Hallo,
ich habe seit längerer Zeit mal wieder hier hereingeschaut. Das Thema hier finde spannend, weil mir als Laie die Begriffe auch nicht so ganz klar sind und ich deshalb einige Fragen habe.
Da meine Fragen möglicherweise „ketzerisch“ klingen könnten, möchte ich vorab Folgendes klarstellen
Mir selbst ist durch eine Prismenverordnung unwahrscheinlich geholfen worden. Mein Visus in der Ferne konnte erheblich (von 0,3 auf nunmehr 0,7) gesteigert werden! Dies wurde erreicht durch exzellente Zusammenarbeit mit meinem Optiker, Augenarzt du Orthopistin und nicht zuletzt durch Zuspruch in diesem Forum, wofür ich allen sehr dankbar bin!
Ich versuche jedoch immer alles ganz genau zu verstehen, weshalb ich dann durchaus auch einmal etwas – ausgehend von meinem Laienverständnis – genau hinterfrage, ohne damit ein „grundsätzliches Misstrauen“ dokumentieren zu wollen! Da ich auch glaube, dass die Klärung „meiner“ Fragen für viele Laien interessant sein könnten, möchte ich sie in diesem Forum stellen.
Letztlich gilt jedoch auch für mich Wer heilt, hat recht!
In diesem Sinne bitte ich, meine Fragen bzgl. Doccys Erklärung zu verstehen und wäre froh, vielleicht ein paar klarstellende Erläuterungen zu erhalten.
Doccy schrieb
Heterophorie Wird die Fusion aufgehoben, irren die Fixierlinien orientierungslos umher. Aufgehoben wird die Fusion u.a. wie folgt Raum abdunkeln, vor einem Auge ein z.B. Rot-Filter, vor das andere ein Grünfilter. Dargeboten werden jeweils per Projektion ein rotes und ein grünes Objekt, die aber in ihrer Form völlig unterschiedlich sind. Jetzt sieht das mit dem Rotfilter bewaffnete Auge nur das rote Objekt, das mit dem grünen Filter nur das grüne Objekt. Wenn diese beiden Objekte von ihrer ursprünglichen Position abweichend gesehen werden, dann bezeichnet die Medizin das (auch heute noch) als „verborgenes Schielen“, als Heterophorie. Heterophorie wird von Medizinern diagnostiziert und ist ein behandlungsbedürftiger Zusand. Was daran zu behandeln ist, ist das Geheimnis der Medizin. Heterophorie ist für die augenoptische Versorgung bedeutungslos.
Pathophorie Streng genommen müßte man das so übersetzen Die krankhafte Richtungsabweichung der Fixierlinien. Also wäre demnach jede Heterophorie pathologisch. Eine "Krankheit", die es gar nicht gibt. Dieses Kunstwort scheint nur deswegen erfunden worden zu sein, um sich die Behandlung des so Stigmatisierten zu sichern.
Analysiere ich den Wortlaut, bedeutet Heterophorie Folgendes
Hetero - entgegengesezt
Phorie- Stellung der Augen (bzw. ihrer Sehachsen) zueinander
Heterophorie bedeutet also, dass die Augen (Sehachsen) voneinander abweichen.
O.K., ich verstehe, dass die Heterophorie unter „nicht-natürlichen“ Voraussetzungen „gemessen“, „festgestellt“ oder wie auch immer wird.
Nach Doccy hält „die Medizin“ dieses Messergebnis offensichtlich für behandlungsbedürftig.
Ist das tatsächlich so? Ich hatte das bisher immer so verstanden, dass die „Heterophorie“ an sich „normal sei (bzw. 80 % der Bevölkerung betrifft) und daher (auch wenn sie gemessen wird) nicht behandlungsbedürftig sei.
Anders jedoch bei der Pathophorie.
Analysiere ich den Wortlaut, bedeutet Pathophorie Folgendes
Patho – krank, Beschwerden verursachend
Phorie- Stellung der Augen (bzw. ihrer Sehachsen) zueinander
Pathophorie ist also ihrem Wortlaut nach die krankhafte (Beschwerden verursachende) Abweichung der Sehachsen zueinander.
Mit anderen Worten Nur wenn die Heterophorie (=Zustand) Beschwerden verursacht, handelt es ich um eine Pathophorie. Die Patophorie ist so gesehen eine „Unterart“ der Heterophorie“. Habe ich das falsch verstanden?
Wenn ich jetzt einmal unterstelle, dass ich das richtig verstanden habe, dann dürfte doch (jedenfalls aus Sicht des Patienten, der ja Beschwerden hat) nichts dagegen sprechen, eine Beschwerde verursachende Heterophorie (=Pathophorie) zu behandeln.
Oder muss ich Doccy so verstehen, dass eine Hetreophorie, weil sie unter „unnatürlichen Bedingungen“ festgestellt wird, keine Beschwerden verursachen kann?
Oder kann eine Korrektur (so sie denn möglich sein sollte) einer Pathophorie keine Verbesserung (von was auch immer ????) bringen? Wenn das so sein sollte, warum nicht?
Doccy schrieb
Winkelfehlsichtigkeit Wf ist eine Fehlsichtigkeitsart. Sie wird definiert als „lateraler Bildlagefehler“.
Genau in dieser Definition liegt mein Verständisproblem, was die Winkelfehlsichtigkeit von der Patophorie unterscheidet (wobei ich nach dieser Definition bzw. der weiteren Ausführungen unterstelle, dass die WF Beschwerden verursacht, sonst müsste ich sagen von der Heterophorie unterscheidet).
Analysiere ich die Definition „lateraler Bildlagefehler wörtlich, bedeutet dies Folgendes
Latereal seitlich, weg von der Körpermitte
Bildlage Ort, an dem das von der optischen Einrichtung des Auges erzeugte Bild entsteht.
Laterealer Bildlagefehler Das Bild wird im Auge (in den Augen) seitlich von dem Punkt dargestellt, in dem es dargestellt werden sollte.
Nach meinem (laienhaften) Verständnis ist dies doch dasselbe, als wenn die „Sehachsen voneineander abweichen“. Oder wo liegt da Unterschied?
Doccy schrieb
Unkorrigiert bewirkt diese Fehlsichtigkeitsart Augenmuskelungleichgewicht, was zu den bekannten Befindlichkeitsstörungen führen kann und auch als Augenmuskelkater bezeichnet wird, dessen medizinische Behandlung aber immer therapieresistent ist.
Bedeutet das, dass nur bei der Wf der Bildlagefehler/bzw die Abweichung der Sehachsen auf Augenmuskelungleichgewicht beruht?
Ist dies der Unterschied zur Hetreophorie bzw Pathophorie? WF = Bildlagefehler aufgrund Augenmuskelungleichgewicht, Hetreophorie bzw Pathophorie aus „ungeklärter Ursache“?
Dann frage ich aber, ob man dies augenoptisch messen kann, oder ob hier nicht doch medizinische Untersuchungen angebracht sind.
Doccy schrieb
Schielen Die Fixierlinien landen nie! auf einem gemeinsamen Punkt. Die Augen blicken immer in unterschiedliche Richtungen. Weil das Gehirn immer zwei unterschiedliche Bilder „empfängt“, wird eines der Bilder, und zwar die des weniger leistungsfähigen Auges, unterdrückt. Schielen ist immer manifest. Es kann nie „verborgen“ sein.
Ja, das leuchtet mir ein.
Doccy schrieb
Fusionsschwäche Auch so eine „Alibi-Diagnose“ zum Ruhigstellen des Patienten. Gemeint ist damit, daß der Muskelapparat des Augenpaares die Fixierlinien nicht dauerhaft wegen eines Muskelungleichgewichtes auf einen gemeinsamen Punkt halten kann. Abhilfe Muskelgleichgewicht mittels MKH herstellen.
Als Laie verstehe ich das so Die Sehachsen/ Bildlagen weichen aufgrund eines Muskelungleichgewichts voneinander ab.
Die Fusionsschwäche ist damit eine „natürliche Nebenerscheinung“ der WF ( und jedenfalls wenn auch die Hetreophorie und Pathophorie auf Augenmuskelungleichgewicht zurückzuführen sind) der Hetreophorie/ Pathophorie
Doccy schrieb
Akkommodationsstörung Die ist eigenlich nicht möglich. Selbst wenn sie meßtechnisch erfaßbar wäre, ist sie sehr schnell verschwunden, wenn Muskelgleichgewicht (=Korrektion der Wf!) hergestellt wurde. Der Akkommodationmuskel gehört zu der längsgestreiften Muskulatur. Von diesem Muskeltyp gibt es im Körper nicht viele. Nach meiner Kenntnis ist es der Herzmuskel, und findet sich auch in der Gebärmutter. Diese Muskelart zeichnen sich dadurch aus, daß sie keinen Ruhezustand kennt und keinen Muskelkater bekommen kann. Wenn also eine Akkommodationsstörung diagnostiziert wurde, ist das schon wieder eine Alibi-Diagnose.
Hier fällt es mir schwer, die Ausführungen zu verstehen.
Akkomodation bedeutet meines Wissens, die Fähigkeit zur Änderung der optischen Brechkraft der körpereigenen Augenlinse des Auges, also letzlich die Fähigkeit das Auge „auf unterschiedliche Entfernungen scharf zu stellen“. Soweit ich das bisher verstanden habe, hängt die Akkomodation auch mit der „Augenstellung“ zusammen, so dass zB. eine Konvergenz zu einer „zu starken Akkomodation“ führen kann. Insoweit verstehe ich durchaus, dass die Ursache von Akkomodationsstörungen in der Wf (bzw Heterophorie und Pathophorie) begründet sein können.
Allerdings leuchtet mir nach der Erklärung nicht ein, weshalb es keine Fehler in der Akkomodation geben kann, die nicht auf Wf (bzw Heterophorie und Pathophorie) beruhen. Denn immerhin ist doch der „Akkomodationsmuskel“ ein eigenes System, welches auch (isolierte) Fehler aufweisen kann. Auch der Herzmuskel und die Gebärmutter können doch erkranken.
Doccy schrieb
Was folgt daraus? Wer mit einer „Heterophorie“ behaftet ist, ist nicht krank. Heterophorie ist nicht korrigierbar. Facit Der Heilkundler soll nur feststellen, ob ein organisch pathologischer Befund erhoben werden kann (Ausschlußdiagnose). Alles andere ist Aufgabe des Augenoptikers, der mit der MKH umgehen kann. Eigentlich alles ganz einfach. Alles klar, oder noch Fragen?
Diese Schlussfolgerung kann ich nur bedingt verstehen. Da ich gerade den Unterschied zwischen Pathophorie (als „Unterart" Heterophorie) und (beschwerdeverursachender) Wf nicht verstehe, kann ich konsequenterweise auch nicht nachvollziehen, weshalb die Heterophorie nicht korrigierbar sein soll.
Es kann sich daher aus meiner Sicht nur die Frage stellen, wie ich die notwendige Korrektur ermittele. Und da gibt es offenbar unterschiedliche Ansätze, u.a. die MKH. Auch wenn es zutreffen sollte (was ich hiermit keinesfalls angezweifeln will, da ich selbst dies natürlich aufgrund mangelnder Erfahrung nicht berurteilen kann), dass die MKH die „besseren“ oder „genaueren“ Ergebnisse „liefert“, kann ich daraus doch nicht schließen, dass die medizinischen Diagnosen nicht exitieren bzw. nur „Alibidiagnosen“ sind. Die Frage die sich allein stellen kann, ist doch die, wie ich mit diesen „Diagnosen“ umgehe.
Doccy schrieb
Nochmal zum Heterophorie (He) und Winkelfehlsichtigkeit (Wf) He ist ein Terminus der Augenheilkunde. He wird ausschließlich unter Aufhebung der Fusion diagnostiziert. Also unter Bedingungen, die im natürlichen Sehen nie, niemals vorkommen können!!! Was man mit dieser Diagnose anfangen kann, ist nicht einmal in der Augenheilkunde bekannt. Und jetzt etwas Polemik. Diese Diagnostik wird deswegen erbracht, weil sie bezahlt wird. Aus augenoptischer Sicht ist die Diagnose „He“ nicht nur bedeutungslos, sondern völlig unbrauchbar.
Das Prüfen auf Wf findet immer unter Beibehaltung der Fusion statt. Also unter Bedingungen, die dem natürlichen Sehvorgang entsprechen. Das so gefundene Meßergebnis ist nur in Ausnahmefällen nicht hilfreich. Es führt aber viel zu weit, daß hier auch noch zu erklären.
Nochmal in direkter Gegenüberstellung, und nun abschließend He wird unter völlig unnatürlichen Sehbedingungen diagnostiziert, Wf ausschließlich unter natürlichen Sehbedingungen gemessen.
Und das auch noch einmal in aller Deutlichkeit, und auch das abschließend Wer He und Wf synonym verwendet, hat beide Tatbestände nicht verstanden. Haltet Euch von solchen Leuten fern. Die haben wirklich keine Ahnung.
Es mag wirklich sein, dass ich die beiden „Tatbestände“ nicht vertsanden habe. Aber die Ausführungen bringen auch nur bedingt Klarheit! Denn ausgehend von obigen Definitonen sind sowohl Hetreophorie als auch Wf „Zustände“, die auf unterschiedliche Art festgestellt werden werden, jedoch das Ergebnis haben, dass die Sehachsen/Bildlagen voneineander abweichen. Der Unterschied liegt damit doch nicht im tatsächliche Zustand, sondern allenfalls in der (durch unterschiedliche Messmethoden) festgestellten Größenordnung und damit in der Art und Wahl der Korrektion.
LG
Gika