Hallo, Lissy
Ich versuche, Deine Gedanken nachvollziehen zu können und zu beantworten.
Zitat durch die verschiedenen Beiträge und Informationen bin ich mittlerweile völlig verunsichert. Einerseits lese ich hier im Forum sehr viele positive Nachrichten zu diesem Thema, andererseits warnen mich auch einige Leute, daß gerade die WFS noch nicht richtig wissenschaftlich erforscht sei und man auch sehr viel Schaden anrichten kann.
Antwort „Schäden“ sind zwar oft unspezifiziert erwähnte Aussagen, aber nie! direkt benannte Fakten. Die hierzu auch oft angeführten Op’s stellen in sich keinen Schaden dar. Sie haben den Betroffenen bislang eindeutig geholfen. Mir ist kein! gegenteiliger Fall in 15 Jahren MKH bekannt.
Zitat Deshalb hier einige Fragen, auf deren Antwort ich sehr gespannt bin.
I.) Geschichte
Mein Sohn klagt weder über Kopfschmerzen noch Übelkeit oder sonstige Beschwerden. Er ist 9 Jahre alt. Auf das Thema WFS bin ich durch seine immer wieder auftretende Konzentrationsschwäche in der Schule gekommen.
Ein Optiker in Nürnberg (Kapazität) hat tatsächlich eine "starke" WFS diagnostiziert. Abhilfe wäre eine Prismabrille mit ca. 350 Euro Kosten.
Antwort Der Kollege aus Nürnberg scheint grundlegend einige Punkte falsch gemacht zu haben (oder sie wurden hier nicht korrekt wiedergegeben). So hat wohl keine medizinische Abklärung von einem Facharzt für Augenheilkunde vorab stattgefunden. Dies hätte einige der Unsicherheiten entschärfen sollen. Dies ist aber eine unbedingte Vorabmaßnahme einer „Kapazität“ auf dem Gebiet der WF. Wenn der AO dann mit einer vollständigen augenoptischen Messung eine WF ermittelt, stellt dies ein "Messergebnis" und keine Diagnose dar, denn eine Diagnose ist nicht Teil augenoptischer Tätigkeit. Die 350 € sollten sich auf Messung, Glasart und Fassung aufsplitten und geben keinen Anhaltspunkt für eine wertmäßige Bezugsgröße von WF.
ZItat Auf Grund dieser Höhe habe ich noch um Bedenkzeit gebeten und mich zu diesem Thema weiter informiert. Nun also meine Fragen
1.) Stimmt es, daß es mit einer Brille nicht getan ist?
(Aus Bekanntenkreisen und aus dem Forum habe ich schon gehört, daß angeblich nach schon 3 Wochen der Augenmuskel sich wieder verändert haben kann und deshalb eine neue Brille notwendig wird?!?!?)
Antwort Eine vollständige augenoptische Augenglasbestimmung ermittelt unter den gegebenen Voraussetzungen eine optimale augenoptische Korrektion. Sie ist grundsätzlich von vielen Faktoren abhängig und in jedem Fall nur eine momentane Bestandsaufnahme. Das Ergebnis ist „Brille“ und wird entsprechend lang- oder auch nur kurzfristig optimal brauchbar sein. Generell sollte es aber bessere Resultate im "Sehen" erreichen lassen, als dies ohne entsprechende "Brille" der Fall ist.
Frage 2.) Kostet dann das jedes Mal neu 350 Euro?
Antwort (s.o.) Dies lässt sich so nicht benennen. Jedenfalls wird durch eine neue Augenglasbestimmung und evtl. neue Gläser auch ein Kostenfaktor benannt werden müssen. Dem sollte jedoch auch ein neuer, höherer Nutzfaktor gegenüber stehen.
Frage 3.) In welchen Abständen wird den gemessen?
Antwort Meine hier schon öfters gegebene Antwort, ich empfehle eine Brillen- und Sehkontrolle (keine Messung) nach sechs Wochen, diese Kontrolle klärt auch den weiteren Verlauf ab. Eine Messung im Zeitabstand von drei bis sechs Monaten ist sehr empfehlenswert bei nur geringfügigen Veränderungen und typischen größeren Problemen, sowie bei Schulkindern mit Lerndefiziten. Die neue Messung nach MKH greift so optimal in ein (ehemals) angespanntes, verkrampftes Sehen ein, und führt dies im Ergebnis als "Brille" der Lösung sehbedingter Störungen einen weiteren Schritt näher. Je geringer sehbedingte Störungen vorhanden sind, desto weniger notwendig erscheint ein erneuter kurzfristiger Messtermin.
Frage 4.) Wieso werden die Gläser später immer dikcker? ("Colaflascheneffekt")
Antwort Diese Aussage ist so nicht richtig! In vielen Fällen bestätigt sich das Ergebnis "Brille" bei späteren Messungen und bleibt langzeitstabil. Allerdings ergibt sich schon aus gewissen Befindlichkeiten, und auch bei schnell erreichbaren hohen Kompensationswerten ein Verdacht, dass es sich bei diesen Meßwerten erst nur um einen Teil des gesamten Betrages der WF handelt. Keinesfalls wird jedoch der Betrag durch "Brille" noch erhöht, sondern vom Gesamtbetrag wurde nur erst ein Anteil durch die Messung zugänglich. Bislang musste ja der Gesamtbetrag der WF per Selbstausgleich kompensiert werden (man achte hier auch auf den sich i.d.R. positiv verändernden Beschwerdefaktor)!
Frage 5.) Kann aus der WFS eine echte Sehschwäche werden, bzw. durch das Tragen der Prismabrille? (Heute hat mein Sohn keine Sehschwäche, ganz im Gegenteil)
Antwort Das Messverfahren nach MKH führt unter der Beachtung der festgelegten Richtlinien niemals in eine Sehschwäche hinein. Es stärkt und unterstützt das beidäugige funktionelle Sehen dergestalt, dass sehr oft ein ein- oder beidäugig reduzierter Visus (Sehschärfe) stabilisiert wird und sich daraus bessere Sehleistungen aufbauen können. Selbst motorisch bedingte Beeinträchtigungen der Augenmuskel können sich im Nachhinein, als nur durch eine WF indizierte Verspannungen, Verkrampfungen, herausstellen und auflöst haben.
Frage 6.) Wo soll man hingehen, zum Optiker (wie wir das taten) oder zu einem Augenarzt?
Antwort (s.o.) Es spricht nichts dagegen, sich von dem jeweiligen Fachmann, auf dessen Spezialgebiet, beraten und betreuen zu lassen. Da ein Zahnarzt das Gebiss einmal jährlich prüfen soll, wäre das Augenpaar sicher auch einmal jährlich zu überprüfen. Wer dies jeweils im Wechsel zwischen AA und AO durchführt, baut meineserachtens nach eine gute Vorsorge auf.
Wer allerdings Ihnen gegenüber als "Facharzt für Augenheilkunde" auch nur eine der fünf* Fehlsichtigkeiten zu medizinisieren versucht, müßte Ihnen nachweisen, dass er "Augenoptik" selbst voll beherrscht! Stellt doch "Augenoptik" unbestritten ein eigenständiges Berufsbild dar, in welchem "Winkelfehl-sichtigkeit" mittlerweile ebenso, wie die "Messmethodik nach MKH" integrierte Bestandteile sind.
*Winkelfehlsichtigkeit, Über- und Kurzsichtigkeit, Stab- und Alterssichtigkeit
Frage 7.) Wieso gibt es bei diesem Thema überhaupt so unterschiedliche Meinungen?
(Es gibt ja richtige Gegner und Befürworter zum Thema WFS!!!)
Antwort Leider, ist das nicht zu bestreiten. Die Gründe sind vielschichtig und vielfältig. Gerade deshalb sind die Argumente derer besonders zu hören, die diese Methodik am eigenen Leib studiert haben. Ich gehöre als Anwender auch zu den persönlich Betroffenen, und stehe gerne weiter zu Antworten bereit.
Erst ein AA, der auch AO mit den Kenntnissen der MKH studiert hat und dieses Wissen dann selbst umsetzt, wird die gesetzmäßigen Zusammenhänge nicht mehr bestreiten wollen. Dies wird auch in der interdisziplnären Vereinigung der IVBV immer wieder in positiver Weise deutlich.
Ein gutes Neues Jahr wünsche ich Allen!