Hallo!
Die Gleitsichtbrille ist auch bei der ausführlichsten Beratung und verbaler Abwägung der Vor- und Nachteile, individueller Gewohnheiten usw. immer ein bißchen die Katze im Sack kaufen. Da hat Lisa völlig recht. Es ist auf Grund der hohen Individualität einer GS-Brille nicht möglich dem Kunden das Gleitsicht-Seh-Erlebniss mit all seinen Vor und auch Nachteilen vorzuführen und 100%ig zu erklären, gerad dann, wenn man selbst noch keine getragen hat. Und selbst wenn der Augenoptiker und 1000 andere Kunden mit der GS-Brille prima zurecht kommen, es gibt Menschen, die sich einfach nicht damit anfreunden können. Wir sind ja, glücklicherweise Individuen.
Es gilt also bei der GS-Beratung dem Kunden nicht nur die schönen Vorteile in den buntesten Farben zu schildern, sondern auch kritisch mit den Nutzungslücken umzugehen. Ich nenne nur 2 Beispiele Rückwärtsfahren, Rangieren mit dem Auto, Gabelstapler etc. oder exzessive Computerarbeit. Der Kunde muss vorher so gut es geht auf die Kompromisse vorbereitet werden, wenn er sich auf einen preisintensiven Handel einläßt. Fall 1
Wenn ich zu dem Schluß komme, der Kunde paßt eigentlich nicht zur Gleitsichtbrille, werde ich ihm auch davon abraten und ihm meine Gründe dafür nennen. Konsumiert er trotzdem die GS-Brille (..der Nachbar hat ja auch eine...)und kämpft dann mit den von mir schon angedrohten Problemen, bin ich verbal fein raus, werde ihn aber trotzdem nicht im Regen stehen lassen, dazu später.
Fall 2 Wir kommen gemeinsam zu dem Schluß das die GS-Brille für den Kunden o.k. ist. Trotz handwerklich exakter Ausführung kommt der Kunde aber auch nach 4 bis 6 Wochen nicht zurecht (z.B. ein nicht nachlassender Schaukeleffekt der zur Unverträglichkeit führt).
In beiden Fällen haben wir nun einen Kunden, mit Problemen´und eine Gleitsichtbrille zuviel auf der Welt.
Mittlerweile haben glaube ich fast alle Glashersteller dem Augenoptiker hier schon eine kulante Lösung in den Schoß gelegt, die Verträglichkeitsgarantie. D.h. wenn sich der Kunde innerhalb einer bestimmten Zeit nicht an die Gläser mit Zufriedenheit gewöhnt, können diese an den Glashersteller zurückgegeben und umgetauscht oder teilweise gutgeschrieben werden. (Das muss nicht bei jedem Optiker so sein!!!!!) Diese Garantie wird aber nur bei GS-Gläsern ab einer bestimmten Preisklasse angeboten, bei Billiggläsern sind die Hersteller natürlich nicht so leichtsinnig, weil es da eben auch öfter zu Problemen kommt.
Nun bin ich der Meinung, daß man mit diesem Garantieangebot aber gefühlvoll umgehen muss. Wenn mein Verkaufsargument wäre Na, probieren wir es halt mal mit der GS-Brille, wenn's nicht klappt, nehme ich sie halt wieder zurück - dann habe ich was falsch gemacht. Warum? Na, weil eine GS-Brille ein hochindividuelles Produkt ist, hinter dem viel Entwicklungsarbeit steckt und das Teil einfach mal WERTVOLL ist. Was muß ein Kunde über die Preiswürdigkeit denken, wenn ich nach 8 Wochen Gläser für 500 Euro und eine Fassung ffür 150Euro freundlich lächelnd in den Mülleimer werfe - kein Schuhgeschäft würde mir Schuhe ( und wenn se 200 Euro gekostet haben) nach 2 Wochen Tragezeit umtauschen oder zurücknehmen.
Was machen wir also mit dem Verträglichkeitsrisiko? Wir teilen uns das Risiko. Der Kunde geht die Gefahr ein bei Unverträglichkeit eine Gleitsichtbrille gezahlt zu haben, aber schlechteren Fall dann doch wieder eine Fern- und Nahbrille zu haben, oder mit normalen Bifocalgläsern herumzulaufen. Der Optiker investiert in Beratung, Handwerksleistung, Nachbearbeitung, Neuverglasung usw. ... und jeder Kollege wird individuell abklären, wie er es mit den Kosten handhabt. Beide Seiten sezten also mehr Geld in den Sand als eigentlich nötig ist, aber meiner Meinung nach ist es gerechter, dieses Risiko zu teilen. Denn wer allzu leichtfertig mit Umtausch und Rückgabe umgeht, muß das fehlinvestierte Geld irgendwo anders wieder reinkriegen. Nun könnte man also grundsätzlich die Gläser, die ja nun schon nicht billig sind, so kalkulieren, daß ab und zu ein Ausreißer gedeckt ist. Wäre unser Ding nicht, denn dann zahlen die Kunden mit drauf, die das Problem gar nicht haben. Und eins ist klar Kulanz kostet Geld! Egal wo die Großzügigkeit herkómmt, ob vom Hersteller oder vom Optiker, oder von beiden, irgendwo müssen die Kunden dafür zahlen.
Kurz noch zum Schluß ich finde den Gleitsichtfall kann man nicht direkt mit bienes Fall vergleichen, es gibt Probleme, die lassen sich zu sehr hohen Prozentsatz im Vorfeld vermeiden, bei Gleitsichtbrillen ist das Restrisiko eben noch etwas höher.
So, und jetzt wird auf den Brocken geradelt
Schönen Nachmittag!
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Carsten Einsiedel
...viel zum Sehen