Hallo, Kerstin
ich will Deinen oben genannten Beitrag mal etwas korrigieren, weil ich es für wichtig halte, dass wir bei Fragen des Sehtrainings möglichst sachlich richtig argumentieren. Im Endergebnis kann ich dem Sehtraining allerdings auch nicht viel Positives abgewinnen.
Jedes Training soll dazu dienen ABLÄUFE möglichst automatisiert (ohne nachdenken zu müssen) steuern zu lassen. Sehr gute Erfolge zeigt z.B. ein Autofahrer, der Kupplung, Bremse etc. fast reflektorisch bedient. Übrigens lassen sich auch einige Hörverarbeitungsstörungen sehr erfolgreich trainieren.
Beim Sehen ist das allerdings weit komplexer und häufig findet man, wenn überhaupt, die Übungen bei sich noch schmackhaft, die gerade die Stärken einer Sehstörung fördern, Dies steigert Defizite noch. Deshalb eine Warnung vorweg vor allen Übungen aus Büchern und von Freunden, sowie von "Fachleuten", die vorab keine sehr gründliche Abklärung betrieben haben.
Was aber ist von Anwendungen durchaus seriöser Anbieter zu halten? Meine erste Anfrage richtet sich schon daran, was ist hier eigentlich seriös zu nennen? Auch wenn es hier zumindest gelehrte Mindeststandarts gibt, bleibt meine Rückfrage, warum wird die Störung nicht grundsätzlich korrigert? Übrigens, gegenüber vielen guten anderen Lernbereichen gibt es gerade im Sehn wirklich die Chance den Grundfehler optisch auszugleichen (zu korrigieren). Das ist sehr häufig sonst nicht möglich.
Oft höre ich
1) Wenn eine erste Korrektion nicht den gewünschten Erfolg hatte.
Hier kann ich nur sagen, das ist garnicht so selten, und stellt deshalb die Frage an den Anwender zurück, wie sicher beherrscht er die Messtechnik und wie ordnet er die spontane Erwartungshaltung von Betroffenen (Angehörigen) ein und erklärt sich.
2) Die Betroffenen (Eltern) sollen entscheiden!
Das geht schlichtweg eigentlich nicht, denn sie sind auf diesem Gebiet allermeist Laien. In Wahrheit werden sie immer gelenkt und geleitet!
3) Der Fehlwert könnte evtl. in operable Grössenordnungen führen, deshalb wird trainiert.
Der Fehler wird vom "Fachmann versteckt", und wird später schlechter zugänglich, keinesfalls wird er behoben!
4) Das Training setze an der Basis an! Die Prismen korrigieren nur das Symtom.
Was ist die Basis wirklich ???
Ich wage hier mal abzubrechen, und hoffe Gedankenanstöße vermittelt zu haben.
Übrigens, Training hilft immer! Aber ob z.B. wohlproportionierte Muskelpartien eines Bodybuilders einem Langstreckenschwimmer - oder Läufer dienlich sind, wage ich zu bezweifeln. Sehen ist ebenfalls eine Ausdauer Leistung und jedenfalls kein Kurzzeitprogramm!
Zum Schluss noch ein paar Anmerkungen
Während Kampfsportarten oft die Stärken einer Winkelfehlsichtigkeit (auch die meisten Schiesssportarten, und nicht zu vergessen die meisten Action-PC-Spiele) fördern, würden im Gegensatz dazu Handarbeiten, wie Sticken, Knöppeln, sowie die meisten Ballsportarten und Bastelarbeiten die Defizite im Sehen trainieren. Und zwar ganzheitlich betrachtet! Auch lautes Vorlesen lassen würde schon fördern, sowie das Texte oder Tabellen bearbeiten mittels PC. Aber hier gibt es häufig erhebliche Widerstände zu überwinden, was mir nur zu verständlich erscheint.