Hallo mfrh,
eine frühe Operation des SDI so um das 6-8 LJ zieht nicht selten noch eine weitere Operation in späteren Jahren nach sich, da die divergente Basisabweichung in der Pubertät gerne wieder zunimmt. Macht in der Regel nichts. Frühe OP ist dann angezeigt, um Stereosehen zu erhalten und zunehmenden Suppresionen entgegenzusteuern. Viele Menschen mit SDI haben ein sehr gutes Stereosehen, eben weil das Schielen intermittierend ist und sich deshalb Stereosehen entwickeln konnte. SDI gehört auch zu den Formen des Spätschielens - ein Grund mehr, warum sich Stereosehen entwickeln konnte. Außerdem wird bei den OP's zumeist nicht alles an Winkel operiert, weil man den vollen Winkel vorher schlecht bestimmen kann, und vielleicht auch, um auf der sicheren Seite zu sein. Die Kinder haben nämlich so starke Kompensationsfähigkeiten, dass sie sonst nach der OP nach innen schielen würden.
Das Augenreiben bei Licht ist ein typisches Zeichen für SDI.
Haben Sie denn Verlaufswerte, wie z. B. den Visus in noch früheren Jahren (ist er schlechter geworden?). Wie ist der Visus jeweils mit einem Auge und mit beiden Augen? Hier die Werte unkorrigiert und korrigiert? Wie ist das Stererosehen? Hat Ihr Sohn zusätlich noch einen Astigmatismus?
SDI und Hyperopie ist halt so eine Sache....die Hyperopie bewirkt ja per se eine Neigung zur Innenschielstellung bei Nah-Fixation. Damit kommt sie dem Außenschielen entgegen. Gibt man nun das nötige Plus in die Brille, empfindet das Kind dies in der Regel als anstrengend, weil es noch mehr dem Außenschielen entgegensteuern muss.
Schön zu wissen wären auch die Schiel:wink:el für Nähe und Ferne. Sie sind in der Regel unterschiedlich groß. Aber man kann daraus schließen, wie gut die Konvergenzfähigkeit des Kindes ist. Konvergenzübungen braucht man dann nicht zu machen. Günstig sollen Übungen mit Streifengläsern nach Bagolini sein vor einem Licht oder einer Kerze kann die Abweichung subjektiv erkannt und fusionell kompensiert werden. Sehr nützlich ist auch die Stereomodifikation der Bagolinistreifen nach Lang, weil man damit die Fusion und Stereopsis für die Ferne üben kann.
Eine OP ist meist dann nicht zu umgehen, wenn die Basisabweichung mehr als 10 Grad (= 16-18 Prismen) beträgt. Der Zeitpunkt für eine OP ist spätestens dann gekommen, wenn der Patient für die Ferne und Nähe konstant manifest divergent wird.
Ich habe selber einen betroffenen Sohn (mit super Stereosehen, aber ansonsten die ganze Palette der Anstrengungsbeschwerden und keine Brille wird vertragen und Lesen und Schule.... na ja...) und habe beschlossen, mit der OP bis nach der Pubertät zu warten. Die SDI'ler werden nicht über Nacht zu manifesten Schielern, bei Innenschielern ist meist Eile angesagt, während man bei den Außenschielern in der Regel zuwarten kann, weil es sich langsam entwickelt. Prismentrageversuch scheitert bei den hyperopen SDI'lern meist....ich weiß nicht, wieviel Euro ich in Brillen investiert habe, die immer nur kurze Zeit verträglich waren, und später dann gar nicht mehr. Kinder können die Hyperopie ja auch super wegkompensieren. Geht halt alles oft auf Kosten der Belastbarkeit in Sachen Konzentration und Schule.....
Viele Grüße
Kerstin Harms