Hallo Kerstin,
ja, es dauert acht Jahre, bis man den großen Befähigungsnachweis, so heißt der Meistertitel in der Amtssprache, in Form des Meisterbriefes ausgehändigt bekommt. Doch der Reihe nach, zunächst die Definition, was ein Augenoptiker ist. Sie stammt von Prof. Hermann Pistor, Eutin, der sehr viele zum Augenoptiker ausgebildet hat
Der Augenoptiker ist ein auf wissenschaftlicher Grundlage ausgebildeter Handwerker, der sich mit der Anfertigung, Anpassung und Abgabe von Sehhilfen und Sehinstrumenten aller Art befaßt.
Wer als Hauptschüler das Augenoptikerhandwerk erlernen möchte, sollte einen sehr guten Abschluß haben. Besser Realschule oder Abitur. Die Ausbildung zum Augenoptiker beginnt mit der dreijährigen Lehre (früher 3 ½ Jahre), und endet mit der Gesellenprüfung. Hat man sie bestanden, ist man Augenoptiker. Bis an sein Lebensende. Es folgt die Gesellenzeit.
Innerhalb der Gesellenzeit kann man sich auf die Meisterprüfung vorbereiten. Das geschieht entweder in Abend- oder Wochenendkursen, oder man besucht eine von sieben höheren Fachschulen, die sechs Semester dauern. Nach dieser erfolgreichen Fortbildung an einer dieser Ausbildungsstätten legt man eine Prüfung ab und erhält nach deren Bestehen den Titel „staatl. gepr. Augenoptiker“ oder „staatl. anerk. Augenoptiker“, aber erst, wenn man fünf Gesellenjahre voll hat. Zusätzlich muß noch eine Prüfung vor der Handwerkskammer abgelegt werden. Hat man sie mit Erfolg abgelegt, ist man immer noch Augenoptiker, darf dann den Titel "Augenoptikermeister" führen.
Nur das Bestehen der Meisterprüfung hat Rechtsfolgen. Die wichtigste Man darf ausbilden und sich selbständig machen (der Dipl.-Ing. wird dem Meister rechtlich gleichgestellt). Der Meisterbrief wird nicht vor Vollendung des 24. Lebensjahres ausgehändigt. Der Gesetzgeber geht davon aus, daß erst ab diesem Lebensalter ein Mensch die Reife hat, andere auszubilden.
Inzwischen gibt es auch Studiengänge, die nach 12 Semestern mit dem Dipl.-Ing. Augenoptik abschließen. Eingangsvoraussetzung Gutes bis sehr gutes Abi und hohe Motivation.
Noch ein kleines Detail zum Lerninhalt aus der Verordnung über das Meisterprüfungsberufsbild und über die Prüfungsanforderungen in den Teilen I und II der Meisterprüfung im Augenoptiker-Handwerk vom 29. August 2005
(2) Dem Augenoptiker -Handwerk sind folgende Kenntnisse und Fertigkeiten zuzurechnen
Kenntnisse über die Anatomie und Physiologie des Auges;
Kenntnisse über Sehfehler;
Kenntnisse über sehleistungsmindernde Erkrankungen des Auges und Schädigungen, die einen Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit eintreten könnten;
§ 2 Meisterprüfungsberufsbild
6. Sehschärfe messen und bewerten,
7. Sehleistung messen und Methoden zum Erkennen von Sehleistungsminderungen anwenden, Ergebnisse darstellen und weiteres Vorgehen begründen; Auffälligkeiten des Auges erkennen,
8. Fehlsichtigkeit ermitteln und bewerten,
9. Refraktion der Augen mit objektiven Methoden messen,
10. Korrektionswerte mit subjektiven Messmethoden ermitteln und Korrektionsbedarf festlegen,
11. Sehhilfen zur Lösung von Sehproblemen in Abhängigkeit der Sehaufgabe bestimmen,
12. Fertigungsparameter für die Herstellung von Sehhilfen ermitteln, usw.
Die aufgezählten Lehrinhalte gibt es nur!!! für das Augenoptikerhandwerk. Das Anwenden dieser Kenntnis ist manchmal mühsam, aber bei Erfolg höchst befriedigend. Wer immer sonst glaubt, alles zu können und machen zu dürfen, es doch nicht gelernt hat, „pröbelt“ sich ein Ergebnis zurecht, wie Haase immer gesagt hat. Der Handel mit Brillen, also das Einsammeln von Rezepten ist das leichter verdiente Geld. Dafür gibt es von mir heftige Kollegenschelte.
Vielleicht ist es nun etwas besser verständlich, wenn ich für die vollständige Augenoptische Versorgung den Alleinstellungsanspruch für das Augenoptikerhandwerk erhebe. Weil es in meinem Beruf immer wieder zu Reibereien mit einem anderen Beruf kommt, paßt an dieser Stelle zum wiederholten Male meine Forderung, daß jemand nur das machen sollte, was er gelernt oder meinetwegen auch studiert hat. Kein Mensch läßt sich von einem Elektriker die Heizungsanlage oder den Dachstuhl bauen.
Gruß
Doccy