Hallo Forum!
ACHTUNG! Verspätet wurden auch die "unten" gestellten Fragen beantwortet, BITTE LESEN! (PGM)
Ich bitte um Feedback da ich (wir) gerade mit der Situation leicht überfordert sind!
Es geht um meine ältere Tochter (wird in 6 Wochen 14). Sie hatte als Kind nie Sehprobleme (auch bei Untersuchungen unauffällig). Auch in den letzten Jahren konnte sie anscheinend problemlos sehen.
Anscheinend ist seit März 2024 dann zeitweise aufgefallen dass sie manchmal mit dem linken Auge nach innen schielt. Mir ist es leider noch später aufgefallen da ich (geschieden) sie nur jedes 2. Wochenende bei mir habe. Richtig auffällig ist es seit ca. 6 Wochen, ihr linkes Auge schielt jetzt ziemlich stark und ständig nach innen!
Auf meinen Hinweis sie sollte so schnell wie möglich zum Augenarzt hat ihre Mutter zumindest schnell mal einen Sehtest bei Apollo machen lassen und dort hat man ihr gesagt das rechte Auge hätte 0,5 Dioptrien aber links könnten sie kein eindeutiges Ergebnis messen, sie müssen zum Augenarzt!
Termin bekommt man auch nicht so schnell aber letzten Freitag war ich mit ihr nun endlich zur Untersuchung bei einer Praxis die auf Schielen spezialisiert ist und eine Sehschule hat. Ist mir von 2 Seiten empfohlen worden und scheint auch einen sehr guten Ruf zu haben. Sinngemäß und kurz gesagt: Die Ärztin war entsetzt und hat gesagt wir hätten vor Jahren schon kommen sollen!
Es wurde sich sehr viel Zeit genommen und sehr gründlich untersucht, Ergebnis:
Ihre Augen seien an sich gesund aber sie hat eine starke Amblyopie entwickelt! Die 0,5 Dioptrien rechts haben sich bestätigt, anscheinend hat sie noch eine leichte Hornhautverkrümmung, aber sie konnte anscheinend mit dem rechten Auge problemlos sehen.
Jetzt aber das Problem!
Ihr linkes Auge ist sehr schwachsichtig und wurde anscheinend seit langer Zeit schon vom Gehirn „ausgeblendet“ und dadurch scheint auch das Schielen zu kommen.
Die genauen Messungen hat dann die OrthoptistIn durchgeführt und hat etwas von unter 10%(!!) Sehvermögen ohne Korrektur gesagt! Ich muss dieser jungen Dame auch ein Kompliment aussprechen, sie hat sich viel Zeit genommen und auch Daniela genau erklärt was das Problem ist.
Sie sagte uns dass Daniela eigentlich schon zu alt wäre um das zu behandeln aber da sie dann mit der Testbrille und best möglicher Korrektur doch noch 30% geschafft hat und mit extra Unterstützung für die Nähe zumindest große Schrift lesen konnte meinte sie es gibt eine gewisse Chance das Auge doch zu „retten“!
Auch eine eventuelle Schiel-OP wäre nur nachhaltig wenn ausreichend Sehleistung vorhanden ist!
Wenn sie Pech hat muss sie allerdings mit dem Status Quo leben bzw. würde die Sehkraft auf dem Auge über die Zeit ganz verlieren! Nach Absprache mit der Ärztin soll sie nun eine Brille bekommen die das linke Auge stärken soll.
Sie soll Bifokal-Gläser bekommen um sie beim Lesen zu unterstützen und auf die rechte Seite eine trübe Folie damit das linke Auge zum Arbeiten gezwungen ist! Sie hat Daniela auch klar gemacht dass es ein hartes Stück Arbeit wird und es am Anfang keine Freude machen wird aber nur wenn sie die Brille konsequent trägt kann es noch was werden mit ihrem rechten Auge!
Die Werte auf dem Rezept sind:
R: + 0,50 = -0,50 96° ADD +2,50 (mit Okklusionsfolie 0.1 auf das rechte Brillenglas)
L: + 3,75 ADD +2,50
Bei der nächsten Kontrolle in 4 Wochen wird man dann weiter sehen. Unter 4 Augen hat sie mir dann erklärt wie das weitere Vorgehen ist sofern ihr Auge noch auf die Behandlung anspricht.
Daniela soll ab Ferienbeginn ein Augenpflaster auf dem rechten Auge tragen weil das viel effizienter wäre als die trübe Folie die sie jetzt mal auf der Brille haben wird! Das möchte sie ihr aber erst beim nächsten Termin „beibringen“!
Und sie wird jetzt mal alle 4 Wochen zur Sehschule zur Kontrolle bestellt.
Dann wollte sie noch etwas machen um ihr den Einstieg mit ihrer Brille zu erleichtern; wir sollten gleich zum Optiker die Brille bestellen und von dort noch eine Fertiglesebrille mit +3,50 Dioptrien mitbringen und nochmal in die Ordination kommen. Mit der Brille kann Daniela mit dem linken Auge für den Alltag gerade genug sehen, das rechte Glas hat sie ihr undurchsichtig zugeklebt! Die soll sie einstweilen nach Schule/ Schulaufgaben in der Freizeit als „Übungsbrille“ möglichst immer tragen bis sie ihre richtige Brille fertig ist.
Die Begeisterung bei meiner Tochter hielt sich in Grenzen aber sie hat ihr erklärt dass sie so schon dem Auge hilft und sich dann deutlich leichter an ihre richtige Brille gewöhnen wird!
Was denkt ihr dazu? Diese Fragen sind sehr gut, leider bin ich bislang nie direkt darauf eingegangen. Heute am 31.08.2024 kam an mich ein Link mit Antworten "aus medizinischer Sicht" zu diesen Fragen, die ich sehr gerne übernehme und hier einpflege. (PGM)
01) Haben wir überhaupt Chancen ihr Auge noch zu „retten“?
1. Frage. Man versucht die Sehschärfe auf dem sehschwachen Auge zu steigern. Ob das in dem Alter noch gelingt, weiß man nicht genau. Aber versuchen sollte man das.
(Auge retten? Komische Bemerkung).
02) Schiel-OP nur bei ausreichend Sehleistung erfolgreich?
2. Frage. Eine Schiel-OP dient nur der Reduzierung des Schielwinkels, nicht als Behandlung der Sehschwäche. Wenn die Sehleistung auf einem Auge nicht ausreichend ist, dann gibt es kein Binokularsehen. Ohne einen Binokularstatus, ist die OP nur rein kosmetisch und das Ergebnis auf Dauer nicht stabil.
03) Heißt das, dass ihr Auge für immer schielen wird, wenn sie nicht mehr auf die Behandlung anspricht?
3. Frage. Ja!
04) Die Bifokal Gläser sind anscheinend notwendig, da sie sonst nicht in der Nähe lesen kann?
4. Nein. Die Bifo-Gläser erleichtern dem sehschwachen Auge, während der Amblyopiebehandlung, das Nahsehen durch eine Netzhautbildvergrößerung.
05) Die trübe Folie auf dem rechten Glas macht das Auge schwächer, damit sie das Linke verwenden muss, richtig?
5. Frage. Ja!
06) Ähnlich wie mit der beigen Folie jetzt auf ihrer „Übungsbrille“?
6. Frage. Ja!
07) Wie kann man sich das vom Aussehen her vorstellen?
7. Frage. Bei einer solchen Behandlung ist das Aussehen nicht von höchster Priorität. (Wie kann man sich das vorstellen. Ein Sehen, dass dem normalen Anspruch im Alltag möglichst ideal entspricht, ist mit die wesentlichste Voraussetzung für eine freie und optimale Lebensbewältigung bis ins Alter hinein. Es gibt fast nichts wichtigeres in unserer visuell geprägten Umwelt. Ich verstehe die Angehörigen hier überhaupt nicht. Hat man der Mutter den Ernst der Lage nicht erklärt?)
08) Daniela hat Angst dass es auch „peinlich“ aussehen wird?
8. Anmerkung. Angst vor Peinlichkeit? Was soll das denn jetzt! Der Zug ist fast abgefahren. Soll dem Kind geholfen werden oder nicht?
09) Alle 4 Wochen Kontrolle sinnvoll?
9. Alle vier Wochen Kontrolle ist nur am Anfang. Der spätere Rhythmus reguliert sich weiter auseinander. Hier entscheidet der Therapeut je nach Fortschritt.
10) Und das Augenpflaster was natürlich im Raum steht?
10. Das Augenpflaster ist in diesem Fall das beste und sinnvollste!
11) Meine Schwester hatte in der Kindheit jahrelang das „Vergnügen“ und das war nicht so toll für sie.
11. Klar ist so eine Behandlung nicht „toll“ aber notwendig. Wenn die Tante das hatte, ist es genetisch!
12) Für eine 14 Jährige wäre das natürlich das worst-case Szenario!
12. Worst-Case-Szenario? Entweder man geht es an, dann kann es sich bessern, oder man lässt es, dann ändert sich nie mehr was daran. Die Zeit läuft davon!
Viele Berufe sind dann später wegen des Schielens und schlechten Sehens nicht möglich. Vielleicht hilft das ja als Motivation, die mir hier noch zu fehlen scheint.
13) Gibt es dazu keine Alternative?
13. Nein. Es gibt nichts besseres!
14) Vielleicht hat man da schon etwas besseres erfunden?
14. Es gibt keine Alternative. Entweder man macht es, oder man macht es, aus Unwillen, eben nicht!
15) Was haltet ihr von der Übungsbrille?
15. Übungsbrille? Was soll das denn?
16) Es hieß, je früher man das Auge wieder zum Sehen bringt, umso besser!
16. Richtig!
Allerdings sollte sie ja in nicht mal 2 Wochen die richtige Brille bekommen!
Vielen Dank schon mal für euer Feedback!
