Hallo,
dein Problem kann ich gut verstehen, ich habe das umgekehrte Problem. Meine Werte sind -10 und -12 Dioptrien und normalerweise trage ich eine Brille. Sporadisch benutze ich Kontaktlinsen, und werde dann immer davon erschlagen, dass alles ungewohnt gross und nah erscheint.
Psychologisch besonders "anspruchsvoll" sind Gesichter, die mir dann immer besonders groß und fast unangenehm nahe erscheinen. Bei dir könnte ich mir vorstellen, dass es genau umgekehrt ist, alles weit weg erscheint und man sich fast etwas isoliert fühlt. Den Effekt kannst du m.E. nur gering abmildern, indem du eine Fassung wählst bei der die Gläser möglichst nahe an den Augen sitzen (die Kontaktlinsen sind ja nur der Extremfall, bei dem die "Gläser" direkt auf dem Auge "kleben"). Je näher die Gläser an den Augen sitzen, desto geringere Dioptrienwerte brauchst du allerdings, was du auch daran sehen kannst, dass deine Kontaktlinsen geringere Werte als deine Brillengläser haben sollten.
Der Seheindruck mit starker Brille hat auch Vorteile, es ist als ob man ein Weitwinkelobjektiv vorgeschaltet hat. Alles ist verkleinert, aber man sieht dafür auch einen größeren Winkelbereich scharf, z.B kannst du beim Autofahren besser Rückspiegel und Fahrbahn gleichzeitig beobachten, oder den Gesichtsausdruck von Personen, die sich um dich herum befinden gleichzeitig erkennen. Auch ist die Schärfentiefe größer, d.h. man kann den Gesichtsausdruck von Personen, die unterschiedlich weit entfernt sind, gleichzeitig erkennen. Beim Autofahren sind Instrumente(nah) und Fahrbahn (fern) gleichzeitig scharf.
Mir hilft immer nur, mich nicht gegen den geänderten Seheindruck zu wehren, sondern zu versuchen den Eindruck so zu nehmen wie er ist. Das menschliche Sehvermögen ist in der Evolution unter Umständen enstanden, die heute so gar nicht mehr gegeben oder wichtig sind. Welcher Weitwinkel oder Zoom beim Sehen optimal ist, lässt sich also sowieso nicht objektiv festlegen. Man kann also auch nicht einfach sagen, dass der Bildwinkel ohne Brille "der Beste" ist. Persönlich gibt es immer nur den gewohnten Bildwinkel, und wenn der sich ändert, fühlt man sich halt erst einmal unwohl, bis man sich an den neuen Bildwinkel gewöhnt hat.