...aber irgendwie bin ich hier "heimisch" geworden -)
Ich möchte Euch daher kurz schreiben, was mich grad beschäftigt.
Ich habe sehr aufmerksam die Artikel bzgl. ADS, WFS, Wahrnehmungsstörungen gelesen und auch die Hinweise auf die Omega-3-Fettstoffwechselstörung und die "Entphosphatisierung".
Ich stelle dabei fest, dass es irgendwie unendlich viele Ansätze gibt, die alle gut sind, die alle das Ziel haben einem Menschen zu helfen, bin aber selber inzwischen hochgradig verwirrt, weil ich mich immer frage Alles machen? Das eine machen, aber das andere nicht lassen? Kind einfach mal wachsen lassen?
Zum Kind.
Mein Sohn ist 6 Jahre alt. Im Alter von 4 Trennung der Eltern. Das Kind ist bei mir, wir schlagen uns so durch. Mutter aktiver Typ, zuweilen aber immer wieder der Verzweiflung nah, da Stellen meist befristet sind und immer latente Existenzangst vorherrscht. Der Vater kümmerte sich anfangs unregelmäßig, mittlerweise zumindest geregelt wenn auch wenig.
Bis zum 4. Lebensjahr völlig normale Entwicklung. Sehr pflegeleichtes Baby, Frohnatur. Trotzattacken vorhanden, aber insgesamt unauffällig. Lediglich eine Kopfschiefhaltung mit einem verkürzten Sternocleidomastoideus, die mit KG behandelt wurde.
Hier schon tauchte in einem Orthopädenbefund die Diagnose KISS auf, die mir aber selber nicht mündlich offenbart wurde. Ich glaube auch nach wie vor nicht daran.
Nach der Trennung immer noch häufiges Einnässen, insbesondere nachts, aber auch tagsüber. Einschulung MUSSTE erfolgen, da das Kind 3 Tage vor dem STichtag geboren wurde, so dass ihm ein weiteres Entwicklungsjahr versagt blieb. Hör- und Sehtests unauffällig, bei der Einschulungsuntersuchung ebenfalls unauffällige Hörverarbeitung. Sprache auffällig, verwaschen, teilweise nicht altersentsprechend.
Logopädie seit dem Frühjahr. Hier Befundaufnahme und Feststellung einer eklatanten Hörverarbeitungsstörung, Störungen der Mundmotorik ebenso wie der Merkfähigkeit. Einschulung konnte nicht verhindert werden. Alles nicht so schlimm....man kann ein Kind ja auch ins System therapieren...*ironieoff*
In der Schule zunächste vermehrt Magen-Darm-Probleme mit Fieber, anfangs wieder gehäuft Einnässen. Immer häufiger Trotzreaktionen, die nicht mehr dem "Normalen" entsprechen. Wie eine SChraube, die ihn aggressiv gegen Mutter oder Gegenstände macht und er kommt alleine nicht raus.
Stand momentan Nachdem eine Trotzattacke in Anwesenheit des Kinderarztes stattfand, kompletter hom. Status und hom. Behandlung mit 3x3 Globuli lycopodium C30. Logopädie nur noch 1 x wöchentlich. Magen-Darm-problematik weg, eher Hungerattacken (bei normalem Körpergewicht und Größe). Die durch die Logo angekündigten Schulschwierigkeiten aufgrund hundsmiserablem Morttiertest (10 von 30) blieben aus. Auch Lesen lernen klappt. Kognitiv voll auf der Höhe, dafür auffallend schlechte feinmotorische Leistungen! Linkshänder. Handschrift furchtbar bis unleserlich. Kind ist frustriert, zeigt wenig Lust sich Mühe zu geben, bei Freihandschreiben ohne Linien tolle Motorik. Ebenso an der Tafel.
Trotzphasen noch vorhanden, aber nicht mehr so exessiv. Intervalle kürzer. Dabei auch Verbesserung des Zustandes der Mutter.
Wo anfangen...
Eine KG mit einer verhaltenstherapeutischen Zusatzausbildung öffnete sofort die Schublade ADS (Zitat Vielleicht hat er ja ein leichtes ADS...). Sie verkauft auch Bücher zum Thema und trötet in das Horn des ADS-Kinderarztes von Solingen, der Müttern jetzt einen Intract-Plus-Workshop für schlappe 98 Schleifen verkauft...
Die MKHler schreien jetzt vermutlich nach WFS. Ich überlege es abzuklären, aber so offen ich der Sache auch gegenüber stehe, habe ich bei Kindern eine höhere Schwelle. Die Aussicht auf eine evtl. für mich nicht leistbare OP ist auch frustrierend. Allein schon einem evtl. kurzfristigen Glaswechsel stehe ich finanziell deprimierend gegenüber. Als betroffene finde ich dicke Gläser häßlich - will ich das evtl. einem Kind zumuten?
Ihm deshalb Hilfe zu verwehren wäre jedoch auch sträflich... es ist ein Konflikt, daher auch meine teilweise recht harsche Reaktion im Thread "Wahrnehumgsstörungen" und mein Hingezogen-Fühlen zu den Ansätzen und Überlegungen von Urs und Volkhard.
Die Psychologen schreien nach Verhaltenstherapie und nennen das manisch-depressiv. Für mich ist aber VT auch eine sehr invasive Maßnahme und ich glaube einfach, dass man an die Wurzel muß. Und die ist nicht im Kind selber, sondern meiner Meinung nach eher exogen...
Die Nuklearmediziner sagen Schilddrüse abklären, kommt alles davon (autoimmune Vorerkrankung der Mutter bekannt. TSH beim Kind hoch). Sie wollen ggf. Hormone geben. *grusel*. Aber dort auch der Hinweis Wenn jemand mit ADS ankommt, denken Sie zuerst mal an die SD."
Das ist richtig und aus meiner Sicht auch nötig. Nur, mache ich ihn jetzt offziell "chronisch krank", kann er eine (neue) Zusatzversicherung und/oder eine Lebensversicherung im Alter von 6 Jahren schon knicken...die nehmen ihn nicht mehr.
Ebenso bieten Urologen Hormone gegen Einnässen...danke nein. Gottlob war aber auch der Uro der Meinung, die Ursachen liegen woanders.
Wenn ich das ALLES mache, dann hat dieses Kind keine Freizeit mehr sondern wir machen Therapietourismus bis hin zur Vergiftung (meine Meinung).
Aber ich finde es als Mutter unglaublich schwer, das Richtige zu tun und aus all dem abzuwägen, was überhaupt zumutbar ist. Ich habe z.B. die Logo auf einmal die Woche reduziert, weil mein Kind mir gesagt hat, es sei total durcheinander und habe das Gefühl "kotzen zu müssen", nachdem die Logo mit ihm Lesevorübungen gemacht hat. Das ist Humbug, denn das macht die Schule und die fordert es zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht einmal. Also habe ich das untersagt und darum geben, sich auf Mundmotorik und Merkfähigkeit zu beschränken. War ok, wenngleich es aus Ihrer Sicht alles sehr wichtig und nötig und überhaupt ist. Aber ich kann auch meinem Kind nicht einer Ernährungsstörung und geschädigten Inneren aussetzen, weil für alles irgend eine Therapie nötig ist, nur weil das System ihn zwingt, zu einem Zeitpunkt eingeschult zu werden, wo Winterkinder ein halbes Jahr Entwicklungsvorsprung haben...warum nur hört keine auf eine Mutter, die ihr Kind viel besser kennt?
Als Mutter gehe ich auf dem Grat. Ich bin es, die am Ende die Entscheidung eines Für oder Wider trifft. Die die letzte Entscheidung hat (soforn die Bildungsministerin sie einem nicht schon abgenommen hat, z.B. bei der Einschulung). Immer wieder frage ich mich, DARF ich ihm eine der gut gemeinten Therapien verweigern oder SOLLTE ich das nicht sogar tun?
Uff, etwas viel geworden. Aber mich quält das grade sehr und es macht mich so wütend.
In meinen Augen ist das ein normales Kind, was viel durchgemacht hat mit einer Mutter, die eben grad auch viel durchmacht. Wäre es nicht eher unnormal, wenn es nicht in irgend einer Form darauf reagieren würde?
Er wird es schaffen, keine Frage. Aber er muß einfach mehr kämpfen als andere - und in meinen Augen vieles deshalb, weil er drei Tage zu früh auf die Welt kam...
Ich hätte es so gerne noch ein Jahr lang einfach "wachsen lassen" und Kind-sein-dürfen....
Danke für´s Lesen.
Kerstin *grad völlig frustriert*


