Hallo, Conny
Einige Erfahrungen im und aus dem Grenzbereich der MKH-Messtechnik!
Zwei Vorbemerkungen
1) Wenn es keine gute Kommunikation bzw. Mitarbeit in einer optometrischen Beratung/Messung gibt,, kann dies auf beiden Seiten liegen(!), ein negatives Resultat ist dann oft vorprogrammiert und sagt leider nichts aus!
2) In der Schieldiagnostik wird einerseits immer der „objektive Schiel:wink:el“ gemessen, dies ist ein Winkel, der die abweichende Stellung der Augenachsen in Winkelgrad ermittelt. Er kann durchaus schwankend(!) sein. Neben der Ermittlung dieses wichtigen Wertes, gibt es die Angabe des „subjektiven Schiel:wink:els“. Hierbei wird in der Regel über einen sehr kräftigen Impuls z.B. einen Lichtpunkt oder einen Lichtschweif, die Information so in beiden Augen abgebildet, dass der Probant sie gleichzeitig wahrnehmen kann. Er wird nun angeleitet, diese Bildeindrücke zur Deckung zu bringen. Das Ergebnis ist vielfach abhängig vom Testaufbau. Im nachfolgenden wird ausschließlich dargestellt, wie unter Verwendung von üblichen Testbildern nach MKH, sich diese wesentlich schwächeren Reize auf die binokulare Verarbeitung von Seheindrücken auswirken und im Ergebnis darstellen. Wichtig erscheint mir schon vorab der Hinweis, das jedes Ergebnis in sich keine Problemlösung darstellt, auch wenn der erste Eindruck sehr positiv wäre. Allerdings eröffnet sich hier in manchen(!) Fällen ein Weg zur Hilfe, der sonst verborgen bleibt. Ähnliche Testkonfigurationen z.B. im Synoptophor scheinen andere Resultate zu ergeben. Dies dürfte bei subjektiven Messtechniken als völlig normal anzusehen sein.
3) Für interessierte Anwender der MKH Es gibt Anzeige-Karten der Test-Seheindrücke, incl. Von Karten zur Schulung und Vorbereitung von Kindern, ab ca. drei Jahren. Sie erweisen sich nicht nur bei Messungen von Kindern als hilfreich. (s. auch diesjähriges IVBV-Seminar Anzeigekarten...).
Hinweise und Beobachtungen
1) Jeder Schieler sieht ein Bild, welches über nur ein Auge, evtl. wechselseitig, in der Sehrinde unserem Gehirn produziert wird. Hieran werden fünfzig verarbeitende visuelle Zentren beteiligt, die selbstständig nur Einzelaspekte, wie Form, Größe, Kontrast, Helligkeit, Farbe, Tiefe etc. bearbeiten. Die von uns letztlich wahrgenommene Sehinformation ist auf keiner(!) Mattscheibe vorhanden. Soviel weiß man. Aber, sieht jeder sein eigenes Bild? Was wird geprägt und verarbeitet und wie bilden sich die Erfahrungswerte, die letztlich für alles weitere maßgeblich sind. Wie lange dauert die Prägungsphase, und wird sie wirklich ganz abgeschlossen? All das sind teilweise offene und diskutierte Fragen. Richtig ist jedenfalls, das Sehen erst nach(!) der Geburt erlernt werden kann, im Gegensatz beispielsweise zum Hören und Schmecken.
2) Vor 15 Jahren habe ich mich mit der Frage der Richtigkeit der MKH-Methodik beschäftigt. Neben dem tagtäglichen Umgang mit Augenglasbestimmungen zwecks Brillenversorgungen, habe ich damals Erfahrungswerte und Grenzen dieser Messtechnik ausloten wollen. Dazu hatte ich mir bewusst schielende Personen einbestellt, und versucht binokulares Einfachsehen unter Prüfraumbedingungen zu erreichen. Es gab hierbei verschiedene Grundkompositionen, die ich nachfolgend aufführe.
2a) Nur äußerst selten ließ sich kein Doppelbild-Seheindruck unter Messbedingungen erzielen. Dies war für mich damals, der ich nur geringe Erfahrungen mit Schielern hatte, in positiver Weise verwunderlich.
2b) Bei allen Probanten, bei denen ein Doppelbild-Seheindruck hervorgerufen werden konnte, ließen sich weitere Unterschiede feststellen.
2c) Probanten, bei denen sich die Bilder aus der Doppelbildlage zu einer simultanen beidäugigen Verschmelzung bringen ließen, unterschieden sich bei Fern- und Nahsicht in gleichartige und ungleichartige Korrektionsstärken, sowie unter Kopfbewegungen in stabile, oder aber variablen Werte während einer Sitzung. Allein auch hier überraschte mich der Anteil an spontan positiven Erfahrungen, bei teilweise durchaus auch sehr hohen prismatischen Ausgleichswirkungen. Hier sind weitere Abklärungen und erste Korrektionsschritte evtl. erfolgversprechend.
Einschub Neuerdings mache ich bei Personen mit Lähmungskomponenten und Doppelbildern die Erfahrung, dass aus dem Verschmelzen von Seheindrücken anfangs nur im zentralen Blickbereich, dieser doppelbildfreie Sehbereich sich durch Adaptation oft auf die ganze Korrektionsfläche des Glasbereiches der Brille ausweitet, manchmal verbunden mit einem Ausschaltphänomen in der kritischen Blickrichtung, seltener mit nur in dieser Richtung bestehen bleibenden Doppelbildern. Diese positiven Erfahrungen lassen sich bei frühzeitigem Eingreifen durch Korrektionen durchaus häufiger machen.
2d) Probanten, die keine simultane beidäugige Bildverschmelzung, wohl aber Doppelbildseheindrücke angeben konnten, machten mir nachfolgende unterschiedliche Angaben unter den MKH-Testen mit positiver Polarisation.
- Die Bilder konnten angenähert werden, aber bevor sie deckungsgleich wurden, verschwand ein Seheindruck. Bei weiterer Wertzugabe konnte er entgegengesetzt wieder auftauchen. Bei Abschwächung verschwand er wieder. Es soll eine Möglichkeit existieren, genau auf die Mitte der Werte gezielt einen Korrektionsversuch zu unternehmen. Erfahrungen hierüber liegen mir selbst keine vor.
- Ein ähnlicher Erfolg wurde erzielt, indem die Bilder sich wie zwei Magnete innerhalb eines bestimmten Abstandes abstießen und nicht näher zusammengeführt werden konnten. – Abbruchsituation.
- In nur zwei Fällen erlebte ich, dass die Bilder wie von unsichtbarer Hand gezogen, aneinander bei einem weiteren kleinen Korrektionsschritt vorbeigezogen wurden, und in sicherem Abstand wieder verharrten. Ein ähnlicher, aber anderer Eindruck, wird geschildert, wenn Bilder ein und desselben Objektes, in unterschiedlicher Entfernung mit jedem Auge gedeutet werden. Während im ersten Fall eine Korrektion aussichtslos ist, konnte im zweiten Fall vereinzelt auch schon geholfen werden, wenn die Bilder voreinander verharren und mit der Zeit, die unterschiedliche Bildentfernung zu der echten Objektentfernung sensorisch verkoppelt wird.
Zusammenfassung
Ohne die genaue Grundinformation, wie sich im „Einzelfall“ (unter Prüfraumbedingungen erzeugte) Doppelbild-Seheindrücke mit Testbildern unter positiver Polarisation bei MKH-Testbildern verhalten, bietet sich für mich persönlich heute keine umfassende Beurteilung bei Schielern mehr an.
Nicht die gemessenen Winkel von Augenfehlstellungen, sondern erst der individuelle Input in der Bildverarbeitung unter den wesentlich natürlicheren Bedingungen der MKH-Testbilder ist für mich das entscheidende Kriterium im diskutierten Bereich über einen möglichen Binokularansatz im Sehen von Schielern. Nur hier gibt es meines Wissens eine solch ausgeprägte Sensibilität in der Beobachtung der Bildverarbeitung des Individuums. Man schaut über die Beschreibungen des Probanten zu, wie Sensorik mit diesen Bildern fertig wird. Dies bildet die Grundlage für weitere Einzelkorrektionsschritte. Leider ist dies den allermeisten Untersuchern nicht bekannt.
Ob und wie, in diesen Grenzbereichen zum Binokularsehen mit den ermittelten Ergebnissen weiter umgegangen werden kann, wäre ein anderes Thema, bei dem ein Augenoptiker immer auf eine gute Verbindung mit der Fachärzteschaft angewiesen bleibt.
Update 2