Lieber Eberhard,
die Gefahren durch zuviel UV-Licht sind mir bewusst. Die Frage ist nur, ab wann "zuviel" beginnt. Ich habe angefangen, über diese Frage nachzudenken, nachdem ich einen Artikel gelesen habe, in dem Dieter Friedburg vom Berufsverband der Augenärzte zu Wort kommt. Zitate daraus:
"Zumindest was die Auswirkungen von Sonnenlicht auf die Augen betrifft, könnten die Deutschen nach Ansicht von Experten deutlich gelassener sein. Die Natur habe den Menschen mit einem natürlichen UV-Schutz ausgestattet, so dass er auch ohne getönte Schutzbrille guten Gewissens längere Zeit im Freien verbringen könne, sagt Dieter Friedburg, Professor für Augenheilkunde in Krefeld. (...)
So sei etwa die landläufige Behauptung, ungefiltertes UV-Licht könne einen grauen Star verursachen, wissenschaftlich nicht eindeutig belegt. (...) "Bei unseren mitteleuropäischen Verhältnissen droht den Augen durch das Sonnenlicht keinerlei Gefahr", unterstreicht der Mediziner. Im Gegenteil - Licht ist wichtig für den Hormonhaushalt und das Wohlbefinden und wird unter anderem über die Augen aufgenommen. Wer häufig eine Sonnenbrille trägt, blockiert diesen wichtigen Stoffwechselprozess.
Nur bei extremer Sonneneinstrahlung macht die Brille Sinn"
(Sind im Forum Links erlaubt? Sonst bitte löschen: http://www.konsumo.de/news/1259-Die-Sonnenbrille-darf-auch-mal-im-Etui-bleiben)
Seitdem stelle ich mir die Frage, ob durch das ständige Tragen von Gläsern mit UV-Schutz - den ja nicht nur die im Artikel erwähnten Sonnenbrillen, sondern schlechthin alle Korrekturbrillen haben - dem Organismus nicht doch etwas vorenthalten wird, was er zum gesunden Funtkionieren braucht. Immerhin wird laut Friedburg auch der Hormonhaushalt über das Licht gesteuert, und da spielt auch die Aufnahme über die Augen eine Rolle. Und Dieter Friedburg ist ja nicht irgendein Scharlatan.
Daraufhin fragte ich meinen Optiker, ob es möglich sei, Brillengläser ohne UV-Schutz zu bekommen. Er sagte sinngemäß: "Warum sollte man das wollen?" und sah mich an, als hätte ich ihn gefragt, wo man billig Crack kaufen kann. Solche Brillengläser gebe es jedenfalls nicht, und das sei auch völlig unverantwortlich.
In einem augenärztlichen Online-Forum stellte ich eine ähnliche Frage. Die Antwort des Experten lautete, UV-Schutz sei sinnvoll, weswegen man nicht auf ihn verzichten sollte. Meine, zugegeben etwas provokante, Rückfrage war, ob er dann auch eine flächendeckende Versorgung mit UV-Schutzbrillen ohne optische Wirkung für jene Hälfte der Bevölkerung befürworten würde, die keine Brillenkorrektion benötigt. Dies, so der Experte, fände er dann doch übertrieben.
Nun ist es mir aber rein logisch nicht klar, warum es übertrieben wäre, jemanden, der keine Brille trägt, bei gemäßigten Lichtverhältnissen vor dem UV-Licht der Sonne zu schützen, während es als unverantwortlich gilt, bei Brillenträgern darauf zu verzichten.
Es geht mir einfach darum, entscheiden zu können, wann, wie und in welchem Maße ich meine Augen schütze. Bei sehr hellem Licht, etwa am Strand oder auch an einem strahlend hellen Sommertag in der Stadt, merke ich selber, dass dies meine Augen anstrengt, und ich trage dann eine Sonnenbrille, selbstverständlich mit UV-Schutz. Bei normalen Lichtverhältnissen - im Herbst, am Nachmittag, whenever - würde ich meinen Augen gerne das volle Lichtspektrum gönnen, so wie die vielen Brillenlosen das ja auch machen, ohne Schaden zu nehmen. Doch das kann ich nicht, da ich auf meine Brille angewiesen bin, und die hat UV-Schutz. Ich habe ansonsten gesunde Augen und bin eben lediglich kurzsichtig.
Was würden Sie und die anderen Optiker im Forum einem Kunden sagen, der Gläser ohne UV-Schutz wünscht?
Simon