen worden zu sein. Und allein die Tatsache, dass der Optiker zwar behauptet, mit den Billig-Angeboten der Konkurrenz mithalten zu können, mir diese Angebote aber niemals während meiner Besuche gemacht worden sind, lässt mich an der Richtigkeit dieses Glaubens zweifeln.
Was ich daraus für mich schlussfolgern würde :
- Sehtest durchführen lassen und die Werte notieren
- evtl. den Sehtest wiederholen ( auch bei einem anderen Optiker )
- den Preis der Brille inkl. Gestell von Anfang an zum Thema machen ( wenn´s der Optiker schon nicht tut )
- Gestelltyp und Brillengläser notieren und dem Optiker mitteilen, dass man sich über die gängigen Preise auch bei anderen Optikern erst noch informieren möchte
- sich genau überlegen, ob man sich nicht lieber zuerst eine günstige "Testbrille" zulegt, bevor man für eine Erstbrille mehrere Hundert Euro ausgibt und am Ende damit womöglich gar nicht zu recht kommt
- sich vorab über das Thema "Brille" im Internet informieren, damit beim Optiker gar nicht erst der Eindruck aufkommt, dass man diesem Kunden alles verkaufen kann
Jetzt hab´ ich so viel geschrieben, dass mich am Ende schon noch interessieren würde, ob ich einfach ein paranoider Erstbrillen-Käufer bin, der nur noch geldgierige Optiker um sich herum sieht, oder ob ich mich einigermaßen beruhigt auf meine Brille konzentrieren kann, da meine Einschätzungen vermutlich an den Haaren herbeigezogen sind.
Grüße,
Thommy





