Hallo Eberhard,
habe Dir unsere gemeinsame Wurzeln betreffend eine PN geschickt.
Hier kommt jetzt der verprochene medizinische Input.
- ca. 2./3. Schuljahr plötzlich zum Schreiben immer den Kopf seitlich auf die Tischplatte gelegt → lt. AA weitsichtig, Besserung mit Plusgläsern (oder doch schon latenter Hinweis auf Doppelbilder?)
- nach wenigen Jahren Weitsichtigkeit wieder weg – das könne später in Kurzsichtigkeit umschlagen, daher solle ich ein Antimyopicum (ich glaube Tropfen) nehmen (habe ich außer damals noch nie gehört…!?)
- mit 16 war es so weit: kurzsichtig und mit Minusgläsern versorgt
- mit 19/20 beim Lesen alles unscharf, Brille sei aber o.k., dann Diagnose Exophorie, die Unschärfe waren die Doppelkonturen
- lange Zeit Übungen zu Hause und in der Sehschule, keine Verbesserung
- im Studium (viel Lesen!!!) erstmals Doppelbilder, 1. Prismenbrille für die Nähe 8/1987 (jeweils niedliche 1 pdpt, und auch nur nach massiver Überzeugungsarbeit meinerseits, die Orthoptistin wollte eigentlich nicht)
R sph -0,5 cyl -0,25
L sph plan cyl -0,5
- 12/1987 Erhöhung auf 5 pdpt bds
- Kurz darauf Gläser R sph -1,5 cyl -0,5, L sph -0,5 cyl -0,75, Prismen unverändert
- Weiterhin Probleme
- 9/1989 (neuer AA):
Diagnosen: Myopie, Astigmatismus, Dekompensierende Exophorie, V-Syndrom
Cover-Test: F Exophorie -2 dptr
N Exophorie -12 dptr (zeitw. kleiner)
Titmus: Stereopsis 40"sec
Fusionsbreite: 8 B.a._ 4 B.i.
- Untersuchung Uniklink Hamburg (damals noch Prof. Haase), leider kein Befund: mich solle man auf keinen Fall mal operieren (schwankender Winkel? Habe die genaue Begründung schändlicherweise vergessen)
- 1989 Beginn einer fortschreitenden spastischen Gangstörung (Diagnose blieb lange unklar)
- Ende 1989 erstmals Bifokalbrille mit Nahaddition von jeweils +1 (Prismen unverändert nur für die Nähe)
- Bitte um Erklärung: Es sei ganz furchtbar wichtig, dass bei einem Nahteil mit Prismen der Nahteil bis zur Unterkante der Pupille reiche. Warum??? Man hat ständig die dicke Kante zu den Prismen mitten im Gesichtsfeld! Spazieren gehen und Lesen sind machbar, Autofahren oder sich in einer kleinen Wohnung bewegen aber grausam. Und das jahrelang…
- 1993 Prismen auf 6 bds erhöht, Addition auf 1,75 bds
- Gehbehinderung seit Beginn an fortschreitend, seit 1991 Rollstuhl für weitere Strecken
- Seit 1994 als Ärztin tätig
- nur noch Rollstuhl; Stehen und Gehen nicht mehr möglich: Primär chronisch progrediente MS (Multiple Sklerose)
- Wegen zunehmender Probleme diverse Brillenvariationen mit mehr oder weniger Prismen, sphärischen und Zylinder-Werten verordnet
- auch beruflich dadurch immer mehr Probleme
- 3/1998 erstmals auch Prismen für die Ferne (je 3,5 auch B innen)
- 6/1998 (zu den bekannten Diagnosen wie Dekompensierende Exophorie ect. erstmals auch offizielle Diagnose Akkomodationsstörung):
Nähe Birkhäuser-Text in 38 cm Abstand = 0,5
Stellung: objektiver Winkel Ferne -4° bis -5°
Nähe -10° bis 12°
Bei Dekompensation Diplopie
Motorik: sicher V-Syndrom, Verd. Auf X-Syndrom
Binokularsehen: Bei Kompensation Binokularsehen und Stereofunktion vorhanden
- Da beruflich eine Gleitsichtbrille wichtig gewesen wäre, sollte eine OP zumindest den Winkel für Nähe und Ferne angleichen, warum man mir früher gesagt habe, man solle mich nicht operieren, konnte nieman nachvollziehen.
- 1998: OP geplant zweizeitig (zuerst schräge Augenmuskeln, um das V-Syndrom zu beseitigen, dann gerade Augenmuskeln in 2. OP)
- In 1. OP bds M. obliquus inferior je 5,0 mm rückverlagert
Stellung prä OP mit Prismenbrille: F -2Δ ohne Δ -8 Δ
N (NT) fix od -10 Δ fix as -8 Δ
Stellung post OP mit Prismenbrille: F 0 Δ ohne Δ -6 Δ
N (NT) -4Δ ohne Δ - 10Δ fix a……(fehlt)
- 8 Δ fix a …..(fehlt)
- Statt der bei Schwellungsrückgang zu erwartenden Verbesserung wurde alles leider schlechter und ganz anders chaotischer! Jetzt auch erstmals Höhenabweichung!
- 1. Lesebrille 3 Wochen nach OP:
R sph + 1.00 zyl – 0.75 Achse 150 Prisma 7.5 innen 1.5 unten
L sph + 1.00 zyl - 0.75 Achse 45 Prisma 7.5 innen 1.5 oben
- 1. Fernbrille 3 Wochen nach OP:
R sph - 0.75 zyl - 0.75 Achse 150 Prisma 5.5 innen 1.5 unten
L sph - 0.75 zyl – 0.75 Achse 45 Prisma 5.5 innen 1.5 oben
- Leider blieb alles schlechter und wurde vom ganzen Seheindruck sehr unruhig. Fazit: Nach meiner eigenen Augen-OP konnte ich selbst nicht mehr operieren – aus und vorbei!
- Viel mit Orthoptistin und Optiker experimentiert.
10/2000 - Lesebrille jetzt je 12,5 Prismen
- Fernbrille jetzt je 8 Prismen, außerdem sphärisch bds 0
(es kam der Gedanke auf, dass ich mit den Akkomodationsresten dauerhaft gegen die DB an-akkomodiere und daher die Myopie seit 20 Jahren vielleicht gar nicht echt sei), außerdem dadurch ruhigeres Bild
- Weiter zunehmende Probleme, v. a. in der Nähe. Patienten zu untersuchen (hat bei uns viel mit den Augen des Untersuchers zu tun) nicht mehr möglich. Ab mittags nur noch Chaos (vom Chef ab 14 Uhr freigestellt um im Dunkeln zu sitzen, damit Autofahrt nach Hause wieder möglich wird (toller Chef!!!)
- Ende 2001: innerhalb weniger Tage geht v.a. in der Nähe nichts! mehr. Prismen Nähe plötzlich 18,5. Aber vor allem Chaos. Ständiger Wechsel zwischen scharf und unscharf, Fixieren geht schlecht, große Probleme, die Worte einzufangen und zum Lesen festzuhalten, ständiges Zappeln und Herumtanzen.
- Augenarzt ratlos. Kortison-Stoßtherapie vom Neurologen (so wie bei MS üblich, nur hatte ich bisher keine Schübe, sondern eine unterschiedlich schnell, aber dauerhaft voranschreitende Form). Ergebnis der Kortison-Therapie: Zwar kein Juchu, aber immerhin eine einigermaßen Besserung. (Ach so: Bis auf klinisch nicht relevant mittelgradig verlängerte VEPs sind meine Sehnerven einwandfrei. Auch das Kleinhirn ist top (an irgend was muß man sich doch hochhalten). Keinerlei Koordinationsprobleme, naja, außer den Augen. Also ich meine, keine cerebellären Prpbleme, kein cerebellärer Nystagmus; Keine Augenmuskellähmungen.
- Bisher hatten alle meine Frage, ob die Augenprobleme nicht vielleicht doch mit den neurologischen zusammenhingen, verneint. Jetzt nicht mehr! Oder ist es vielleicht beides zusammen, nach dem Motto "Der Deubel sch… immer auf den größten Haufen"?
- Mit diversen Hilfsmitteln wie Lupen, Vergrößerungssoftware, Sprachausgabe und Co. wollte ich dann wieder in der Klinik mitmischen und wenigstens den ungeliebten Computerkram machen. (Agnes Maria wird mir bezüglich ungeliebt zustimmen!) Die Hilfsmittel waren in der Bestellung.
- Und dann kam 2002 die nächste ganz akute Verschlechterung. Wie beschrieben, aber noch stärker. Wieder Kortison-Stoßtherapie. Leichte Besserung, aber nicht so, dass mein Plan mit den Hilfsmitteln noch machbar gewesen wäre. Lesebrille je 24,5 Prismen, ging aber auch nur immer ganz kurzzeitig. Viel schlimmer als die DB ist das ganze Chaos vor Augen.
- Diagnose: Strabismus divergens alternans, V-Syndrom, Akkomodations- und Konvergenzparese, Fixationsverluste, massive Fusionsstörung mit Doppelbildern
- Das war es dann mit meinem beruflichen Lebenstraum. Seit 2003 bin ich berufsunfähig und berentet. Wäre aber auch ohne die Augenprobleme so gekommen, der rechte Arm kann inzwischen auch nicht mehr so, wie er will.
Jetzt nochmal kurz zum Augenbefund: Es zoomt hin und her, flutscht weg und tanzt. Plötzlich bin ich in einer ganz anderen Zeile oder rechts statt links. Am besten sind fette Überschriften in schmalen Spalten. Da kann man sich besser orientieren. Fernsehzeitungen sind gut!!! Und Tönung ist wichtig: Also entweder 60% im Glas, oder (als Tipp!) Farbfolien (s. Irlen-Theorie). Die gibt es preiswert bei Beleuchtungstechnik. Ich benutze hellblau ¼. Die lege ich einfach auf das Papier. Dazu habe ich eine vom Optiker gebastelte Zeilenmaske und eine Lesebrille mit Okklusion. Oder Auge zukneifen und Lupe. Die o.g. 24 Prismen pro Seite reichen schon lange nicht mehr! Je größer der Kontrast (Igitt, schwarze Schrift auf weißem Papier…), desto unruhiger wird alles. Und leider: Je schärfer, desto unruhiger. Und letzteres ist schlimmer als Unschärfe.
Bei meiner Frage nach einer Okklusionslinse geht es aber um die Ferne.
Hier meine aktuelle Brille.
R sph 0.0 zyl -1,25 Achse 150 Prisma 14 i/1,5 u
L sph 0.0 zyl -1.00 Achse 40 Prisma 14 i/1,5 o
Auch hier muß ich mich immer zwischen Unschärfe und Unruhe entscheiden. Außerdem habe ich das Gefühl, dass ich die prismenbedingten Verzerrungen und Unschärfen immer schlechter toleriere. Und seit einiger Zeit ist noch eine Rotation dazugekommen. Alle ausprobierten Änderungen der o.g. Werte haben es nicht verbessern können.
Und: diese Brille ist ein Segen und ein Fluch. Ein Segen, weil dicke Prismen vergrößern. Will ich beim Einkaufen mal eben ein Preisschild lesen: rechtes Auge zu, linkes schaut ganz weit nasal durch den dicken Teil. Kurz mal eben eine Zahl oder ein Wort geht prima. Will ich in der Ferne etwas genauer sehen: rechtes Auge zu, mit links ganz nach außen durch den dünnen Teil sehen. Auch prima. Eine Art horizontale Gleitsichtbrille. Jetzt der Fluch: beide Augen müssen sich im Geradeausblick immer auf einen Kompromiß einigen. Noch mehr Fluch: Schaut das eine Auge schön scharf durch den dünnen Teil in die Ferne, muß das andere gleichzeitig zwangsläufig den dicken unscharfen Teil nehmen.
Also habe ich eine Brille gleicher Stärke ohne Prismen und dafür Okklusionsfolie rechts. Einerseits gut, aber andererseits das totale Chaos. Von oben und der Seite kommt so viel Licht an, dass das Auge viel zu viel von der Folie und drumherum sieht. Da modelt sich das Gehirn dann solch einen Unsinn zusammen, der fast schlimmer ist als Doppelbilder. Außerdem saust das Auge unter der Folie völlig nach außen weg. Selbst beim (Gassi-)Gehen in vertrautem Terrain lande ich andauernd rechts in Nachbars Büschen neben dem Bürgersteig. Das linke Auge schaut schön geradeaus, aber das rechte irgendwo an der Brille vorbei nach hinten zum Ohr. Der daraus entstehende Bildsprung ist riesig und macht räumliches Chaos. Das bekommt das Gehirn nicht zusammen…
Also muß doch ein zusätzlicher Lichtschutz drumherum her. Aber der ist 1. schwer dicht zu bekommen (denn das muß er unbedingt sein) und 2. Naja – als Rollstuhlfahrer wird man ohnehin schon immer beguckt (habe ich mich dran gewöhnt), mit ner abgeklebten Brille dazu noch mehr (geht auch noch irgendwie). Aber wenn noch Lichtschutzgedöns dazukommt, sind die Blicke nur noch entsetzt oder vollkommen mitleidig.
Die Linse muß ja nicht für den ganzen Tag sein. Fürs Gassi-Gehen reicht auch die Brille. Aber irgendwann kommt der Punkt, wo ich fürs Autofahren eine andere Lösung brauche. Und ein nur anderthalb-armiger Rollifahrer ohne Auto wäre eine absolute Katastrophe! Da könnte ich die Hälfte nicht mehr machen….!
Aber vielleicht habt Ihr ja noch ganz tolle Ideen und es gibt eine andere Lösung? Nur zu, ich freue mich!
Viele Grüße und danke fürs Zuhören, 
Bernadette