Hallo AkkoStrabo (oder AreMeika),
besonders Deinem letzten Absatz kann ich voll zustimmen. Ich möchte aber gerne ein wenig für die OPtiker in die Bresche springen
Schielen ist eine Krankheit - für das Erkennen und Behandeln ist ein Arzt zuständig. Und ich habe es in einem anderen Thread schon beschrieben Nicht jeder erhält vom AA die richtige Diagnose, sei es, weil der AA den z. B. Mikrostrabismus nicht erkannt hat (das ist NICHT einfach!!!!), oder weil der es nicht für nötig hielt, den Patienten diese Diagnose mitzuteilen. Der Patient hat halt ein schlechtes räumliches Sehen, und der AA kommentiert es mit den Worten Das ist nicht so schlimm, das haben manche halt, da braucht man nichts dran zu machen. Der Patient hört das Wort Mikrostrabismus nicht einmal.
So, und dann geht er trotzdem zum OPtiker, weil asthenopische Beschwerden dazugekommen sind (AA gehen erst dann an die Heterophorien, wenn die asthenopischen Beschwerden sehr stark ausgeprägt sind bzw. DB entstehen. Ihre Begründung Prismen treiben ins Schielen. Was stimmt, wenn man diese bei Vorliegen von Mikrostrabismus in falscher Dosierung verordnet). Ein gewissenhafter MKH-Optiker fragt nach dem letzten AA-Besuch und dem Befund. Patient sagt dann natürlich es ist alles ok. Und dann macht sich der Optiker natürlich an die KOrrektion der Wf. Von einer Wf kann er schließlich ausgehen, denn der AA hat ja nichts von Schielen gesagt.
Ein Optiker ist primär nicht dafür da, die Diagnose Schielen zu stellen!!!!!! Er hat auch nicht die Gerätschaften, die einem AA zur Verfügung stehen!!!!!
Eine FD II, 5. Unterart und höher gehören in den Bereich der WF (assoziierte Phorien, um es mal international zu gebrauchen). Ob die vorliegt, oder ein Mikrostrabismus, mag zuweilen erst nach mehreren Korrektionsschritten erkannt werden. Die Grenzen von FD II und Mikrostrabismus sind sehr, sehr eng!
Und wenn AÄ schon "Probleme" haben, einen Mikrostrabismus mit ARK zu erkennen, dann gestehe ich das im Prinzip auch den Optikern zu.
Was nun aber versierte MKH-Anwender unter den Optikern anbelangt, so fände ich es wünschenswert, wenn sie zumindest den Cover-Uncovertest sich meisterhaft aneignen könnten, sowie ein paar andere Kurzuntersuchungen aus der augenärztlichen Seite (als Bsp. nenne ich mal den Bagolini-Test, der auch nicht das Non-Plus Ultra ist, aber immerhin). Die Fortbildung zum Optometristen beinhaltet recht viel medizinisches Basiswissen. Vielleicht ist das für Betroffene ein hilfreicher Tipp, wenn sie sich auf die Suche machen. Es ist aber nicht ausschlaggebend.
Und ich habe auch immer noch das Gefühl, dass unter den Wf'lern die Prozentzahl von Mikrostrabismus höher ist, als unter der "normalen" Bevölkerung. Denn ein Mikrostrabismus allein macht in der Regel keine Probleme (außer das subnormale Binokularsehen, aber der Betroffene kennt es ja nicht anders). Deshalb sehen die AÄ darüber wohl auch gerne hinweg. ER macht erst dann Probleme, wenn sich die Wf aufpropft. Und natürlich gehe ich davon aus, dass die MEhrzahl der Wf'ler KEINEN Mikrostrabismus hat.
Aber er muss ausgeschlossen werden, denn sonst werden OP-Fälle "produziert", und das, wo wir doch soooo wenige versierte Operateure in Deutschland haben. Und die sind alle überlaufen und teils kurz vor dem Ruhestand. Wo soll das denn noch hingehen?!?!
Daher immer wieder mein Credo der interdisziplinären Zusammenarbeit. Nur so klappt es zur Zufriedenheit der Patienten und Kunden.
Viele Grüße
Kerstin