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Bild des Benutzers Pfeiffchen
Beigetreten: 21. Oktober 2007 - 23:15
Brille nach Netzhaut-Op

Hallo liebe Fachleute,

aus aktuellem Anlass eine Frage, von der ich hoffe, dass jemand ein paar Erfahrungen hat, um sie zu beantworten, auch wenn es mehr Augenheilkunde und nicht so sehr das Optikerhandwerk betrifft.

Eine Frau aus dem näheren Bekanntenkreis, geburtsurkundlich knappe 70 Jahre (von Auftreten und Aussehen/Fitness her aber höchstens zwischen 50 und 60- ich schreibe das nur, um zu verdeutlichen, also noch keine Omi, die sich auf das Seniorenheim vorbereitet ;-), da Alter und körperlich/geistiger Zustand durchaus etwas mit Therapieangebot und -erfolg zu tun haben) kurzsichtig mit ca. –5,0 auf beiden Augen.

Vor einigen Jahren beginnende Netzhautablösung, die mit Laserbehandlungen zumindest gestoppt werden konnte. In der Folge Bildung einer epiretinalen Gliose sowie eines Makulaforamens. Die Netzhaut-/Makulaveränderungen betreffen beide Augen gleichermaßen., der Visus beträgt ca.0,5 und die Linse war inzwischen auch deutlich getrübt.

Vor einigen Wochen wurde zunächst das etwas schlechtere Auge operiert- Makulahäutchen entfernt, das Foramen soweit wie möglich per Laser „repariert“ sowie die eingetrübte Linse durch eine Kunstlinse ersetzt.

Das heißt, die Linse wurde so gewählt, dass für die Ferne Brille nötig ist, Lesen aber ohne gehen müsste (Linsenwert ca.-3,0). Nun kann sie mit dem operierten Auge zwar in der Ferne wieder sehen, aber Lesen geht so gut wie gar nicht. Von der Augenärztin wurde ihr gesagt, sie solle „trainieren“, um die Sinneszellen der Netzhaut anzuregen, völlig ohne andere Hilfsmittel (vorher ging ja schon einiges nur mit Lupe/Vergrößerung) oder neue Brille. Dazu kommt noch, dass es die Brille mit den alten Werten ist, da ja frühestens 6 Wochen nach der Op neu vermessen wird.

Meine Frage nun: Ist es sinnvoll, jetzt ohne passende Brille etwas zu trainieren? Kann man das wirklich trainieren oder braucht die Netzhaut nicht überhaupt erstmal vernünftige, sinnvolle Bilder zum Verwerten/Trainieren? Selbst wenn man mehrfach die Gläser wechseln müsste, wäre es nicht besser, von Anfang an optimal korrigiert zu arbeiten? Bei einem vorherigen Visus von 0,5 ist das ja eh Kante mit der normalen Lesefähigkeit, was soll man da speziell trainieren?

Wie handhabt ihr solche Versorgungen und welchen Rat könntet ihr dazu geben?
 

Würde mich über Hinweise sehr freuen!

Liebe Grüße

Eli

 

Bild des Benutzers Eberhard Luckas
Beigetreten: 29. September 2002 - 0:00

Hallo Eli,

 

hier ist die Frage, welche Sehschärfe jetzt beide Augen haben und wie hoch der Vergrößerungsbedarf beim Lesen ist. Durch die Netzhaut-Probleme kann es sein, dass gerade in der Makula Sehzellen zerstört wurden und Skotome ausgebildet wurden. (Gesichtsfeldausfälle). In solchen Fällen hilft es manchmal, ein exzentrisches Sehen zu trainieren, also an den eigentlichen Dingen vorbei zu schauen.

Hier ist ein guter Low-Vision-Augenoptiker gefragt, schau mal unter www.low-vision-kreis.de. Ich hoffe, dass einer der Kollegen nicht allzuweit von Deinem Wohnort bzw. vom Wohnort der Dame entfernt ist.

 

Gruß

Eberhard

Viele Grüße

Eberhard

Bild des Benutzers Pfeiffchen
Beigetreten: 21. Oktober 2007 - 23:15

Hallo Eberhard,

danke für deine Hinweise.

Skotome sind vorhanden, genau da, wo sie hinschaut, sind die skotomtypischen schwarzen Flecken/ der schwarze Strich.

Wir haben in einem der Nachbarorte einen engagierten Optiker, der sich zwar mit low vision beschäftigt , aber nicht Mitglied in dieser speziellen Vereinigung ist. Ausgewiesen als Spezialoptiker sind die nächsten Anlaufstellen ca. 150km weg.

Folgendes würde mich noch interessieren:

1. Kann man das „exentrische Sehen“ automatisch, durch das von der AÄ empfohlene Training erreichen oder muss/kann da mit Prismen nachgeholfen werden, um den Lichtstrahl entsprechend anders auf die Netzhaut zu lenken?

2. Wäre es eine Möglichkeit, zunächst mit verstärkter Add. und entsprechenden Prismen BI zu arbeiten? Erreicht man damit nur eine Vergrößerung oder werden dabei auch andere/exentrische Netzhautstellen mit zum Sehen/Lesen angeregt?

3. Besteht überhaupt die Möglichkeit, dass der Visus nach der Op höher wird als vor der Op? Durch Entfernen des Häutchens vor der Makula, neue Linse- besteht theoretisch eine Chance (es war vorher bei der AÄ davon die Rede)?

Ich würde mich über Antwort und vielleicht noch Hinweise sehr freuen!

Liebe Grüße und ein schönes WE
Eli
 

Bild des Benutzers Eberhard Luckas
Beigetreten: 29. September 2002 - 0:00

Hallo Eli,

 

es gibt ein spezielles Sehtraining für exzentrisches Sehen, leider gibt es noch nicht viele Fachleute, die das vermitteln, ich könnte es. Kostenpunkt ca. 50 € und Dauer ein bis 3 Wochen, je nach Belastung des Betroffenen.

 

Zudem gibt es spezielle Brillenglaser, die nur von den Low-Vision-Fachleuten des Low-Vision-Kreis e.V. abgegeben werden dürfen. Diese Gläser haben bis zu 10% Vergrößerungswirkung und Kontraststeigerung. Zudem verschieben sie das Sehen vom Skotom weg.

150 km ist sicher eine recht weite Entfernung, aber wenn dort Hilfe möglich ist.........

Zur Zeit fehlen dem Low-Vision-Kreis noch einige Mitglieder, um flächendeckend aktiv sein zu können.

 

Dann gibt es vergrößernde Nahbrillen, tatsächlich mit Überaddition und konvergenzunterstützenden Prismen, zusätzlich mit Kaltlichtlampe und Filterwirkung 400 nm incl. Enstpiegelung, die oft ein gutes Lesen wieder ermöglichen, wenn der dabei entstehende kurze Leseabstand akzeptiert wird. Jedes größere Bild erreicht Netzhautstellen, die noch intakt sind.

Ob der Visus nach der OP steigt, kann niemand voraussagen. Die zusätzliche Star-OP (Cataract-OP) kann dazu führen, dass die Netzhaut noch mehr belastet wird. Lichtschutz mit Blaufilter ist danach unbedingt notwendig.

 

Viele Grüße

Eberhard

Viele Grüße

Eberhard