Schließlich ist das Auge ein lebendes Organ, und wer sagt eigentlich, dass da bei jeder Messung, sofern sie optimal durchgeführt wurde, dasselbe herauskommen muss?
Wenn bei jeder Messung dasselbe rauskäme, würde ich sogar eher stutzig.
Es geht nicht um Abweichungen in der Größenordnung von hundertstel Dioptrien in der Sphäre, sondern um viertel bis halbe Dioptrien beim Cylinder und Abweichungen in der Achslage von ca. 10 Grad oder mehr. Und zwar nur bei einem Auge. Beim unproblematischen Auge lagen die Abweichungen im Bereich tageszeit- und tagesformbedingter Größenordnungen.
Da wir uns primär tagsüber in Wachem Zustand befinden und normalerweise nicht im Mondschein durch die Welt gehen, ist die Sache mit der Wellenfronttechnologie meiner Meinung nach fraglich. Denn ich habe bisher noch keinen Bericht über das Zusammenspiel vom Gehirn zum Auge in dem Bereich der Abberationen gelesen. Also wer kann mir sagen, dass das Gehirn nicht in der Lage ist, bestimmte Verzerrungen einfach als korrekte Abbildung umzuwandeln?
Da die Wellenfrontgläser an den "Fehlern" des Auges ansetzt, finde ich die Sache eher überzogen, technische Spielerei zum Eindruck machen. Aber das ja nur meine bisherige Meinung, sollte ein wissenschaftlicher Bericht gegenteiliges Beweisen, lasse ich mich da gern von Argumenten überzeugen.
Was den Refraktionsunterschied angeht, so würde ich mal darauf tippen, dass das Auge im Prinzip immer (auch mit Korrektur) am Arbeiten ist, und sich daher nicht auf sein "richtiges körperliches" Maß einstellen kann. Da reicht es auch durchaus aus, wenn die Stärke unter der Minimalbemerkbarkeitsgrenze von 0,25dpt liegt. Jedoch unterscheidet dieses sich sehr von den Personen die refraktioniert werden. Auch beim Sehen gibt es grobmotoriker und sensible.
Die Arbeit des Augenoptikers in seinem Handwerk ist das Aushängeschild an sich. Vieles steht und fällt schon bei einer vernünftigen Anamnese und der Wahl der Gläser. Wobei man nicht unbedingt dem Fachmann vertrauen sollte, da viele sich auf ihren Standart (gemeint sind am liebsten verkaufte Gläser) festgelegt haben.
Der Unterschied von Individualgläsern allgemein und der Wellenfronttechnologie (ja das sind zwei Paar Schuhe) liegt ja schon im physikalischem Aufbau und dem Hintergrund des Nutzens der Gläser. Wellenfront setzt bei den Aberationen des Auges an, die Individualgläser sind so konzipiert, dass die eigenen Abbildungsfehler auf dem möglichst kleinstem Niveau gehalten werden. Als Fachmann möchte ich da sagen, ich selbst stehe in der Pflicht herauszufinden was der Kunde wirklich braucht (i.Scriptionmessung sollte im Dunkeln erfolgen - wo sollte man denn dann logischerweise die Gläser verwenden...) und rein von der Stärke die vor mir liegt kann ich schon sagen, ob ein Kunde, auch langfristig, etwas von Individualgläsern hat, oder nicht.
Langfristiges Denken für meine Kunden übernehmen, bedeutet für mich, dass die Augen meiner Kunden möglichst wenig auf Fehler reagieren müssen. Damit ist ein normaler und von der Natur ursprünglich vorgesehener Bewegungsablauf gewährleistet, auch die Anzahl der unnötigen Bewegungen reduziert sich stark mit Individualgläsern.
Im Klartext heißt das für meine Kunden:
deutlich entspannteres Sehen:
Ein oft gehörter Satz der aber tatsächlich der Wahrheit entspricht. Oder fühlen Sie sich nach einem Marathon noch Fit genug für einen zweiten direkt im Anschluss? Denn das leisten unsere Augen, stimmt etwas am Bewegungsapperat nicht, oder an der Sehstärke laufen Augen eine doppelte Belastung, die zu schnellerem Verschleiß führt.
Das würde bedeuten, dass der Kunde schneller neue Sehstärken benötigt, da wir diesen Verschleis mit Gläsern aus dem "nicht-individuellem-Bereich" noch fördern würden.
Wir haben dadurch sehr viel länger unsere Individualbrille, was langfristig betrachtet ein Kostenersparnis ist.
Der Kunde wird es in Jahren danken, ist das nicht schön?
Eine richtige Bestimmung gibt es ja, aber eine immer wieder reproduzierbare wird es beim Auge kaum geben können. Das liegt aber nicht an der Messung, sondern eher am Auge, .....
Deshalb lohnt es sich auch nicht, Geld für auf hundertstel Dioptrien genau geschliffene Gläser auszugeben.
Ich bin schon zufrieden, wenn die Gläser wenigstens auf eine zehntel Dioptrie genau dem entsprechen, was ich bestellt habe und die PD auf 0,5 mm genau eingehalten wird.
Individualgläser sind tatsächlich jeden cent Wert und von Optovision auch erschwinglich. Klar macht man eine große Investition, die sich jedoch langfristig auszahlt. Man nehme diese Investition dividiert das durch die Zeitspanne der Tragedauer, und hält dann mal die Investitionen für Kleidung in dieser Zeit dagegen. Eine Brille ist für heutzutage eher Mode als Korrektur...
Auf jedenfall wird man feststellen, dass man auffallend wenig für seine Brille bezahlt hat. Zumindest wenn man diesen Vergleich mit der Dauer der Tragzeit in Verbindung bringt. Kann man ja auch mit dem Auto vergleichen: kauf ich mir nen Audi der 20 Jahre locker mitmacht, oder für nur etwas weniger den Japaner der kaum die Hälfte schafft. Da ich noch selbst Japanisch fahre und irgendwie bereue nicht auf Qualität und den Nutzen geschaut zu haben find ich ist das eine, in Sachen Preisvergleich, sehr dumme Entscheidung gewesen.
Jeder Augenoptiker verdient sein Geld mit dem Termin des Wiederkaufes, also nicht unbedingt mit der Anzahl der Kunden. Welcher betriebswirtschaftlich denkende Chef denkt da an solche fachlichen Feinheiten, die dem Kunden wirklich Nutzen bringen und sogar Geld sparen?
Mein Chef hat mir damals verboten Individualgläser zu verkaufen. ??? Meine Argumente die nun sehr Kundenorientiert sind, verhallten an seinem Satz: "Die sind mir zu teuer"
Fakt ist, wenn ein guter Fachmann die Beratung und Refraktion führt, dann stimmen die Refraktionsergebnisse, die Bedarfsanalyse und die Empfehlung. Da hört dann die Verantwortung aber auch auf. Ich kann zwar einen Glaspreis im Einstärkensegment von 200€ je Glas rechtfertigen und mit fachlich stimmenden Argumenten dem Kunden auch darlegen, aber zu diesem Kauf kann ich ihn nicht zwingen. Das kann schließlich nur jeder für sich entscheiden.
Ab diesem Punkt trennt sich die Spreu vom Weizen, denn wer gut und verständlich Argumentiert, sodass der Kunde beim Gespräch auch aktiv mitwirken kann, ist die Kaufentscheidung gefallen. Wichtig ist leider Gottes das vertrauen in den Fachmann und die Hoffnung, dass er sich damit auskennt.
Zurück zu letzterem Zitat:
In Sachen Wellenfront geht es um Kontraststeigerung bei Dämmerungs-/Nachtsehen. Damit hat Zeiss auch aktiv Werbung geschaltet. Der Clou daran ist, dass der Visus beim Tagsehen dazu, beim Blick durch diese Gläser, reduziert wird! Wichtig ist daher der Bedarf, dass man sehr viel im Dunkeln und viel Kunstlicht unterwegs ist. Inwieweit die Wellenfrontgläser sich da ans Auge anpassen ist mir unbekannt, fachlich sind es aber keine Individualgläser, sonder es ist nur ein Zusatz um bei bestimmten Verhältnissen, hier "im Dunkeln" einen höheren Kontrast und damit resultierend einen viel höheren Visus erzeugt.
Was den allerersten Post angeht: Meine Empfehlung sind eindeutig Individualgläser (allein des 1,0´er Zylinders wegen) und ein maximaler Brechungsindex. Kunststoffgläser haben max. 1,74 und Silkatgläser 1,9 die Abberationen der Gläser ist weitesgehend durch die individuelle Anfertigung Verschwunden nur das Gewicht würde gegen das mineralische Glas sprechen... Ein Vorteil der Kunststoffgläser ist auch, dass ein höherer Brechungsindex, eine höhere Bruchstabiltät durch höhere Eigenflexibiltät bietet. Kurzum Brille fällt runter und die Wahrscheinlichkeit für einen Glasbruch ist niedriger.
Da hier ein besseres Sehen bei Nacht verlangt wird spricht das leider einzig für den Hersteller Zeiss, der dazu in der Lage ist. Aber bei Sonnenbrillen finde ich das eher unnötig, zumindest fällt mir spontan kein Nutzen ein, der ein kontraststeigerndes und polarisierendes Glas toppen könnte (Skypol von Zeiss z.B. ich bin damit seit 8 Jahren, und immer noch mehr als zufrieden)
Abschliesend kann ich natürlich auch vollkommenen Quatsch schreiben. Indem Fall weise man mich bitte auf Fehler hin, denn das kann ich wiederrum positiv im Laden anwenden.
LG