Hallo!
Zwangsweise beschäftige ich mich nun seit einigen Wochen mit dem Thema Schielen, bin im Zuge dessen auch auf dieses wundervolle Forum gestoßen und möchte gerne meine Situation hier vorstellen. (Achtung Das wird eine längere Geschichte!)
Meine "Leidensgeschichte" beginnt mit einem sehr positiven Erlebnis und zwar mit dem Bestehen der Aufnahmetests zum Verkehrsflugzeugführer bei der Lufthansa. Das einzige was noch ausstand war die medizinische Untersuchung. Doch um diese machte ich mir eigentlich keine Sorgen, da ich meine von mir behaupten zu können, dass ich kerngesund bin. Auch bei Sehtests für die Führerscheinprüfung, bei der Musterung, Untersuchungen für die Zulassung zum Sport-Leistungskurs, usw. gab es noch nie Probleme.
Beim LH-Medical war dann auch alles top, inkl. aller Sehtests. Die LH-Augenärztin hatte aber die Vermutung, dass ich Mikroschielen würde (über den Limits) und ich solle dies mal genau untersuchen lassen. Dafür hat sie einen Termin an der Uni-Klinik Gießen angesetzt. (Ich war natürlich zu diesem Zeitpunkt schon etwas niedergeschlagen, sie betonte aber, dass dies noch kein Beinbruch sei.) Nach dem Medical habe ich noch eine unabhängige Augenärztin, die aber für fliegerärztliche Untersuchungen zugelassen ist und zu der auch einige Lufthansa Piloten für ihr Medical gehen, aufgesucht, da ich auf den Uni-Klinik Termin einige Wochen warten mußte. Dort war alles einwandfrei, keinerlei Beanstandungen.
Der Tag der Untersuchung in der Uni-Klinik Gießen kam und ich war wieder relativ zuversichtlich. Die Untersuchung wurde dann von einer Lehr-Orthoptistin durchgeführt, hauptsächlich mit irgendwelchen Prismen und dem Auf- und Zudecken der Augen. Diese Untersuchung kam mir schon etwas seltsam vor, und eine der Assistentinnen meinte dann auch, dass diese Untersuchung etwas ungenau ist und irgendwann, Zitat, „jeder schielt, wenn man das nur lange genug macht“. Anschließend ging es zur Auswertung schließlich zum Oberarzt, der mir eigentlich von LH genannt wurde, als derjenige der die Überprüfungsuntersuchung durchführt. Dies war ein äußerst unerfreuliches Erlebnis. Seine Gesprächsbereitschaft war gleich Null, auf Bitten einer Erläuterung hat er nicht reagiert und auch sonst war er nicht gerade freundlich. Ich leide angeblich an einem versteckten Innenschielen, die Werte lägen über den Grenzwerten und ich solle doch „meinen Plan B rausholen“. (er meinte in meiner Lebensplanung) Die Lehr-Orthoptistin, welche auch die Untersuchung durchgeführt hatte, hat sich nach einigem Bitten dann doch zumindest etwas genauer geäußert. Im Fernbereich seien die Werte nicht auffällig, im Nahbereich aber schon. (ich meine sie sagte etwas von 12° Grad im Nahbereich, meine Augen würden aber gerade stehen??)
Ich habe jetzt per Fax die genauen Untersuchungsergebnisse angefordert. Diese stehen mir ja als Patient, der die Untersuchung privat bezahlt hat, zu und hier kann mir mit den genauen Werten bestimmt auch besser geholfen werden. Nichts desto trotz habe ich schonmal die JAR-FCL Richtlinien herausgesucht, der Abschnitt zum Thema Schielen lautet
(e) Bewerber mit gestörtem Augenmuskelgleichgewicht (Heterophorie), welches bei Messung unter Ausgleich des Refraktionsdefizites folgende Werte überschreitet
2-Prismendioptrien Hyperphorie Distanz 6 Meter
2-Prismendioptrien Hypophorie Distanz 6 Meter
10-Prismendioptrien Esophorie Distanz 6 Meter
8-Prismendioptrien Exophorie Distanz 6 Meter und
1-Prismendioptrie Hyperphorie Distanz 33 cm
1-Prismendioptrie Hypophorie Distanz 33cm
6-Prismendioptrien Esophorie Distanz 33 cm
12-Prismendioptrien Exophorie Distanz 33 cmmüssen als untauglich eingestuft werden.
Quelle http//www.med.uni-giessen.de/agma/fliegenbrille/anhang.html
Mittlerweile habe ich schon herausgefunden, dass es sich in meinem Fall wohl um Esophorie handeln müßte Ich weiß auch, was eine Prismendioptire ist, aber wie rechnet man diese Werte in Grad um?
Ergänzend steht in den Richtlinien aber auch noch dies
Die für die Erteilung der Lizenz zuständige Stelle kann bei ausreichender Fusionsreserve, die das Auftreten von Asthenopie oder Diplopie sicher vermeidet, die Tauglichkeit prüfen
Dies macht mir wieder Hoffnung. Denn wenn ich obiges richtig verstehe, so kann man tauglich geschrieben werden, selbst wenn man über den Grenzwerten liegt. (was ich in meinem Fall aber noch nicht einmal als 100 %ig erwiesen ansehe)
In meinem ganzen Leben hatte ich noch nie Augenprobleme, ich kann mich nicht erinnern schon Doppelbilder gesehen zu haben, habe nie Kopfschmerzen (auch nicht nach langer Bildschirmarbeit), mein 3D Sehen ist ebenfalls einwandfrei (wie soll ich sonst Tennis und Squash spielen können?), mein Sehvermögen beträgt 100%, in meiner Familie gibt es niemanden mit einer Schielerkrankung, usw.
Über Ratschläge von den Experten hier aus dem Board würde ich mich sehr freuen, denn dieses Thema ist von immenser Wichtigkeit!
Ich habe zum Beispiel gehört, dass in der Uni-Klinik Frankfurt noch ganz andere Untersuchungsmethoden angewendet werden, das Auge wird mit Hilfe irgendwelche Maschinen genauer ausgemessen, usw.
Wenn sich herausstellen sollte, dass ich wirklich schiele, kann ich ja laut dem obigen Zusatz trotzdem flugtauglich geschrieben, richtig?
Wenn dies aber nicht gehen sollte, was gibt es evtl. für Behandlungsmethoden, Sehschule, OP oder sonstiges?
Vielen, vielen Dank im Voraus!
Mit freundlichen Grüßen


