Hallo chris,
da die Aussagen von Dir auch dies Thema betreffen, will ich Dir direkt antworten. (Ich hatte auch schon mal gedacht, hierzu ein eigenes Thema zu eröffnen.)
Wenn Du meinst, man sollte bei jeder Brillenkorrektion verantwortlich als Augenoptiker /Optometrist handeln (... mit Prismen in jeder Hinsicht aufpassen ...), dann stimme ich Dir uneingeschränkt zu.
Kommen wir zu Deinem Arbeitskollegen.
Man hat am Kreuz 14.0 cm/m gemessen, ok! Aber was ist sein Gesamtfehlwert? Ich hoffe Du weißt, dass Teilkorrektionen (und hier geht es -unbesehen- um eine solche), sehr gut abgestimmt werden müssen , um verträgliches Sehen zu erzeugen. Ich würde Dir versprechen, Deinem Kollegen eine Brille anzumessen, die sein bisheriges Sehen in den Schatten stellt! Durchaus auch als Teilkorrektion.
Hinzu kommt aber bei Werten über sechs-acht Prismen Gesamtkorrektion eine psychologische Komponente (gerade bei Erstkorrektionen) und das Empfinden evtl. auf einen möglichen Eingriff am Augenmuskel zuzusteuern. Dieser Faktor wird nun neben der persönlichen Haltung zusätzlich vom Umfeld dem Aussehen, dem (anfangs) eingeschränktes Gesichtsfeld, der Farbstereoskopie etc. und noch ganz wesentlich vom augenoptischen Berater mit geprägt. Augenoptiker selbst verhalten sich hier oft genauso wie Ärzte und Krankenschwestern im medizinischem Bereich. Sie können wunderbar Spritzen verteilen, aber wehe, es kommt auf sie selber mal eine solche Massnahme zu. Ich war übrigens sehr glücklich, selbst Betroffener zu sein, und meine WF-OP liegt mittlerweile 13 Jahre zurück. Von diesen Erfahrungen in Versorgung von WF sowohl an mir selbst und an meiner Familie mit sieben Kindern partizieren noch heute meine Kunden ganz selbstverständlich.
Ich hatte mal einen Arbeitskollegen, der machte sich im Alter vont 25 Jahren selbst Gleitsichtgläser, um den Effekt der Kunden nachempfinden und nachvollziehen zu können. Dass das nur bedingt funktioniert, soll hier nicht zur Debatte stehen. Aber Dein Arbeitskollege sollte seine Einstellung zum Beruf und zu unserem wertvollem und beruflich notwendigem Einsatz ganz neu überdenken. Es wird ihm sehr entscheidend zurecht helfen können. Auch bei seinen persönlichen Erfahrungen im Sehen, da bin ich mir ganz sicher!
Kunden kommen gut zurecht bzw. kennen keine Einschränkungen
Dies trifft gerade bei grösseren WF´s nicht selten zu. Allerdings stimmt das in den meisten Fällen nur sehr vordergründig. Ein entsprechend ausführlicher Fragebogen deckt hier immer gravierende Mängel auf. Allerdings werden die Befindlichkeiten, teils schon mit dem Hinweis "ich habe sehr gute Augen" nicht mit SEHEN in Verbindung gebracht. Und oft hat man sich sein Leben entsprechend seinen Fähig- bzw. Unfähigkeiten passend eingerichtet.
Hier soll und muss natürlich der Kunde, das weitere Vorgehen bestimmen. Aber die fachlich sachliche Aufklärung kann uns niemand abnehmen, denn wir sollten hier die absoluten Ansprechpartner als Augenoptiker /Optometristen sein. Natürlich nach der Vorabklärung und medizinisch negativer Befundung (p.o.B. = pathologisch ohne Befund), aber auch bei positivem Befund sollte nach Abklärung und Behandlung desselben auch auf Doppelbildfreiheit und Stressminderung(!) mit richtig angemessenen und gefertigten Brillen eine Optimierung im Sehen angestrebt werden. Das ist in erster Linie unser Beruf, natürlich wenn möglich, in Absprache mit dem Facharzt. Aber augenoptisch präzise, und letztlich immer in unserer Verantwortung und Verantwortlichkeit.
So sehe ich das, und freue mich, wenn es Fachärzte gibt, die in diesen Fällen selber kompetent mit gestalten helfen können.
... das sich die Prismenkorrektion aufbauen kann stärker und stärker wird ,,,
Frage Wohin läuft das denn letztlich hinaus?
Antwort In keinem mir bislang bekannten Fall ins´ Uferlose! Sondern in ein optimales Zusammenspielen beider Seheindrücke, zu blitzschnell erfassbarden Sinneseindrücken, die SEHEN präzisieren und die fein- und grobmotorischen Fähigkeiten optimieren, nebst vieler anderer positiver Effekte.
Wir müssen uns nur selbst darüber klar sein, dass wir damit Löcher stopfen können, die jeden visuellen Selbstausgleich weit überflügeln. Weißt Du, zu meiner Lehrzeit wurde noch die Korrektion einer Hornhautverkrümmung für falsch empfunden und noch früher stritt man über die Korrektion von Übersichtigen und deren Sinn (Weitsichtigkeit). Unser heutiges visuelles Zeitalter hat dies längst ad acta gelegt. So empfinde ich heute den Streit um und über "Brillen mit definierten prismatischen Wirkungen". Eigentlich ist derselbe schon nicht mehr zeitgemäß!