Das Problem bei der elterlichen Mitarbeit ist meines Erachtens nach eine entweder mangelhafte Aufklärung durch Zeitmangel etc oder einfach eine nicht vorhandene Intelligenz, die Maßnahmen zu verstehen.
Denken wir doch mal ganz platt. Eltern aus niedrigem Bildungsniveau, evtl. schwieriges soziales Umfeld, werden vom Kinderarzt zum Augenarzt geschickt, weil das Kind schlecht sieht. Die Erwartung ist: der Doktor soll machen, dass mein Kind besser sieht, und zwar sofort. Wenn der nun auch noch das gute Auge abklebt, oder die bösen Tropfen reinmacht, oder eine Brille verordnet, wo das Kind ja auch korrekterweise behauptet, es sähe ohne die Brille besser, wenn evtl eine Penalisation eingebaut ist, dann verstehen diese Eltern das nicht.
Wir setzen zu viel voraus.
Meine Freundin (Orthoptistin) und ich sind gerade dran, einen Vortrag/Diashow auszuarbeiten und in meiner Hebammenpraxis den Eltern von Babys und Kleinkindern anzubieten, einfach um Interesse an dem Thema zu wecken und ein grundlegendes Verständnis für die Problematik zu schaffen. Sie zu sensiblisieren, auch bei anderen Kindern und deren Eltern (die ein Schielkind haben und behandeln) vorsichtig und empathisch mit ihren Bemerkungen zu sein.
Ich war letzt bei einer Patientin, deren großes Mädchen ein Pflaster trug und ich hab mich dann eine ganze Zeit mit ihr drüber unterhalten, was die Mutter total gut fand, da sie das Gefühl hatte, dass ich ihr Kind nicht als "behindert" ansehe und auch mit ihr (aus ihrer Sicht) kompetent darüber sprechen konnte.
Für viele Eltern, meist besonders die Mütter, ist die Schielbehandlung des Kindes eine ganz harte Sache, und meist weniger gegenüber dem Kind, sondern gegenüber dem unwissenden Umfeld.
LG Nicole