Ein herzliches Hallo an alle hier,
ich bin neu in dem Forum, habe aber schon vor meiner ersten Schiel-OP vor vier Jahren gelegentlich mal mitgelesen. Jetzt habe ich gewissermaßen einen Rückfall und habe gerade gesagt bekommen, dass man dagegen nichts tun könne. Ich muss leider ein wenig ausholen, um mein Problem zu verdeutlichen.
Ich habe laut Aussage meiner Eltern von Geburt an mit dem rechten Auge nach innen geschielt. Deshalb hatte ich ziemlich lange eine Behandlung, bei der das gute Auge abgeklebt wurde. Als kleines Kind war ich außerdem ziemlich weitsichtig, ich hatte so um + 5,0. Bis vor vier Jahren hatte sich dieser Wert auf +3,00 verringert. Meine Kontaktlinsen waren damals allerdings 1,5 Dioptrien stärker, ich war damit also künstlich kurzsichtig. Das hat mir vor Jahren ein Optiker gegen das Schielen empfohlen. Auch mein damaliger Augenarzt meinte gegen das Schielen könne man sonst „nichts machen“. Dummerweise habe ich ihnen geglaubt.
Erst 2003 las ich zufällig im Internet, dass sich gar nicht mal so wenige Erwachsene einer Schiel-OP unterziehen. Mitte 2004 wurde ich schließlich selbst operiert. Davor hatte ich natürlich eine Brille mit den richtigen Werten bekommen. Das war am Anfang ganz schön anstrengend, besonders die Augenmuskeln vom schielenden Auge haben zunächst fürchterlich „gezerrt“.
Ich weiß leider nicht mehr den genauen Winkel, ich hatte 13 oder 17 Prismendioptrien. Ich weiß nur noch, dass der innere Augenmuskel um 6 mm gelockert und der äußere um 6 mm gestrafft wurde. Die OP war ein voller Erfolg. Ich schielte nicht mehr und hatte sogar - zum ersten Mal in meinem Leben - ein (wenn auch grobes) räumliches Sehen. In die weite Ferne ging das Auge nur noch minimal nach innen, in die Nähe manchmal sogar minimal nach außen. Weil das aber extrem kleine Winkel waren, fiel mir das nur auf, wenn ich bewusst darauf achtete.
Bis vor einem Monat blieb das Auge mit minimalen Schwankungen stabil. (Dann bekam ich eine neue Brille, denn meine Werte haben sich in den vergangenen vier Jahren von +3,25 auf +2,00 verbessert. Leider habe ich das ziemlich spät bemerkt. Der Optiker verpasste mir vorsichtigerweise erst einmal eine Brille mit +2,5, also immer noch etwas zu stark. Doch schon damit habe ich enorme Probleme. Relativ schnell fing mein ehemaliges Schielauge an, über die normale Schwankungsbreite hinaus, nach innen abzurutschen. Und sogar mein nichtschielendes Auge geht hinter der Brille leicht nach innen, zumindest auf mittlere Distanzen. Ich habe seitdem schlimme Doppelbilder und die Augenmuskeln BEIDER Augen sind dauernd stark angespannt. Vor allem sehe ich ganz genau, dass das eine Auge wieder stark nach innen abweicht.
Nicht so schlimm, dachte ich zunächst, im schlimmsten Fall kann ich mich ja wieder operieren lassen. Dann ging ich zur nächsten Orthoptistin in meiner Nähe. Die diagnostizierte jedoch zu meinem Entsetzen sofort einen inoperablen Mikrostrabismus von 4 Grad. Nachgemessen hat sie nicht, nur geschätzt. Vielleicht sind es auch mehr, denn ich sehe das Schielen genau. Sie sagte auch noch, dass niemand in Deutschland einen Schielwinkel von unter 6 Grad operieren würde. Meinen Einwand, dass sich der Schielwinkel wahrscheinlich weiter vergrößert, wenn man die Brille auf meine eigentlichen Refraktionswerte abschwächen würde, wischte sie einfach beiseite. Außerdem meinte sie, dass es bei Erwachsenen sinnlos sei, die genauen Refraktionswerte unter Tropfen zu ermitteln, diese dann entsprechend auszukorrigieren und dann noch mal den genauen Schielwinkel zu testen.
Die einzige Möglichkeit, mir zu helfen, wären Prismen. Das kommt für mich jedoch überhaupt nicht in Frage, denn hinter einer Prismenbrille schiele ich sogar mit beiden Augen nach innen. Außerdem müsste ich dann nur noch mit Brille rumlaufen, das will und kann ich nicht. Welche Möglichkeiten habe ich noch? Und stimmt es, dass kleinere Schielwinkel nicht zu operieren sind? Ich freue mich über jeden Kommentar!
Liebe Grüße
Seven
