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Bild des Benutzers Ratsuchende
Beigetreten: 1. Juni 2017 - 21:59
Prismafolie wird nicht akzeptiert

Hallo ihr,

ich habe bereits viel in diesem Forum gelesen und schildere kurz oder auch etwas länger meine vielen Fragen.

Meine Tochter hat mit 3,5 Jahren über Nacht angefangen zu schielen. Das rechte Auge schielt dauerhaft nach innen. Sie trägt seit einem halben Jahr eine Brille. Hier die Brillenwerte:

+4,00 -75 115

+4,50 -1,00 70

Das Schielen hat sich durch die Brille leicht verbessert. Es schwankt allerdings sehr.

Ihre Sehkraft war im Oktober als das Schielen begonnen hat auf beiden Augen bei 100%. Und hat dann logischerweise auf dem schielenden Auge (rechts) nachgelassen. Im März war das rechte Auge bei 60%. Nach 2 (!) Wochen abkleben (4 stunden am Tag) war es wieder bei 100%.

Die eine Klinik sagt eine OP wäre nicht sinnvoll, da der Schielwinkel auch mit Prisma da ist.

Die andere Klinik geht von einem normosensorischen Spätschielen aus und will im August operieren. Hat aber bereits gesagt, dass der Schielwinkel nach der OP nach aussen gehen könnte.

Seit 2 Wochen trägt sie nun eine Prismafolie (25) auf der linken Seite. Das Problem daran ist, dass sie diese absolut nicht akzeptiert. Sie schaut nicht durch. Sie hält ihren Kopf schief und schaut nur mit dem rechten Auge. Sie weigert sich. Sie sagt dass sie damit doppelt sieht. Kann das sein? Normalerweise sollte doch die Folie das beidäugige Sehen fördern. Simuliert die Folie tatsächlich das Ergebnis der OP?

Ich bin mittlerweile völlig durcheinander, weil jede Klinik eine andere Meinung hat und die Ärzte oft ratlos sind.

Bei Fieber und Müdigkeit ist der Schielwinkel beispielsweise kaum und teilweise gar nicht vorhanden (zumindest mit bloßem Auge nicht sichtbar) Eigentlich müsste es ja genau andersrum sein.

Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht?

Sollen wir sie jetzt mit 4 Jahren operieren lassen oder doch noch warten?

Achso das 3D Sehen ist auch mit Prismafolie nicht wiedergekommen.

Vielen Dank für Eure Antworten,

Liebe Grüße

Bild des Benutzers Eberhard Luckas
Beigetreten: 29. September 2002 - 0:00

Moin,

von jetzt auf gleich eine Folie mit 25cm/m ist schon ein Hammer. Warum hat man dem Kind keine langsame Eingewöhnung gegönnt? Um schnellstmöglich operieren zu können?

Ich glaube, dass 1. die Brille von den Stärken her noch etwas zu schwach ist, weswegen der Schielwinkel so schwankt und 2. , dass Ihr in einer anderen Klinik eventuell besser dran seit.

Viele Grüße

Eberhard

Bild des Benutzers Ratsuchende
Beigetreten: 1. Juni 2017 - 21:59

Vielen Dank für die Antwort. Die Prismafolie wurde heute wieder entfernt. Die Ärztin sagt es bringt nichts da sis diese nicht akzeptiert. Und dass das wohl daran liegt dass sie durch die Folie so unscharf sieht aufgrund der Stärke. Von einer langsamen Steigerung war nie die Rede.

Wir sollen jetzt wieder abkleben und zwar im Wechsel, weil beide Augen gleichstark sind.

Die Brillenwerte habe ich von 5 unterschiedlichen Ärzten und Optikern ausmessen lassen und alle kamen zu dem Ergebnis dass die Werte stimmen.

Vor der Operation soll ihr Auge 24 Stunden abgeklebt werden und der Schielwinkel der dann gemessen wird, wird operiert. Meine Sorge ist einfach, dass der Winkel so enorm schwankt. Es müssten wohl auch beide Augen operiert werden weil der Winkel für ein Auge zu groß ist.

Ich bin verunsichert weil die Behandlung mit der Prismafolie jetzt abgebrochen wurde und ich immer wieder lese wie wichtig der Prismaaufbau vor der Operation ist.

Sowohl in Stuttgart als auch in Freiburg war von Prismen keine Rede.

Sollen wir mit der Operation noch warten? Und kann sie überhaupt erfolgreich sein ohne vorherigen Prismaaufbau? Ich war mit meiner Tochter in den letzten Monaten bei so vielen verschiedenen Ärzten und jeder sagt sie wär ein Phänomen weil sie auf Tests anders reagiert als typisch ist. Nach dem Abkleben ist der Schielwinkel beispielsweise kleiner genau wie bei Krankheit und Müdigkeit. Dies kann sich kein Arzt erklären.

Was raten Sie uns? Im August operieren oder abwarten? Prismen langsam steigern? Nur wieso hat die Ärztin davon nichts gesagt?

liebe Grüße

Bild des Benutzers Hesch
Beigetreten: 9. Dezember 2010 - 21:49

Hallo Ratsuchende,

so würde ich diese OP im August nicht machen lassen. Auch wenn der Operateur brillant wäre, so ist die OP Vorbereitung und Stabilisierung des Winkels vorher das A und O. Ich habe meine Tochter zweimal operieren lassen und viele Kinder in den letzten Jahren dabei mit Rat begleitet und kann dir aus Erfahrung empfehlen: lieber Zeit verstreichen lassen und sie nutzen um weitere Ärzte abzuklappern, als so wie oben von dir dargestellt operieren lassen. 

Es kann einige Gründe dafür geben, dass sie die Folie nicht annimmt. Das Simpelste ist dass die Prismenstärke nicht stimmt (falsch ausgemessen wurde). Vielleicht stimmt dazu die Stärke der Brille nicht. Manche Kinder reagieren sehr empfindsam auf sehr kleine Fehler hierbei, andere "fressen" alles. Es ist alles sehr individuell. Meine Tochter hat damals anfangs auch mit ihrer Prismenfolie gehadert und erst nach einer Pause akzeptiert (es waren 40 Prismen!). 

Es sind doch einige Hinweise darauf, dass die Folie doch nicht stimmt (Kopf schief halten, Doppeltsehen). Ist die Folie richtig angebracht ? (sorry, wir haben schon alles erlebt, Optiker machen auch oft Fehler, davon kann ich ein Lied singen). Beim Kopfschiefhalten fällt mir ein, dass sie eventuell ein Höhenschielen hat, dass mitkorrigiert werden sollte, zu typisch ist die Kopfhaltung. 

Nicht aufgeben, weiter forschen.

Vielleicht könnten wir mehr Hinweise geben, wenn du einen Befund hier kopierst.

LG Hesch

PS meine Tochter und auch viele andere Kinder, die mit richtiger Vorbereitung operiert worden sind, haben alle (ohne Ausnahme) super Ergebnisse nach der OP gezeigt. Es ist unglaublich aber wahr und hierfür lohnt es sich anzustrengen.

 

Bild des Benutzers Eberhard Luckas
Beigetreten: 29. September 2002 - 0:00

Moin,

dem kann ich nur voll und ganz zustimmen.

Viele Grüße

Eberhard

Bild des Benutzers Ratsuchende
Beigetreten: 1. Juni 2017 - 21:59

Vielen Dank für die Antworten.

Das was du schreibst Hesch bestätigt meine Meinung. Ich bin momentan auch gegen diese OP im August. Ich wundere mich einfach wieso beide Kliniken keinerlei Anzeichen für eine OP Vorbereitung machen. Es wurde nie ein Wort über einen Prismaaufbau oder ähnliches verloren. Was mich zu der Frage bringt: Welcher Arzt macht sowas und versteht was davon? Welche Klinik operiert mit dieser Vorbereitung?

Wo hast du deine Tochter operieren lassen Hesch? Kannst du mir eine Klinik/ einen Arzt empfehlen? Von Freiburg liest man hier in dem Forum ja auch abenteuerliche Geschichten und sie würden meine Tochter ja auch einfach ohne Vorbereitung operieren.

Wurde bei deiner Tochter sofort mit den 40 Prismen gestartet oder langsam aufgebaut?

Von einem Höhenschielen war bisher nie die Rede. Was ja aber nichts zu heissen hat... Sie hält den Kopf wirklich nur schief wenn sie diese Folie drauf hat. Ansonsten nie! Auch nicht wenn ein Auge abgeklebt ist.

Ich werde morgen nochmal einen Termin machen um abzuklären ob die Folie richtig drauf ist. Bei der Brillenstärke bin ich mir eigentlich sicher dass sie stimmt. Sie wurde dazu mit Atropin getropft und die Stärke wurde von mehreren Ärzten/Optikern unabhängig voneinander bestätigt.

Einen Befund aus der Klinik lad ich noch hoch.

liebe Grüße

Bild des Benutzers Ratsuchende
Beigetreten: 1. Juni 2017 - 21:59

Hier der Befund von März

 

Bild des Benutzers Hesch
Beigetreten: 9. Dezember 2010 - 21:49

Hallo Ratsuchende,

Aus dem Befund kann ich folgendes sehen:

1) Es gibt eine Diskrepanz im Visus (Sehvermögen) zwischen Ferne und Nähe. Und zwar deutlich!

 Ferne 1,0 Nähe 0,4: Die Brille ist mit Abstand unterkorrigiert !  Auch wenn mit Atropin getropft worden ist, empfiehlt sich eine Überprüfung der Refraktionswerte durch eine erneute Atropinskiaskopie in guten Händen (über 3 Tage getropft). Manchmal kommen die tatsächlichen Werte erst durch wiederholtes Tropfen zu Tage. 

Auch der etwas größere Schielwinkel in der Nähe als in der Ferne weist auf eine unterkorrigierte Weitsichtigkeit hin.

Ich verstehe immer noch nicht warum Ärzte (und Augenkliniken) ihre eigenen Ergebnisse nicht richtig interpretieren können. Ging uns und vielen andren hier genauso. 

2)Der Schielwinkel ist mit Sicherheit falsch gemessen. Wenn über 40 Prismendioptrien beim Prismenadaptationstest vorhanden sind, kann der Winkel nicht 11° sein. 

So gesehen akzeptiert sie die Prismenfolie nicht, weil sie unterkorrigiert ist. Sobald durch den kleinen Betrag ihre Augen entspannt werden, gibt sie komplett die Kompensation auf und das ist aber nicht ausreichend weil sie deutlich über 40 Prismen steht und das ganze endet in Doppelbildern. 

Meiner Tochter ging es damals mit etwas über 3 Jahren genauso. Auch sie hatte einen Riesenwinkel und musste mit einer 40er Folie starten und im Anschluss 2x operiert werden, weil der Gesamtwinkel einfach zu gross war. 

 

LG Hesch