Hi Philipp!
Du hast keine Brille bekommen? Das find ich echt ungeheuerlich. Leider, muss ich jetzt zugeben, gibt es auch in unserer Berufsgruppe noch Fachleute, die nach alten, überholten Methoden vorgehen...
Wann treten denn die Kopfschmerzen auf? Nach längerer visueller Belastung? oder auch schon am Morgen? Wird dir dabei übel? Musst du dich hinlegen? Bist du dabei lichtempfindlich?
Natürlich können ein Außenschielen und Kopfschmerzen zusammenhängen, ich habe selbst schon mehr Patienten gesehen, deren Kopfschmerzen mit einer richtigen Brille oder gegebenenfalls auch Prismen viel besser geworden sind. Nichtsdestotrotz sollte man häufiges Kopfschmerzen abklären lassen - am besten mal bei einem niedergelassenen Neurologen!
Das normale Procedere bei Kopfschmerzen, bei denen der Verdacht besteht, dass sie durch ein Außenschielen verursacht werden, ist folgendes
- Bestimmung der Refraktion unter Cycloplegie (dh. eintropfen, um die Akkommodationsfähigkeit auszuschalten) und Ausgleich der vorhandenen Fehlsichtigkeit (meist sind diese Patienten gering weitsichtig).
- Messung der Akkommodationsfähigkeit
- Anpassung einer Brille (möglichst Vollkorrektur anstreben). Zu 80% kann man mit der Brille alleine schon eine 'Heilung' herbeiführen.
- wenn damit die Beschwerden noch nicht besser sind, dann sollte man den Prismenausgleich versuchen. Wir geben dazu erstmal Prismenfolien, da der Winkel sich noch vergrößern kann und diese nach subjektiver Verträglichkeit, dh. der Pat. sagt, was ihm noch angenehm ist.
- wenn die Folien längere Zeit, dh. mindestens 3 Monate getragen wurden und der Winkel stabil ist, kann man eine Prismenbrille verordnen (ich warte damit immer etwas, da eine Prismenbrille sehr teuer ist und ich nicht will, dass der Patient nach 2 Monaten wieder neue Gläser braucht, weil sich was geändert hat - diesbezüglich gehen die Meinung hier stark auseinander, wie du sicherlich bald sehen wirst (es würde mich wundern, wenn da nicht gleich wieder jemand gegen die Folien wettern würde, aber sie sind nun mal viel billiger und praktischer))
- wenn der Winkel stark zunimmt und operationswürdig wird, dann wird eine Operation angestrebt, aber auch erst, wenn der Schiel:wink:el eine Zeitlang stabil ist.
Ich kann natürlich verstehen, dass du jetzt enttäuscht bist und es tut mir persönlich auch leid, dass dir nur ein Augentraining verordnet worden ist (das als unterstützende Maßnahme ja ganz gut sein kann, aber wirklich nur als unterstützende Maßnahme).
Vielleicht holst du dir ja mal eine zweite Meinung bei einem Augenarzt ein, der eine andere Orthoptistin angestellt hat und hörst dir an, was die machen würden.
Eine Vorstellung bei einem niedergelassenen Neurologen würd ich dir trotzdem auch nahelegen!
Lg, Ulrike