Diskussion zum Beitrag Erfahrungsbericht der Familie Kubsch
Liebe Frau Kubsch,
Ihr Erfahrungsbericht ist erschütternd und macht wütend. Wütend auf die vielen so genannten "Fachleute", die erstens nicht bereit sind, sich in Sachen WFS weiterzubilden oder diese überhaupt erst einmal ernst zu nehmen und vielleicht sogar irgendwann auch deren Existenz zu akzeptieren. Wütend aber auch darüber, wie viel man erst einmal durchmachen muss, wie sehr Kinder, aber auch manch Erwachsene körperlich und seelisch leiden müssen, bis man dann, oftmals nur duch Zufall, an kompetente Menschen gerät, die einem selbst oder den eigenen Kindern helfen können.
Auch ich habe einen rechten Leidensweg hinter mir, allerdings währte die allerschlimmste Zeit lediglich ein Vierteljahr. Dann war ich in den Händen eines sehr guten Optikergeschäfts in Freiburg im Breisgau. Weitere vier Jahre später wurde ich in Berlin operiert (bei Dr. med. Wulff). Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass ich ohne Prismenbrillenkorrektion mein Leben beruflich wie privat nicht mehr in den Griff bekommen hätte. Und nun zeigen sich bei drei meiner vier Kinder ebenfalls erste Winkelfehlsichtigkeiten. Wie froh bin ich nun doch, dass ich das selbst alles durchmachen musste, denn sonst hätte ich, bei der Überheblichkeit manches Augenarztes (man weiß ja als ahnungsloser Laie nicht, dass der Optiker oftmals der bessere Ansprechpartner ist), meinen Kindern vielleicht ebenfalls nicht geglaubt - so wie es auch mein Vater tat (der übrigens in seinem ersten Beruf selbst Optiker war, aber von WFS keine Ahnung hatte) Als ich in meiner Kindheit (vor über 40 Jahren) über Sehschwäche klagte, schickte er mich zum Augenarzt. Natürlich ergab sich ein Visus beiderseits von 1,2. Mein Vater tobte damals und warf mir vor, mich lediglich wichtig machen zu wollen. (Dies erlebte ich übrigens kurz vor Entdeckung meiner WFS ebenfalls bei einem Freiburger Augenarzt Er warf mir vor, meine Sehschwäche nur vorzugeben.)
Ich überlege noch, ob ich meinen Erfahrungsbericht (der viel von Verhöhnung durch Fachleute zeugt, die mir bei meinem noch immer sehr guten Visus meine asthenopischen Beschwerden einfach nicht abnehmen wollten) ebenfalls hier einstellen soll. Denn offensichtlich ist auch heute den in Sachen WFS kompetenten Optikern noch nicht so sehr bewusst, welche körperlichen Leiden eine WFS verursachen kann. Wer sich allerdings nur einmal den ungeheuren Energieanteil der Augen am Energieverbrauch des gesamten Körpers anschaut, der muss allmählich doch einsehen, dass eine nicht korrigierte WFS erhebliche körperliche Schwächen und gravierende Wahrnehmungsstörungen bis hin zu körperlichen, aber auch seelischen Krankheiten verursachen kann. Denn mit den Wahrnehmungsstörungen geht oftmals auch eine starke seelische Verunsicherung einher, die bis in die stärkste Depression münden kann. Das habe ich selbst erlebt, und das erlebe ich derzeit auch in meinem Freundeskreis.
Liebe Frau Kubsch, ich habe den Eindruck, dass auch hier im Forum die körperlichen und seelischen Folgen einer nicht korrigierten oder operierten WFS nicht ganz bewusst sind, denn außer in Ihrem Erfahrungsbericht wurde das bislang höchstens am Rande angesprochen (siehe etwa die Beiträge von Eberhard Luckas und von Paul-Gerhard Mosch). Auch mit meinem Optiker, ansonsten nicht nur in Sachen WFS ein höchst fähiger Mann, konnte ich damals, während meiner Korrektionsphase von immerhin insgesamt über vier Jahren, nie so recht über die körperlichen Folgen einer WFS sprechen Ihn interessierte lediglich die Optik, was mir jedoch letztlich auch recht war, denn ohne diesen Mann, der mir so manches Gläserpaar fast kostenlos überließ, weil ich die unzähligen Gläser damals niemals hätte bezahlen können (ich steckte noch im Studium), ohne diesen Mann also hätte ich niemals mein Studium beenden und auch nicht in meinem jetzigen Beruf arbeiten können.
Aber auch die Tatsache, dass bisher noch niemand auf Ihren Artikel mit einem Beitrag reagiert hat, zeigt mir, dass in Sachen körperliche und seelische Auswirkungen einer nicht korrigierten bzw. nicht operierten WFS noch einige Aufklärungsarbeit zu leisten ist.
Liebe Frau Kubsch, ich wünsche Ihnen und Ihrem Sohn alles Liebe und Gute!
Werner Rottler
