Hallo,
gelesen hab ich hier bereits oft und viel. So haben sich mir viele Begrifflichkeiten erschlossen und viele Fragen wurden durch das Lesen bereits beantwortet.
Ich bin 39 Jahre jung und trage seit knapp 2 Wochen eine Prismenbrille.
Zur Vorgeschichte:
Schon als Kind im Alter von 6 Jahren wurde mir eine Brille mit -0,5 Dioptrin beidseitig verordnet. Die Hornhautkrümmung ist wohl für die Sehschwäche (die ja eigentlich noch gering ist) verantwortlich. Getragen hab ich die Brille eher selten da ich das damals gar nicht cool fand.
So vergingen die Jahre... Seit dem ca. 30. Lebensjahr wurde mir immer bewusster, dass ich in die Ferne doch nicht so gut sehe, hatte aber keinerlei Probleme.
Vor 5 Jahren dann kam alles auf einmal. Es fing mit mörderischen Kieferschmerzen beim Kauen los, die aber nach 2-3 Tagen wieder nachliesen. Aber irgendwie machten von nun an die Augen Probleme. Aufgefallen ist mir das während der Heimfahrt (450 km). Ganz unvermittelt wurde mir schwindelig, so dass ich anhalten musste. Die Fahrt nach Hause setzte ich dann im Kriechgang (max. 80 km/h) fort, selbst dies war eine Tortour.
Tagelang war mir ständig schwindelig bzw. mulmig. Irgendwann ließen die starken Schwindelbeschwerden nach und traten nur noch bei schnelleren Bewegungen Auto, Rad, Bahn oder auch nur gehen (schwankender Gang -aber nur gefühlt-) auf. Dafür setzten sich Nackenverspannungen, Kiefermuskulaturschmerzen, Rückenschmerzen regelrecht fest.
Ich war natürlich bei allen möglichen Ärzten. (HNO - wegen Gleichgewicht, Oprthopäde, Allgemeinarzt, Zahnarzt, Neurologe etc.) Es wurde rundum alles von der Frenzlbrille bis zum MRT untersucht. Es gab immer den selben Befund, nämlich keinen. Ausnhame: Zahnarzt (ganzheitlich) Hier wurde die Diagnose CMD (Craniomandibuläre Disfunction) gestellt. Also ausmessen und Myozentrikschiene. Damit konnten die Schmerzen im Kieferbereich gemildert werden und die Bisslage (nach links verschoben) mittig stabilisiert werden. Nacken- und Rückenverspannungen und auch die Sehprobleme blieben als markanteste Beschwerden.
Beim Augenarzt erhielt ich eine normale Brille, später stellte ich auf Kontaktlinsen um.
Das Sehen: Es lässt sich schwer beschreiben. Gefühlt kommen die Augen bei Bewegungen nicht richtig hinterher und ich empfinde es so, als ob nur ein Auge (links) richtig aktiv sieht.
Beim Autofahren fiel mir auf:
- schlechte Wahrnehmung der seitlichen Abstände (die kamen mir immer zu nah)
- bei höheren Geschwindigkeiten wachsende Unsicherheit bis hin zu flau im Magen und totaler Verkrampfung -->tagesformabhängig selten mal etwas besser
- eine Art Tunnelblick oder Blick ins Leere
- teilweise (bei Müdigkeit) überlagerte Fahrbahnmarkierungen, wobei die obere leicht transparent wirkt
Im Büro:
- Probleme den text auf dem Bildschirm zu halten
- schnelles Auftreten von Ermüdungserscheinungen
- immer Nackenverspannungen
- Zähnepressen bei Konzentration
Sport:
- beim Radfahren gelegentlich schwindel (aber ganz schwach)
- Äste werden oft übersehen (das kratzt manchmal extrem im Gesicht)
- beim Volleyball: hier klappt alles (Bälle werden nicht verfehlt)
Vor kurzem war ich nun beim Optiker und ließ mich einfach mal auf WF untersuchen. Die genauen Werte hab ich jetzt nicht parat, liefere ich nach. Es wurde jedenfalls eine WF gemessen 0,5cm/Meter... und schlechtes räumliches Sehen...
Also ließ ich mir eine Prismenbrille anfertigen, die ich nun konsequent seit knapp 2 Wochen trage.
Spürbare Veränderungen:
- räumlich sehe ich viel besser
- die Ermüdungserscheinungen sind deutlich weniger, die Augen fühlen sich entspannter
- deutlich besseres Sehen in die Ferne
- Nackenverspannungen sind noch da, vielleicht etwas geringer geworden
- Lesen am Bildschirm klappt besser
- Kiefermuskulatur spürbar entkrampft (vorher mit manueller Therapie nur kurzzeitige Besserung)
Beim Autofahren tritt die Unsicherheit bis hin zu Schwindel aber nach wie vor auf. Ich denke, dass dies vorrangig auf die Verspannungen (Gesicht, Nacken, Schulter links, Rücken) zurückzuführen ist.
Sehe ich in die Ferne und anschließend auf ein nahes Objekt (vor allem bei zugehaltenem linken Auge), spüre ich im rechten Auge ein leichtes Zittern (das Bild zittert ganz minimal nach links und rechts )
Frage:
- Deutet insbesondere der letzte Satz schon jetzt auf eine nötige Anpassung der Prismen hin? ODER
- Könnte hier auch noch eine andere Sache vorliegen (die Augen betreffend)? Hab hier viel von Mikrostrabismus gelesen....
- Gibt es bezüglich der Verspannungen Erfahrungswerte, wann diese bei erfolgreicher Korrektion nachlassen?
Ich freue mich auf fachkundige Meinungen, zumal meine Augenärztin in Sachen WF nicht mit sich reden lassen will.

