Hi Verena,das ist eine spannende Sache, die du da ansprichst. Ich kenne kurzsichtige Leute mit -4 dpt, die sagen, sie fühlen sich völlig hilflos ohne Sehhilfe, und Leute mit -12 dpt, die in vielen Dingen des Alltags, vor allem zu Hause, ohne Sehhilfe auskommen und das auch gezielt trainieren. Das ist doch wirklich verrückt, und es führt mich zu dem Schluss, dass es ziemlich von der Einstellung abhängt, die man selber dazu hat.
Ich weiß nicht, wie's dir ergangen ist, als du deine erste Brille gekriegt hast und die
Gläser dann allmählich immer stärker wurden. Ich habe den Eindruck, dass z.B. Eltern, Lehrer oder Mitschüler, die nicht selber stärker kurzsichtig sind (und sich das deswegen nicht richtig vorstellen können), einem dabei immer wieder das Gefühl vermitteln, wegen der Brille sowas wie blind zu sein - und irgendwann glaubt man's dann selber und schaut gar nicht mehr drauf, was man ohne Sehhilfe alles sieht.
Etwas anderes ist sicher auch, dass viele Kurzsichtige sehr genaue Menschen sind, die immer optimal über ihre Umgebung im Bilde sein wollen. D.h. der Maßstab für 'etwas sehen' liegt sehr hoch ganz scharf, oder gar nicht. Und die leiden dann z.T. richtig physisch unter dem Unscharfen.
Für mich selber ist es wichtig, mich immer wieder zu vergewissern, was ich mit meinen eigenen Augen sehen kann. Mir geht's dabei so wie Ophelia, dass es eigentlich eine ganze Menge ist, was ich sehen und ohne meine Linsen machen kann - im Grunde fast alles, wo man nicht klare Konturen sehen muss, und das ist vor allem das Lesen. Spazierengehen z.B. ist da eigentlich kein Problem, und das meiste zu Hause auch nicht. Klar, dass ich z.B. am PC die Linsen brauche - da merke ich am deutlichsten, dass meine Kurzsichtigkeit eine Sehbehinderung ist.
Es kann aber sein, dass es da bei der Stärke der Kurzsichtigkeit wirklich eine Grenze gibt. Mit -7.0/-6.5 (Brillenwerte) geht das bei mir ganz gut. Ich habe aber auch schon eine Freundin ungefähr mit deinen Werten, der es eher so ergeht wie dir.
Ciao, Thomas