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Bild des Benutzers F.Fili
Beigetreten: 31. Juli 2004 - 0:00
Vergrößernde Sehhilfen

Hallo zusammen,

ich möchte gern Euch um einen Rat bieten.
Ich bin 33, genetisch bedingte Kurzsichtigkeit. Im Alter 18 habe ich ca. -10,0 Dpt. erreicht, Sehschärfe 1,0. Früher war alles so gut, dass ich niemals meine Kurzsichtigkeit als hohe empfinde.
Seit dem Oktober 2003 hat sich alles deutlich geändert. Mir wurde viel schwieriger am PC arbeiten. Ich war bei Augenärztin, die Peripherie Netzhautdegeneration im nasalen Bereich festgestellt hat und Sehschärfe in der Ferne 0,9. Genau wie Gika (eine Teilnehmerin im Forum) habe ich bemerkt, dass beim Test in Ferne die Augen „zoomen“, „d.h. ich sehe mal scharf und mal unscharf (so als ob man mit einer Spiegelreflexkamera ständig die Schärfe verändert)“.

Im BFW Düren (Zentrum für berufliche Bildung Blinder und Sehbehinderter) wurde im Februar 2004 Hilfsmittelberatung durchgeführt. Noch vor der Untersuchung haben sie mir gesagt, dass sie an den in meinem Ort gemessenen Sehschärfewert nicht glauben. Ergebnisse aus Düren Sehschärfe in der Ferne beträgt 0,63, Nahsehschärfe 0,5 (also weniger, als in der Ferne!). Hilfsmittelbedarf Vergrößerungssoftware mit Farbinvertierung und Farbanpassung, evtl. Screenreader, schwächere um 1 Dpt. Lesebrille. Bei einer Tätigkeit am PC soll ich möglichst Fettschrift verwenden.

Später sind Probleme mit dem Lesen entstanden. Die neue Lesebrille hilft mir leider nicht. Ich reagiere auf den Kontrast und Blendung. Wenn Papier etwa grau ist, und Buchstaben nicht genug schwarz sind, ist mir schwer lange zu lesen, obwohl Schriftgrad relativ groß ist. Beim Lesen von Zeitungen entsteht Augenschmerz, besonders in der Mitte und in inneren Ecken der Augen. Ich merke, dass Gefäße in Augen werden rot und dick, besonders in der Mitte und in inneren Ecken der Augen. Es gibt komisches Gefühl einer Muskelspannung in Augen, als ob Augen nach innen zu stark konvergieren. Was ist noch schlimmer, entsteht dabei Übelkeit und Schwindel.

Kurzzeitig kann ich relativ gut sehen, aber in einem Zeitraum werden Augen ungewöhnlich schnell müde.

Das Gefühl der Muskelspannung ist nach der augenärztlichen Untersuchung mit Tropfen sofort verschwunden! Mit anderen Worten, Tropfen wirken gegen die Muskelspannung! Aber wenn den Kontrast gering (für mich) ist, dann entsteht Muskelspannung rasch wieder.

Bis zum Februar war mit dem Lesen alles noch OK, deshalb habe ich im Düren nur nach den Hilfsmittel für PC-Tätigkeit gefragt.
Im BFW Düren hatte ich sehr gute Beratung und ich bin sehr dankbar allen, die dort arbeiten. Sie verstehen alle meine Beschwerden. In meinem Ort (Münster/Westfalen) konnte ich leider noch nicht etwas Ähnliches finden. Die Augenärztinnen glauben nach wie vor an 0,9 Sehschärfe, Lesebrille dürfen sie nur ab 40.-50. Lebensjahr verschreiben, alle Hilfsmittel sind für mich überhaupt überflüssig, eine von drei Augenärztinnen hat mir gar gesagt, die Netzhaut sei perfekt für meine Myopie. Muskelspannung können sie nicht erklären.

Ein Optiker (Fachberater für Sehbehinderte, nicht aus Münster) empfiehlt mir dagegen Hilfsmittel zum „entspannteren Sehen“ (später schreibe ich welche genau).

Zum Schluss, Meine Werte
Visus R und L Sph -9,5 Zyl. -0,5 Achse 175
Sehschärfe in der Ferne 0,63, Nahsehschärfe 0,5
Peripherie Netzhautdegeneration im nasalen Bereich
Gesichtsfeld leichte myopiebedingte Ausfälle
Augendruck ist in Ordnung.


1. Wer kann einen erfahrenen Optometrist oder Augenarzt /eine erfahrene Optometristin oder Augenärztin in NRW empfehlen?
2. Welche Idee habt Ihr, warum entsteht Muskelspannung?
3. Welche Hilfsmittel können mir eventuell helfen zu lesen?

Ich bedanke mich schon im Voraus.
Gruß,
Fili

Bild des Benutzers Eberhard Luckas
Beigetreten: 29. September 2002 - 0:00

Hallo Fili,

Du schreibst Gesichtsfeld in Ordnung, aber nasale Netzhautdegeneration. Das passt nicht zusammen.
Der krasse Unterschied in der Diagnose, Arzt und BFW ist typisch. Traue dem BFW und nicht dem Arzt.
Deine Beschwerden hören sich so an, als ob Du zusätzlich zu den Sehschärfenproblemen noch ein binokulares (beidäugiges Problem hast.) Deine Verspannungen und Muskelschmerzen treten immer beim Lesen auf und verschwinden, wenn Du mal zur Untersuchung getropft bist. Wenn jemand mit gemindertem Visus liest, ist eine stärkere Akkomodation erforderlich als normalerweise, weil automatisch der Leseabstand verringert wird. Dabei wird auch ein höherer Konvergenzbedarf erforderlich. (Das nach innen stellen der Augen). Diese eigentlich ungewohnte Lesehaltung führt zu Muskelproblemen. Meine Empfehlung
Mindestens 2 verschiedene Lesebrillen
die erste für den PC, (bei 50 cm Abstand mindestens 1,5 dpt schwächer als die Ferne) und eine zweite für das normale Lesen, mit 2-2,5 dpt weniger als Ferne. Jedes Mittel, was das Sehen entspannt, ist sinnvoll. Augenärzte, die sich nicht mit Low Vision (Sehbehinderung) auskennen, lehnen solche Brillen meist ab.
Sollten Deine Beschwerden nicht besser werden, suche Dir einen Augenoptiker, der sich mit LowV ision und MKH auskennt. MKH ist eine Messmethode, die eine Winkelfehlsichtigkeit/Bildlagefehler (oft als verdecktes Schielen bezeichnet) misst. Bei schlechtem Allgemeinvisus eine zusätzliche Möglichkeit, die Sehschärfe und das Befinden zu verbessern.
Low Vision Optiker findest Du auf der Seite der WVAO www.wvao.com und MKH Optiker auf www.ivbv.org.


Viel Erfolg

Eberhard

Viele Grüße

Eberhard

Bild des Benutzers Gutgucker
Beigetreten: 13. September 2004 - 0:00

Hallo Fili,
wie schon in der ersten Antwort kann ich nur bestätigen, dass in deinem speziellen Problem mit Augen/Muskelschmerzen und schneller Ermüdung beim Lesen, bzw allen Naharbeiten zu rechnen ist, besonders wie von dir beschrieben am inneren Augen:wink:el und eventuell mittig auf der Stirn. Die bereits vorgeschlagenen Lesebrillen für verschiedene Entfernungen können zusätzlich mit entlastenden Prismen und gegebenfalls nötigen Filtergläsern kombiniert werden. Zudem solltest du bei einem entsprechend spezialisierten Optiker ( Low Vision Spezialist, Funktionaloptometrist )über verschiedene Beleuchtungsmöglichkeiten beraten lassen. Die Wahrscheinlichkeit einer zusätzlichen Winkelfehlsichtigkeit sollte auf jeden Fall getestet werden. Zusätzlich ist ein Besuch bei einem Funktionaloptometristen/Visualtrainer mit Zugang zum Low Vision, sehr zu empfehlen, da diese sich sowohl mit MKH-Messungen als auch mit funktionellen Augenproblemen auskennen und Problemlösungen anbieten können.
Viele Grüße
Gutgucker

Bild des Benutzers Ricardo
Beigetreten: 17. Dezember 2004 - 0:00

Hallo Fili!

Bei Deinen Problemen möchte ich Dir empfehlen, einen Augenarzt mit angeschlossener Sehschule zu konsultieren - obwohl das für mich nicht unbedingt nach einer Augenmuskelschwäche klingt - ist aber möglich.
Für viel wahrscheinlicher halte ich die Möglichkeit, daß Deine Kurzsichtigkeit in Wirklichkeit viel geringer ist.
Dafür spricht das bessere Gefühl nach den Augentropfen, die wahrscheinlich einen Akkomodationskrampf entspannt haben.
Dafür spricht auch die Tatsache, daß Du so starke Probleme bei Naharbeit hast.
Dafür spricht auch die Diskrepanz zwischen Deiner Sehschärfe in Düren und in Münster.

Bei Deiner Kurzsichtigkeit und Deinem Alter werden in der Regel noch keine Lesebrillen benötigt.
Du solltest darum bitten, daß bei Dir eine Untersuchung in Cycoplegie unternommen wird. Dazu tropft man spezielle Tropfen zur Entspannung des Auges (sind eigentlich für Kinder gedacht - aber bei Erwachsenen gibt es eben auch gelegentlich diesen unerwünschten Akkomodationskrampf) , dann ermittelt man die wahre , die objektive Refraktion.
Wenn Du gar keinen tauglichen Augenarzt findest, dann kannst Du immer noch den Weg gehen, zu dem der Moderator rät.
Dann läßt Du Dir eben eine Brille für die Nähe machen, die Du vielleicht nach rel. kurzer Zeit als so angenehm empfinden wirst, daß Du diese vielleicht sogar ständig trägst.

Meiner Meinung nach müßtest Du in Deinem Alter noch mit einer Brille für die Nähe auskommen, denn Du bist doch noch rel. jung und die Kurzsichtigen mit Deinen Werten können wesentlich besser akkomodieren als zB die Weitsichtigen.
Wenn Deine Augenärtzinnen sagen, sie dürften keine Lesebrille verordnen, dann ist das einfach Quatsch.
Es muß natürlich ein Versuch mit einer Nahkorrekrektur gemacht werden. Und wenn Du dann eine Entspannung empfindest, dann bekommst Du eben eine Brille incl. Nahzusatz.
(das widerspricht nicht dem oben geschriebenen bzgl. Alter und Kurzsichtigkeit, denn jeder Mensch muß ganz individuell gesehen werden)

Wenn Du Netzhautdegenerationen hast, dann mußt Du noch lange keine Gesichtsfeldausfälle haben. Mehr als 90% aller Nethautdegenerationen machen keine Gesichtsfeldausfälle.

Es wird schon einen weg für Dich geben!
Ricardo

Bild des Benutzers Eberhard Luckas
Beigetreten: 29. September 2002 - 0:00

Schade, daß Fili nicht mehr weiter berichtet hat.

Gruß
Eberhard

Viele Grüße

Eberhard

Bild des Benutzers Mistral
Beigetreten: 31. August 2004 - 0:00

Ja, das ist schade. Sehr interessant.

Ich hatte mir damals auch einen speziellen Monitor gekauft der auf die Darstellung von Schrift ausgerichtet war. Zeitweilig konnte ich die Akten nicht lesen und hatte natürlich auch drei Brillen. Nur drei Brillen, weil ich bei meinem Visus auf die volle Ausschöpfung der Ferne verzichtet habe. Natürlich mit Prismen. Das volle Programm.
Bis hin zu unterschiedlichen Indexzahlen der Gläser für jedes Auge, um die unterschiedliche Grössendarstellung der Augen anzugleichen. Es ist ja nicht so, als wäre uns nichts eingefallen.


Die Diskrepanz zwischen den Feststellungen in Düren und seiner Ärztin ist nach meiner Meinung das übliche Problem der unterschiedlichen Messwerte.

Ich denke mitunter an den Arzt, der seine Kollegen vergeblich darum gebeten hat sich nach der Untersuchung einer Patientin die Hände zu waschen. Weil sie nach seiner Meinung mit ihren ungewaschenen Händen das Kindbettfieber in der Klink verbreiten würden. Folgerichtig, wie es in der Literatur auch beschrieben wird, hat mir München mitgeteilt, das man dort keine Zeit hätte einen alternativen Gedankenansatz zur Kenntnis zu nehmen.
Um den reibungslosen Betriebsablauf nicht zu gefährden, absolut richtig.


Vielleicht kommt noch ein Beitrag von Fili.

Viele Grüsse

Mistral


Bild des Benutzers Romana
Beigetreten: 28. September 2006 - 0:14

F.Fili schrieb


Die Augenärztinnen glauben nach wie vor an 0,9 Sehschärfe, Lesebrille dürfen sie nur ab 40.-50. Lebensjahr verschreiben

Aber Lesebrillen entlasten doch die Augen im Nahbereich, und auch Kurzsichtigen wird mitunter empfohlen schwächere Gläser am PC oder beim Lesen zu tragen.

Ist es wahr, dass Augenärzte Lesebrillen erst ab dem fünften Lebensjahrzehnt verschreiben dürfen, und warum? Werden schädliche Nebenwirkungen befürchtet?

Wenn das stimmt, dann ist es ja kein Wunder, wenn sich Leute ihre Lesebrillen nach freier Wahl im Supermarkt kaufen Dirol

Bild des Benutzers Eberhard Luckas
Beigetreten: 29. September 2002 - 0:00

Hallo Romana,

Augenärzte dürfen verordnen, was notwendig ist. Die gesetzlichen Krankenkassen aber zahlen außer für Kinder nur noch für Sehbehinderte (

Viele Grüße

Eberhard