Gleitsichtbrille ? Selbstverständlich. Beratung ? Keine Problem.
Aber welcher Optiker der eine Gleitsichtbrille für 600 Euro anfertigen will, hat schon einmal seinen Kunden gefragt, ob denn der Kunde sicher sei, das er für die Nähe die gleiche Korrektur-Differenz zwischen den beiden Augen benötigt wie für die Ferne ? Die Fernwerte also gradlinig für die Nähe verkürzt werden können ?
Etwa 70 Prozent der Optiker können diese Frage nicht stellen, weil sie garnicht dieses Kästchen für diesen Test haben.
Weil eine Abweichung so selten ist bzw. so selten festgestellt wird. Und in der Regel geht es ja gut. Der Kunde beschwert sich nicht.
Oder nicht bei diesem Optiker.
Und warum vergewissert sich der Optiker nicht über diese Frage ? Weil es auf jeden Fall Zeit kostet. Zeit die nicht bezahlt wird !!
Das setzt der Optiker voraus. Denn der Optiker will dem Kunden die Refraktion unbedingt schenken !!
Und der Kunde nimmt das Service-Geschenk an, weil es in seinen Augen nichts bedeutendes ist. Und das ist die 10-Minuten Refraktion ohne Test auf beidseitiges Sehen ja auch nicht.
Von all den anderen Test-Möglichkeiten ahnt der Kunde absolut nichts. Denkt, das der Optiker sozusagen alles denkbar mögliche gemacht hat, damit die teuren Gläser mit Sicherheit das Optimum bieten. Und nicht nach der Wahrscheinlichkeitsrechnung.
Va banque ?
Nein. Wirtschaftlich ein Erfolg.
Eine Freundin von mir ist mit der Verordnung des Augenarztes zu einem Optiker gegangen und hat sich eine neue Gleitsichtbrille machen lassen. Das die Refraktion des Augenarztes falsch war, wäre ja nicht so schlimm gewesen. Denn sie ist ja zu einem Fachmann, einem Optiker gegangen um sich die Brille anfertigen zu lassen.
Aber der Optiker hat nach den falschen Werten des Augenarztes die Brille angefertigt. Dem war das Wohl des Kunden nicht einmal dieses Service-Geschenk wert.
Nach der dritten Reklamation, das sie nichts sehen kann, hat der Optiker dann selber eine Refraktion durchgeführt und andere Werte festgestellt und danach neue Gläser angefertigt. Meine Freundin hat nur 100,- Euro für die neuen Gläser bezahlen müssen.
Dieser Verlust an den Gläsern hat sich für den Optiker über die Vielzahl der eingesparten Überprüfungs-Refraktionen, schnell amortisiert. Zumal die Kundin, nun auch von der Grosszügigkeit der Regulierung überrascht, mehr als zufrieden ist.
Wie hoch mag eigentlich der Prozentsatz sein, der mit einer nicht richtigen Brille rumläuft.
Angefangen beim Augenpunkt bis hin zu nicht erkannten, und damit nicht korrigierten Sehfehlern ?
Viele Grüsse
Mistral

