Hallo Anna, Gernot und Herr Mosch,
das Abkleben der Brillengläser bei Kindern mit Amblyopien ist nach meiner Ansicht vor allem bei kleineren Kindern oder bei stark ausgeprägten Amblyopien ebenfalls nicht für effektiv, da viele über die Brille schauen, es ist also für mich absolut nicht unlogisch. Nach meiner Erfahrung wird die Brillenglasokklusion auch nur sehr selten und meistens nur bei massiver Neurodermitis, Pflasterallergien usw. oder älteren Kindern verordnet.
Ein Marlowverband zur Bestimmung des Schiel:wink:els ist in meinen Augen sinnvoll, wenn man den größten Winkel bestimmen und operieren will.Wenn aber ein Prismenausgleich wegen einer bestehenden Zyklotropie oder sehr schwankenden Winkeln nicht zufriedenstellend möglich ist, ist der Marlowverband meiner Ansicht nach die bessere Methode.
Durch den Marlowverband werden die Mechanismen der Schiel:wink:elkompensation unterbrochen. Danach sind manchmal Patienten nicht mehr in der Lage, den Schiel:wink:el zu kompensieren und sehen dadurch entsprechend störend doppelt. Nach einer Strabismusoperation bei vorangegangenem Marlowverband hatten übrigens bis jetzt alle Patienten, die ich bis jetzt gesehen habe, nach einigen Wochen oft sogar qualitativ höherwertiges Stereosehen als präoperativ. Das widerspricht in meinen Augen Herrn Moschs Argument, das ein Marlowverband das beidäugige Sehen dauerhaft schädigen kann. Meiner Ansicht und Erfahrung nach, ist das Stereosehen, wenn es einmal ausgebildet wurde, erstaunlich robust. Ich hab neben Patienten nach Marlowverband schon oft Patienten gesehen, die auch nach Fotoanamnese ca. 10 Jahre dauerhaft manifest geschielt haben, also sehr lange ein Auge exkludiert und den Schiel:wink:el jahrelang nicht kompensiert haben und somit keine Fusion geschweige denn Stereosehen hatten. Trotz dieser langen Unterbrechung des beidäugigen Sehens wurde das Stereosehen nicht "verlernt". Nach der Schieloperation des großen Schiel:wink:els (meistens nach einigen Wochen) hatten diese Patienten nachweislich Stereosehen. Daher ist nach Beseitigung des Störfaktors für Fusion und Stereosehen, der großen Schielabweichung,das Stereosehen und die Fusion wieder nachweisbar. Eine einmal erworbene Fähigkeit kann meines Wissens nicht verlorengehen, solange die Nervenzellen, also beim Stereosehen das Zentrum für die Sensorik des visuellen Systems nicht beeinträchtigt ist. Bei einem Marlowverband oder einem lange manifesten Schielen stimmt die Augenstellung nicht, dadurch entstehen eben die Exklusion oder Doppelbilder, die Fähigkeit zum Stereosehen ist aber noch da und kommt dann wieder zum Tragen, wenn die Augenstellung wieder paßt. Das kann man in meinen Augen mit einer falschen oder fehlenden Brille bei z.B. einer Myopie vergleichen. Hat ein erwachsener Myoper von z.B. 4dpt. auch länger keine Brille, sieht er in der Ferne nur ca. 5 - 10%, obwohl keine Beeinträchtigung der Augen bzgl. des Sehnervens, der Hornhaut, Netzhaut, des Sehzentrums usw. bestehen. Dennoch geht einem Erwachsenen mit normaler Sehentwicklung die Fähigkeit zur 100%igen Sehschärfe nicht verloren. Wenn die Myopie, also das etwas zu lang geratene Auge, mit einer Brille oder Kontaktlinse auskorrigiert wird, hat derjenige wieder einen vollen Fernvisus, die Voraussetzung, 100%ig zu sehen stimmt also mit Korrektur wieder.
Ich verstehe im übrigen Gernots Satz
"Interessant ist die Differenzierung in "Augen- und Unikliniken".
nicht. Es gibt Unikliniken und es gibt städtische Augenkliniken, der Unterschied ist hier die Bezeichnung, die Behandlungsmethoden sind an den meisten Uni- und Augenkliniken sicherlich ähnlich.
Viele Grüße
Kerstin