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Bild des Benutzers Biggi2807
Beigetreten: 27. November 2016 - 19:02
Prismenbrille Kind (etwas länger)

Hallo zusammen,

mein Sohn trägt jetzt seit 2 Tagen eine Prismenbrille, kann uns jemand aus ERfahrung sagen, wie lange es dauert, bis sich eine Reaktion zeigt?

Wir haben eine längere Leidensgeschichte hinter uns... Er war ein ganz "normaler" Junge (lt. KiArzt) gerne in Bewegung, aber ansonsten, wie Jungs eben sind. Mit 4 Jahren bekam er eine Brille - die letzte Orthoptische Diagnose: Hpyeropie RA, Agstigmatismus RA/LA Strabismus LA convergens... Refraktion  RA + 0,5,  sph -1,0,  174   LA + 2,5 , shp. - 1,0  14

/ Sorry, mehr kann ich nicht dazu sagen, ausser dass der Visus links durch Okklusion (3 Std. täglich) von 25 auf 50 % gesteigert (vom 4 Lebensjahr bis jetzt).

Probleme beim 3-D Sehen. Mir wurde auch gesagt, dass er Probleme beim beidäugigen Sehen hätte.

 

Dazu kamen aber ab der Einschulung noch weitere Probleme -

1. Klasse nach 5 Wochen, von der Lehrerin einbestellt - ADHS-Verdacht, Konzentrationsprobleme, Feinmotorik, Hyperaktivität, "hört nicht zu" usw.. 

2. Klasse nach 6 Wochen von der  Lehrerin einbestellt - Konzentrations- und Aufmerksamkeitsdefizit, feinmotorische Probleme, beim Basteln Stiftehaltung etc.

3. Klasse nach 8 wochen von der Lehrerin einbestellt - konzentrationsprobleme, Feinmotorik,Stiftehaltung, trifft die Zeilen nicht, "hört nicht zu" versteht (schriftliche) Aufgabenstellung nicht, mündlich  - super; evtl. "grenzwertiges" ADHS

wobei die angeblichen ADHS-Probleme nur in der Schule auftraten, so dass dies bei der Testung durch einen Kinderpsychiater ausgeschlossen wurde

in der 2. Klasse kamen dann (durch falsch eingestellte Brille) Tics dazu (heftiges Zukneifen, Blinzeln, Grimmasieren ), die bei Stress stärker wurden

Als ich unsere Orthoptistin darauf ansprach, ob die Probleme durch seinen Sehfehler kommen könnten, vor allem die Probleme mit schriftlichen Arbeiten, Zeile treffen usw. wurde dies verneint. Deshalb habe ich auf eigene Faust recherchiert und bin im Sommer auf die "Winkelfehlsichtigkeit" gestossen und viele Probleme bei unserem Sohn erkannt, die ich nie mit seinen Augen in Verbindung gebracht hätte... Reiseübelkeit (erst nach dem 4. LJ - nachträglich eigentlich erst nachdem er die Brille trug), "schusseligkeit"- verschütten, umstossen von Gläsern beim Essen, Anrempeln beim Roller fahren, Probleme beim Schuhe binden, immer wieder Nackenschmerzen durch Wirbelblockaden, die uns die Heilpraktikerin mit maueller Therapie  regelmässig beseitigt ...   (Ausserdem bin ich selbst Brillenträgerin, und erkenne auch viele meiner Probleme - mein nächster Schritt wird meine Testung auf Winkelfehlsichtigkeit sein.)

Jetzt waren wir bei einer  Funktionaloptometristin: diese hat die Winkelfehlsichtigkeit bestätigt mit folgenden Werten:

R  shp 0,00   cyl 1,00  A 90    Pr 2,00  B 180

L   shp 2,00  cyl 1,00 A 114     Pr 2,14   B 339

Die erste Reaktion meines Sohnes, als er die Brille bekam: "cool, jetzt ist alles so herangezoomt".

Hat irgendjemand Erfahrungen, bis wann sich erste Reaktionen auf die Brille (bezüglich der o.a. Probleme) zeigen sollten? Wir haben erst im Februar Augenarzttermin, ich fürchte mal er wird nicht beigeistert auf meine Eigenmächtigkeit reagieren.

Entschuldigung für den langen Text, aber seit ewigen Zeiten habe ich die Hoffnung dass sich endlich einmal etwas tut.

Viele Grüße

Biggi

 

Bild des Benutzers Eberhard Luckas
Beigetreten: 29. September 2002 - 0:00

Moin Biggi,

 

erstmal: lasse Dich nicht entmutigen, wenn der Arzttermin kommt. Bis dahin wird sich Dein Sohn verändert haben. Meist tritt eine Verbesserung der ganzen Situation nach ca. 2 Wochen ein. Es ist schon ein Erfolg, wenn er die Brille gerne trägt. Seine Aussage ist auch seh typisch.

Viele Grüße

Eberhard

Bild des Benutzers Seestern
Beigetreten: 2. Januar 2015 - 14:03

Hallo Biggi !

Wenn bei deinem Sohn schon ein Stabismus convergens diagnostiziert ist , ist ein Test auf Winkelfehlsichtigkeit einfach nur Blödsinn . Ein Strabismus ist ein Strabismus .... PUNKT . 

Liebe Grüße vom Seestern

Bild des Benutzers Eberhard Luckas
Beigetreten: 29. September 2002 - 0:00

Naja, wenn die Orthoptistin verneint, dass die Augen zu solchen Problemen führen..... Das ist ja leider gängige Praxis, dass Schielfehler oft zur Seite geschoben werden. Zum Glück gibt es ja ein paar Ausnahmen. Smile

Viele Grüße

Eberhard

Bild des Benutzers Biggi2807
Beigetreten: 27. November 2016 - 19:02

Hallo Seestern,

Meinst Du, der Test wäre Blödsinn, weil eh bekannt ist, dass das beidäugige Sehen gestört ist? Also doppelte Arbeit?

Ich wollte einfach klären, woher seine Probleme kommen, wie Eberhard schon schieb, da die Orthoptistin keinen Zusammenhang zwischen seinen schriftlichen Arbeiten und dem Sehfehler sah. Und nachdem er jetzt sowieso eine Sportbrille bekam, wollte ich diese optimal eingestellt haben. Er nutzt derzeit nur die Sportbrille, wir lassen jetzt auch in die "normale" noch Prismengläser einarbeiten. Ich hoffe ...

viele Grüße

Biggi.

Bild des Benutzers Biggi2807
Beigetreten: 27. November 2016 - 19:02

Vielen Dank Eberhard,

ja wir hoffen einfach. Schlimmer kann es im Moment eh kaum kommen.

 

Danke

Biggi

Bild des Benutzers Seestern
Beigetreten: 2. Januar 2015 - 14:03

Biggi , sieh mal : ein Strabismus, das ist ein Schielen, eine Winkelfehlsichtigkeit ist ein verstecktes Schielen ! 

Was soll ich also suchen , wennś schon  offensichtlich ist ?

Ja, dein Sohn hat ein  Problem mit dem beidäugigen Sehen. 

 Ist denn die Sehschärfe deines Sohnes mal objektiv unter Tropfen vom Augenarzt gemessen wurden ? 

Die Aussage der Orthoptistin spricht leider für mangelnde Qualifikation.

Liebe Grüße vom Seestern

Bild des Benutzers Olimla
Beigetreten: 1. September 2015 - 14:10

 Als ich unsere Orthoptistin darauf ansprach, ob die Probleme durch seinen Sehfehler kommen könnten, vor allem die Probleme mit schriftlichen Arbeiten, Zeile treffen usw. wurde dies verneint. 

Das ist ein gutes Beispiel dafür was man als Patient oder jemand mit einem Informationsdefizit gegenüber Behandlern machen kann um deren Qualifikation herauszufinden: Man stellt eine Frage oder im besten Fall mehrere, die logisches Denken erfordern und wenn man hierbei enttäuscht wird, sucht man sich am besten jemand anderes. 

Ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen, dass es hierbei natürlich einen Zusammenhang gibt. Wenn dein Gehirn oder das Gehirn deines Sohnes die ganze Zeit damit beschäftigt ist mehrere Seheindrücke zu verarbeiten, ist das Ressourcenverschwendung und somit bleiben weniger für die allgemeine Konzentrationsfähigkeit. Der Konzentrationsaufwand, den ich vor meine Prismenbrillen hatte um Text mit einer hohen Informationsdichte zu lesen, war deutlich höher als jetzt mit einer Prismenbrille. Man kommt dann schnell in eine Situation, die man vielleicht kennt, wenn man zu wenig gegessen hat und sich versucht zu konzentrieren. Man wird einfach sehr unruhig, was dann auch schnell mit ADHS gleichgesetzt wird. Man springt dann lieber von Gedanke zu Gedanke oder von externen Reiz zu externen Reiz, da eine Fokussierung sehr erschwert ist, da immer schon die zwei abweichende Seheindrücke bewältigt werden müssen, selbst wenn man sie in dem moment nicht als Doppelbilder wahrnimmt.

Mein Bewältigungsmechanismus zuvor war alles quer zu lesen, wenn der Inhalt relativ einfach zu erfassen war, aber Wort für Wort zu lesen empfand ich immer als sehr anstrengend.

Schreiben erfordert einen Feedbackkreislauf zwischen manuellem Arbeiten und Sehen. Wenn das Sehen gestört ist, ist eine akkurate Fehleranalyse des Schreibens natürlich behindert und es erfordert einen höheren Konzentrationsaufwand richtig zu schreiben, da die Fehleranalyse, die normalerweise relativ automatisch abläuft, bewusst durchgeführt werden muss. In der Folge ist es dann auch schwieriger inhaltlich gut zu arbeiten, da ein Teil der Konzentration immer für das Schreiben an sich aufgebracht werden muss.

Wir haben erst im Februar Augenarzttermin, ich fürchte mal er wird nicht beigeistert auf meine Eigenmächtigkeit reagieren.

Mach dir da mal keine Sorgen. Meiner Erfahrung nach dient das auch als Indikator für die Qualität eines Behandlers. Wenn er das Problem ernst nimmt, wird er auch deine Eigeninitiative verstehen. Es heißt natürlich nicht, dass sie demnach auch sinnvoll sein muss und zu radikal sein sollte, aber Erfahrungswerte hat sie auf jeden Fall produziert, die der Arzt vielleicht sogar für einen Behandlungsplan nutzen kann.

Hat irgendjemand Erfahrungen, bis wann sich erste Reaktionen auf die Brille (bezüglich der o.a. Probleme) zeigen sollten? Wir haben erst im Februar Augenarzttermin, ich fürchte mal er wird nicht beigeistert auf meine Eigenmächtigkeit reagieren

Als Erwachsener habe ich ungefähr 2 Wochen gebraucht, um mich auf eine neue Brille einzustellen. Dieser Referenzpunkt hat für euch aber sicherlich nur eine sehr limitierte Aussagekraft, da dein Sohn ein Kind ist und somit höchstwahrscheinlich eine deutlich höhere Neuroplastizität hat als ich. Es geht also wahrscheinlich schneller bis er sich daran gewöhnt, aber bis du als Externe potentiell positive oder negative Veränderung merkst hängt natürlich auch von dir ab. Dich aufzufordern es genau zu beobachten ergibt sicherlich wenig Sinn, da du das eh machst.

Ich z.B. empfand Vorlesen immer als sehr anstrengend, da hier Informationserhebung (Sehen), Informationsverarbeitung (Verarbeitung die Seheindrücke) und Informationswiedergabe (Sprechen) einen dreifachen parallellablaufenden Konzentrationsaufwand erfordert, vielleicht kann man hier schon relativ schnell Verbesserungen beobachten, wenn möglicherweise das erste Glied in der Kette durch die Brille verbessert ist.