Hallo, Anna
wie Sie selber schreiben, bin ich ein Praktiker und kein(!) Wissenschaftler. Deshalb kommen wir vielleicht von Hölzchen auf Stöckchen.
Soviel vielleicht noch,der Kreuztest ist der 1. Test bei einer MKH Messreihe. Er ist den üblicherweise angewendeten Testen in der Messung von Binokularstörungen am ehesten in seinen Ergebnissen vergleichbar. Im Unterschied zu vielen anderen Testen wird er aber im hellen Umfeld benutzt und durch den Rahmen des Messgerätes wird ein bewust gewollter Rahmenfusionsreiz ausgelöst, dieser fehlt bei den meisten Heterophorietesten völlig.
Dies sind für die individuelle sensorische und motorisch gesteuerte Fusion deutlich andere Bedingungen. Unter anderen Messbedingungen treten aber typischerweise auch andere Ergebnisse ein.
Im natürlichen Sehen ist die "Fusion" immer ein Rahmenreiz aus dem Umfeld ausgesetzt. In der Umsetzung des Kreuztestergebnisses zeigt sich eine große Verträglichkeit der so gefundenen Werte in der Praxis. Diese Verträglichkeit ist in diesem Umfang bei anderen Testmethoden nicht gegeben. Hier wird ja durch Abschwächung der Ergebnisse erst eine mögliche Verträglichkeit gesucht. Das diese nicht an die Verträglichkeit des Kreuztestwertes herankommen können, wurde meines Wissens früher durchaus schon in vergleichenden Untersuchungen festgehalten.
Lassen Sie mich nun noch etwas aus dem eigenen Erleben (nicht wissenschaftlich!) berichten.
Als Lehrling lernte ich den Kasten des Polatestgerätes der Fa. Zeiss 1970 kennen und durch eigene Brillenversorgung schätzen. Drei Prismen in Höhe und Seite waren am Kreuz ermittelt worden und mein Sehen war besser und der Kopfschmerz weit weniger bis weg. In den Jahren später trug ich mal Brillen mit bzw. ohne den Seitenwert, ich stellte fest, der Höhenwert mußte jedenfalls bleiben.
Auf der Höheren Fachschule für Augenoptik (Meisterschule) lernte ich 1977/79 sehr wenig Neues zum "Polatest" (heute Mess- und Korrektionstechnik nach Hans-Joachim Haase / MKH) dazu, aber wir wurden in allen anderen Messverfahren eingeführt und unterrichtet. Manche Skurrilitäten mußte ich noch lernen (z.B. wurde uns gesagt, das man Höhenprismen über 2.5 cm/m nicht kompensieren könne). Ich hörte den Dozenten und prüfte den Blick, über bzw. durch meinen Brillenwert und stellte fest, dem war nicht so. Später lernten wir, das Sehen werde bei höheren prismatischen Wirkungen erheblich schlechter, auch dies widerlegte sich später im persönlichen Erleben. Ich sah mit meiner 1993 gefertigten Brille mit über 27 Prismen besser, wie je zuvor. Leider hatte ich zu meinem Abschluß als AO-Meister noch keine wirklich richtigen Kenntnisse über die MKH erworben, obwohl "der Kasten" in der Schule hing und mitbenutzt wurde. Ein prägender Satz war damals, "...und hier hängt das Lieblingskind der Berliner Schule, damit kann man auch die Augen prüfen. So, jetzt machen wir erstmal Pause." Das war der Abschluß jener Unterrichtsstunde.
Es sollten noch sieben Jahre vergehen, bis ich auf die Besonderheiten dieses Kastens gestoßen wurde. In all den Jahren war ich mit prismatischen Versorgungen nicht untätig und hatte immer guten Zuspruch aus der Kundschaft.
Ich hake mein damaliges Wissen mit unter das Thema "Teilkorrektionen" ab. Ich weiß dabei sehr wohl, wo ich auch heute noch durch solche Teilkorrektionen "Seherfolge" bei Klienten bekomme. Diese sind es natürlich, die wir durch eine Augenglasbestimmung für unsere Klienten suchen.
Niemals aber wäre mein mittlerweile operierter Gesamtfehler durch meine damalige Messtechnik gefunden und aufgedeckt worden. Sowohl meine Migräne, noch mein Händezittern bei hoher visueller Belastung, wäre je verschwunden und meine Sehschärfe ist heute mit über fünfzig besser, als damals mit zwanzig. Als Augenoptiker habe ich den Schlitz der feinen Brillenschrauben immer mehr gefühlt als wirklich gesehen, und es gab Tage, da war mir nicht nach Werkstattarbeit, da ging ich nur in den Verkauf, sonst gab es viel Bruch und Dalles. Das wußte auch mein damaliger Chef! An anderen Tagen wiederum konnte ich komplizierteste Arbeiten sogar fehlerlos hinlegen, ich verstand mich oft selber nicht. Und dass das mit meinen Augen zusammenhängen sollte, hätte ich damals niemand abgenommen. Ich habe es auch nie gesagt bekommen, aber als ich noch die dicke Prismenbrille vor meiner späteren Augen-OP trug, merkte ich selber plötzlich, das einiges anders war. Das überzeugte mich persönlich am meisten von der Richtigkeit, der heute seit fast 50 Jahren angewandten Messtechnik der MKH. So, wie mir ging es früher den meisten angagierten Anwendern. Erst durch eigenes Erleben wurde man sensibel für MKH. Das dies letztlich den Vorwurf der Unwissenschaftlichkeit verstärkte, liegt auf der Hand. Das Thema galt als verpönt und umstritten, und der in den Jahrzehnten entstandene Wildwuchs an eigenen Methoden im Ablauf einer Messung, machte die Sache noch schlimmer. Dies änderte sich wesentlich erst mit und nach Gründung der IVBV und durch deren Tätigkeit. Dafür bin ich ein Beispiel.
Als Erfolg ist hier sicher auch zu werten, dass die MKH an allen augenoptischen Fachschulen und Fachhochschulen in Deutschland und der Schweiz (Holland / Österreich?) seit einigen Jahren anerkannte und angewandte Lehrmethodik ist. Gleichfalls ist sie mittlerweile in den "Arbeitsrichtlinien für das Augenoptikerhandwerk" in Deutschland fest verankert. Dies wird nur nicht überall genügend zur Kenntnis genommen, zu groß sind immer noch althergebrachte Vorurteile selbst im Lager der Augenoptiker.
Mehr kann ich als Praktiker hierzu nicht weitergeben. Ich bitte um Ihr Verständnis und entschuldige mich, dass ich zu mehr nicht tauge!
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