Liebe fleißige Forum-Schreiber,
seit einiger Zeit recherchiere ich ab u. zu in diesem Forum u. suche nun euren konkreten Rat in dem speziellen Fall unseres 7-jährigen Kindes. Unsere Fragestellungen dabei sind:
- Sollte unser Kind eine Prismenbrille tragen?
- Braucht es zudem Gleitsicht?
- Kann die Prismenbrille die Kopfneigungszwangshaltung verbessern?
- Ist es möglich, dass sich die Kopfhaltung erst nach einiger Zeit verändert?
- Kann die Prismenbrille auch "schaden"? (echter Schieler/Restschielwinkel/Mikrostrabismus, evtl. anormale Netzhautkorrespondenz)
- Ist eine OP gegen das Höhenschielen möglich? Kann diese die Kopfneigung verbessern?
- Könnte die Kopfneigung nach links durch den Strabismus sursoadductorius des rechten Auges verursacht sein? (Kopfneigung bei Blick monokular links nicht vorhanden)
Anbei die Eckdaten:
- Frühkindl. Schielsyndrom diagnostiziert mit 3 Monaten, Augenklinik Gießen
- 1. Brille mit 6 Monaten, jahrelange Abklebebehandlung/Okklusionstherapie
- Vollbild der Symptome des Frühkindl. Schielsyndroms:
* Hyperopie
* Esotropie
* Astigmatismus
* rechtes Auge: Strabismus sursoadductorius
* beide Augen: Dissoziiertes Höhenschielen (DVD), laut Gießen ist das Höhenschielen vorrangig eine DVD (weniger Surso)
* Nystagmus vom Latenstyp
* präoperativ: Kopfzwangshaltung mit Kopfdrehung, Kopfkippung u. Kopfneigung
* postoperativ: Kopfneigungszwangshaltung nach links (ca. 10-15°) bei beidseits geöffneten Augen (monokular linkes Auge: keine Kopfneigung vorhanden)
- Schiel-OP mit 5,5 J. (vor 1,5 J.) Augenklinik Gießen: Musculus rectus medialis-Rücklagerung u. Myopexie (beidseits)
- Höhenschielen wurde bewusst (noch) nicht korrigiert
Siehe hierzu die beigefügten Befunde (kurz vor u. nach der OP sowie 6 Monate nach der OP)
Ein versierter MKH-Optiker hat vor 2,5 Monaten eine Prismen-Gleitsicht-Brille angefertigt, mit dem Ziel die Kopfseitneigung zu korrigieren. Mit dieser ist die Kopfneigung jedoch noch nicht besser geworden. Allerdings ist der Visus bei eng aneinandergereihten C-Ringen damit deutlich besser (RA 100%, LA 60%, mit alter Brille ohne Prismen nur RA 60%,LA 30-50%) u. der "Pfostentest" ist im Vergleich mit den beiden Brillen bei der Prismen-Gleitsicht-Brille deutlich besser. Unser Kind bevorzugt die Prismenbrille außerdem gegenüber der alten Brille, wo es "Nebel" sehe.
Der Optiker fertigte eine Gleitsichtbrille, da er beim Heranführen eines Stifts zur Nase eine Konvergenzschwäche u. beim Nah-Visus-Test (Leseprobe) nur einen Visus von 50% feststellte. Er schloss daher auf eine Akkomodationsschwäche, weshalb Gleitsicht nötig wäre. Er stellte zudem eine anormale Netzhautkorrespondenz fest u. einen Drehnystagmus in beide Richtungen (Iris dreht sich nach links u. rechts). Bei den MKH-Tests usw. war hin u. wieder Simultansehen vorhanden. Dies schwankt aber offenbar sehr.
Die Werte der Brille sende ich ebenfalls im Anhang.
Letzte Woche waren wir bei einem MKH-Augenarzt, der die Werte der Prismenbrille nicht als korrekt einordnet, da die Kopfhaltung sich damit nicht verbessert hat. Er konnte aber aufgrund der stark schwankenden Schielwinkel u. Angaben unseres Kindes keine eindeutigen Werte ermitteln. Auch eine OP gegen das Höhenschielen käme daher aktuell nicht in Frage. Bei ihm war der Schober-Test mit der Prismenbrille in Ferne u. Nähe zeitweise positiv. Wing-Test u. Lang I und II-Test waren negativ.
Zu der aktuellen Brille haben wir also nun wieder mehrere Meinungen u. suchen daher nach weiteren Ratschlägen, um einer optimalen Versorgung näher zu kommen.
Unser Kind ist letztes Jahr eingeschult worden. Die Schrift ist mit alter u. neuer Brille gut. Die Lesefähigkeit ist aktuell noch nicht zu beurteilen, da das Lesen gerade erst gelernt wird. Es sind aber Defizite in der Konzentration, dem Ausmalen, Ausschneiden, korrekten Falten von Papier, insgesamt der Grob- u. Feinmotorik vorhanden, zur Zeit manifestiert sich mehr u. mehr ein Stottern.
Wir danken euch bereits im Voraus für jeden Hinweis, denn alles kann uns einen Schritt weiter bringen.
Herzliche Grüße
Christina
