Hallo Eberhard,
zum Thema Winkelfehlsichtigkeit habe ich schon einiges recherchiert. Aber richtig weitergeholfen hat es mir nicht.
Als Händigkeitsberaterin teste ich Kinder und Erwachsene bezüglich ihrer Händigkeit. Es gibt auch heute noch viele linkshändige Kinder, die rechtshändig schreiben, weil sie sich als Kleinkinder den Rechtshandgebrauch ihrer Umgebung abgeschaut haben. Man nennt das Selbstumschulung, meist wissen diese Kinder nicht um ihre tatsächliche Händigkeit, jedoch haben viele in Folge dieser Umschulung mit unterschiedlichen Problemen zu kämpfen.
Die Äugigkeit wir vom sensorischen Cortex gesteuert, während die Händigkeit vom motorischen Cortex gesteuert wird. Also Händigkeit und Äugigkeit sind nicht immer identisch. Die meisten Menschen sind wohl rechtsäugig. Für Linkshändern kenne ich folgende Zahlen: 70 % sind rechtsäugig und 30 % sind linksäugig.
Während solch einer Händigkeitstestung überprüfe ich trotzdem die Äugigkeit, weil dies die Testung gerade für Kinder auflockert. Dadurch sind mir schon einige wenige Kinder aufgefallen, die nicht wussten mit welchen Auge sie durch ein Kaleidoskop oder Fliegenauge schauen sollten. Entweder hielten sie es so, dass sie mit beiden Augen schauen konnten, oder aber sie konnten gar nichts erkennen.
Es gibt ein Spielzeug, das sicherlich alle kennen, weil es gefühlte 100 Jahre alt ist. Es ist ein kleine Plastik Fernseher, ca. 5x5 cm groß und am Boden ist eine kleine Taste.
Schaut man durch das Loch in den Fernseher (geht nur mit einem Auge) sieht man ein Bild z.B. aus einem Märchen. Drückt man nun auf die Taste, erscheint ein neues Bild.
Mit diesem Spielzeug kann man feststellen, ob ein Kind mit einem Auge fokussieren kann.
Ich habe vor einigen Jahren bei einem linkshändigen 4 jährigem Mädchen während der Testung festgestellt, dass sie durch eben diesen Fernseher nicht schauen konnte, auch beim Kaleidoskop wusste sie nicht, mit welchen Auge sie schauen sollte. Ich machte die Mutter darauf aufmerksam und riet ihr zu einer augenärztlichen Untersuchung. Das hat sie auch gemacht und mir rückgemeldet: „Alles wäre o.k.“
3 Jahre später - das Mädchen ist nun in der 2. Klasse - hat mich die Mutter erneut angerufen und gefragt, ob die Schwierigkeiten ihrer Tochter beim Lesenlernen etwas mit ihrer Linkshändigkeit zu tun haben. Meine Vermutung hierzu ist die Ursache in der fehlenden Augendominanz zu suchen, aber es scheint sich niemand damit auszukennen.
Sorry für den langen Text, aber nun ist vielleicht klar, was ich gerne wissen möchte.
Danke und herzliche Grüße aus Kappeln an der Schlei
Judith Bremer
Dipl.Päd. & Händigkeitsberatung