Zu dem Artikel von Urs Keller über
"Wahrnehmungsstörungen – Schulversagen – wann kann eine Prismenbrille helfen?"
muss angemerkt werden, dass er die Funkional-Optometrie über den Einstieg der Winkelfehlsichtigkeit erklärt. Zur Winkelfehlsichtigkeit wird vieles wertvoll und richtig dargestellt.
Aber ...
- Die Berufsauflistung stammt ursprünglich von den Optometristen aus der USA, wurde von Kollegen Duschner eingedeutscht, und wird hier vom Verfasser im Bereich der Orthoptisten noch weiter unterteilt.
Ich frage, zu wessen Vorteil steht diese Auflistung hier?
Das Fortbildung und Titel nicht alles ist, bestätigt der Autor selbst im Skript sehr richtig.
[... entsprechend arbeitenden Fachpersonen (nur ausgebildet zu sein genügt nicht!)].
- Die Lehre, die hinter diesem Artikel steht, ist nur bedingt die MKH, sondern die Funktional-Optometrie. Dies machen alle Teilbereiche ersichtlich, die den "vier Elementen des Sehens" ursprünglich den so genannten Skeffingston-Kreisen zugeordnet sind.
"Bei jeder Therapie sollte der Nutzen grösser sein als die Beeinträchtigungen, die eine solche Therapie ins tägliche Leben, in den Schulalltag, in die Freizeitgestaltung oder auch ins Familienleben bringt. Diese Forderung gilt auch für eine Prismenbrille. Der zu erwartende Nutzen muss grösser sein als die Beeinträchtigungen durch das Tragen einer Brille. Es ist nicht sinnvoll, durch überdeckendes Therapieren ein funktionelles Defizit des Sehens oder Hörens eliminieren zu wollen.
Nach der Korrektur einer Winkelfehlsichtigkeit mittels einer Prismenbrille beginnt die eigentliche Therapiearbeit. Menschen, welche jahrelang eine unkonstante visuelle Wahrnehmung kompensieren mussten, haben meistens einen partiellen Entwicklungsrückstand oder ein partielles Lerndefizit.
Aufgabe der Lehrer, Heilpädagogen, Legasthenietherapeuten, Logopäden, Ergotherapeuten und Psychomotoriktherapeuten ist es, diese teilweise versteckten oder mit diversen Strategien überdeckten Defizite aufzuspüren, bewusst zu machen und durch einüben der richtigen Funktionen abzubauen."
Ich überlasse es den Lesern den Hintergrund dieser Formulierungen für sich richtig zu interpretieren. Verweisen möchte ich darauf, dass bei richtig angewandter Messtechnik nach MKH der Nutzen die möglichen vorübergehenden Beeinträchtigungen im visuellen System bei weitem übersteigt.
"BRILLE" bleibt eigenständig, sie ist nicht THERAPIE und stützt als solche alle anderen sinnvollen Massnahmen, natürlich auch therapeutische Ansätze mit!
Merke
Wer BRILLE in oder mit einem Therapiekonzept vertreibt oder den ermittelten Messwert anderen Kriterien unterordnet, vertritt nicht die Basis der MKH, der ein solcher Ansatz völlig fehlt. Hans-Joachim Haase hat die durch Ihn begründete Messmethodik, ja geradezu im Gegensatz zu schon damals bekannten Verfahren der amerikanischen Optometrie, u.a. dem Optometric-Extention-Program (OEP), entwickelt, gelehrt und angewandt. Er hat zeitlebens eine Verquickung derselben, strickt abgelehnt und für unvereinbar gehalten.



